Angesaugt

Schröpfen: Anleitung zum Vakuum-Heilverfahren

Susanne Falleram 17.08.2016 um 16:29 Uhr

Rückenschmerzen, Verspannungen, Stress, Müdigkeit und leichtes Herumkränkeln: Das ist für viele von uns beinahe alltäglich. Schröpfen soll als uraltes Heilverfahren bei all diesen Problemen helfen. Sogar gegen Cellulite soll es ein Wundermittel sein. Blaue Flecken sind bei der Behandlung inbegriffen, nicht selten geht es sogar blutig zu. Trotzdem erfreut sich die Saug-Therapie bis heute hoher Beliebtheit. Was Du über sie wissen musst und wie Du Schröpfen mit einer Anleitung selber machen kannst, das erklären wir Dir hier.

Bereits in der Antike, im alten China und bei Schamanen anderer Volksstämme war Schröpfen eine angesehene Heilmethode und wurde gegen alle möglichen Wehwehchen eingesetzt. Die einen wollten die „Körpersäfte“ zum Fließen bringen, die anderen böse Geister austreiben, wieder andere wollten giftige Stoffe aus dem Körper saugen. So oder so sollte die Behandlung das Wohlbefinden bessern. Und so wird sie auch grundlegend noch heute angewendet. Helfen soll Schröpfen neben den genannten Wehwehchen übrigens auch bei Rheuma, Migräne, Knieproblemen, der Grippe und sogar bei Depressionen.

Schröpfen

Schröpfen sieht schmerzhaft aus, lindert aber einige akute und sogar chronische Beschwerden

Schröpfen: Anleitung zum Selbermachen

Das Grundprinzip des Schröpfens ist einfach. Mit einem Schröpfglas oder gleich mehreren wird eine Körperstelle behandelt, bei der akute oder chronische Schmerzen vorliegen oder von der man weiß, dass sie Nervenbahnen zu bestimmten Organen enthält, die gerade gesundheitliche Probleme machen. In den auf die Haut aufgesetzten Gläsern wird mit Hilfe von Wärme im Glas, zum Beispiel durch ein kleines Feuer oder eine Vakuum-Pumpe, ein Unterdruck erzeugt, sodass die obersten Hautschichten angesaugt werden. Dadurch sollen der Lymphfluss, die Blutzirkulation und sogar der Fettabbau effektiv angeregt werden. Soweit zur Theorie.

Schröpfen Hämatome

Das Schröpfen hinterlässt Spuren auf der Haut

Schröpfen lernen ist eine medizinische Kunst für sich, weshalb eine laienhafte Anwendung zu Hause natürlich mit einem gewissen Risiko verbunden ist. Durch das auf der Haut gebildete Vakuum bleiben bei zu intensiver Anwendung mitunter leichte, blaue Flecken oder auch mal fiese Hämatome zurück. Darum sollte man in den ersten Stunden nach dem Schröpfen auch nicht heiß duschen oder die Haut sonstigen Belastungen aussetzen, um bleibende Schäden zu vermeiden. Auch sollte man darauf achten, das Verfahren nicht zu oft und nicht immer wieder an der exakt gleichen Stelle durchzuführen. Achtung: Bei Hautverletzungen oder -erkrankungen sollte man es nicht anwenden! Die Feuermethode ist bei der Heimanwendung auch nicht zu empfehlen.

Zum Schröpfen benötigt man etwas Bodylotion oder Körperöl, um die Haut gleitfähiger zu machen. Außerdem werden natürlich Schröpfgläser benötigt; diese gibt es mit einer dazugehörigen Vakuumpumpe zum Absaugen der Luft zum Beispiel bei Amazon oder auch in Form von Gläsern mit hohlen Gummibällen als Aufsatz zum Ansaugen der Haut.

Schröpf-Anleitung:

  • Bevor Du die Gläser auf die Haut setzt, cremst Du sie erst mal gut ein. So kannst Du das Schröpfen nicht nur punktuell besser anwenden, sondern auch in Form einer Schröpfmassage, bei der Du mit dem Vakuum-Glas über die Haut gleitest und so ein breiteres Areal behandelst.
  • Schröpfen

    Durch einen Vakuum-Effekt haften die Gläser an der Haut

    Finde die richtige Körperstelle zum Schröpfen. Je nach Beschwerden weißt Du vielleicht gleich, wo es zwickt, zum Beispiel am Rücken oder an den Beinen. Wenn nicht, dann kannst Du Dir hier noch mal ein paar Bilder ansehen, wo Du die Gläser je nach körperlichem Problem platzieren musst.

  • Sauge die Luft ab, erzeuge am Anfang jedoch nur einen leichten Unterdruck, um Deine Haut nicht zu überanstrengen.
  • Nun kannst Du die Gläser im Zuge einer Schröpfmassage bewegen oder Du lässt sie an Ort und Stelle für rund fünf bis zehn Minuten, wodurch das Ergebnis punktuell intensiver wird.
  • Nach der Wirkungszeit kannst Du die Gläser von der Haut abziehen. Danach legst Du Dich am besten so hin, dass sich die behandelte Hautregion an der Luft erholen kann und keinen Druck abbekommt. Keine Sorge, die bunten Flecken verschwinden mit der Zeit.

Im Video kannst Du Dir das Schröpfen mit Anleitung nochmal genauer ansehen:

Trockenes Schröpfen vs. blutiges Schröpfen

Es gibt zwei unterschiedliche Schröpfmethoden, die man anwenden kann. Für zu Hause eignet sich das unblutige, trockene Schröpfen. Hier werden die Gläser, wie bereits beschrieben, auf die unversehrte Haut aufgesetzt. Dadurch wird die Haut lediglich angehoben, sodass der Blut- und Lymphfluss in den unteren Hautschichten angekurbelt und Verspannungen abgebaut werden.

Beim blutigen Schröpfen wird die Haut vor dem Aufsetzen der Saugglocken mit winzigen Nadeln perforiert, also punktuelle, winzige Wunden erzeugt, durch die das Blut beim Schröpfen aus dem Körper fließen kann. Diese Methode soll besonders bei akuten Schmerzen wirksam sein und ähnelt dem mittelalterlichen Aderlass. Achtung: Diese Variante NIEMALS zu Hause probieren, sondern immer von einem Arzt durchführen lassen! Das Verletzungs- und Infektionsrisiko ist sonst zu groß.

Wie ein blutiges Schröpfen abläuft, kannst Du Dir hier anschauen:

Die Kosten des Schröpfens

Der Preis für das Schröpfen ist in der Heimanwendung natürlich ziemlich gering, dadurch, dass man sich nur einmal die Schröpf-Utensilien kaufen muss und sie, frisch gereinigt, einfach wiederverwenden kann. Bei Ärzten oder Heilpraktikern muss man pro Sitzung mit Kosten von etwa 30 bis 80 Euro rechnen. Die Krankenkassen bezahlen die Behandlung nicht, da es zu wenige Studien gibt, die einen ausschlaggebenden Effekt belegen. Allerdings gibt es bis heute genügend Leute, die über erstaunlich positive Auswirkungen des Schröpfens auf ihre Gesundheit berichten. Also heißt es wohl einfach: Ausprobieren!

Bildquellen: iStock/Dmitrii Kotin, iStock/Jutamas Khongpoonvirun, iStock/happiness_studios

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