#theysaid
Nina Rölleram 07.06.2017

Body Shaming – also das Bewerten und Verurteilen von Menschen aufgrund ihrer Körper – wird in den letzten Jahren zum Glück häufiger thematisiert. Ein aktueller Twittertrend zeigt uns nämlich einmal mehr, wie sehr vor allem Frauen schon ab dem Kindesalter von verletzenden Kommentaren betroffen sind: Unter dem Hashtag #theysaid berichten Twitter-Userinnen von all den Sprüchen über ihre Körper, die auch noch nach vielen Jahren hängen geblieben sind. Wenn man sich all die Kommentare durchliest, ist es kaum ein Wunder, dass so viele Frauen unter Essstörungen und körperlichen Komplexen leiden. Doch überzeuge dich am besten selbst, vielleicht hast du einen dieser Sprüche über deinen angeblich zu dicken, zu dünnen oder zu muskulösen Körper selbst schon einmal gehört!

#theysaid

Der Hashtag #theysaid verdeutlicht, wie omnipräsent Body Shaming im Leben von Frauen ist.

„Heute auf den Lippen, morgen auf den Hüften.“

Begonnen hat die aktuelle Body-Shaming-Debatte mit einem Tweet von Sally Bergesen, Gründerin des Sportswear-Labels „Oiselle“. Unter dem Hashtag #theysaid, was so viel bedeutet wie „sie sagten, …“ teilte die Unternehmerin einen Spruch ihres Vaters, den sie bereits mit 12 Jahren zu hören bekam: „Iss nur so weiter und du wirst aussehen wie ein Butterball.“

Mit diesem Tweet wollte Sally nicht nur ein prägendes Erlebnis aus ihrer Kindheit erzählen, sondern forderte ihre Follower auch dazu auf, ihre ganz persönlichen Erfahrungen zu teilen. Innerhalb kürzester Zeit ploppten zahlreiche Tweets unter dem Hashtag #theysaid auf. Viele drehen sich dabei um das Thema Körpergewicht und Essverhalten, wie das folgende Kommentar: „Du wirst so fett, dass du davon nicht mehr zurückkehren kannst… Du solltest immer nur so viel essen, wie in eine Faust passt.“

Der nächste Tweet macht deutlich, wie solche Kommentare Essstörungen begünstigen können: „’Du solltest wirklich aufhören, so viel zu essen, du wirst jeden Tag fetter.’ – meine Mutter. Ich hatte Kleidergröße 36 und bin nun seit drei Jahren magersüchtig.“

Doch nicht nur Mütter sind oft groß im Body Shaming. Auch der eigene Partner kann einen mit seinen Worten nachhaltig treffen: „’Ich wünschte, du hättest einen kleineren Bauch und größere Oberschenkel, aber ich liebe dich so, wie du bist.’ – mein Freund, mit dem ich zu der Zeit bereits ein Jahr zusammen war.“

Oft prasseln derartige Kommentare genau dann auf Frauen ein, wenn sie gerade etwas Leckeres essen: „Als ich gerade ein Eiscreme-Sandwich aß: ‘Warum klebst du dir das nicht gleich an deine Oberschenkel?’“

Richtig krass finde ich auch den folgenden Tweet, der verdeutlicht, wie wichtig vielen Menschen Äußerlichkeiten zu speziellen Anlässen sind: „Wir schießen deine Abschlussfotos einfach nochmal, wenn du 20 Pfund abgenommen hast.“

„Vom Joggen bekommst du dicke Waden!“

Da viele der Follower von Sally Bergesen auch Sportlerinnen sind, thematisieren einige Tweets auch Body Shaming von Frauen, mit muskulösen oder athletischen Körpern, die manchen nicht in ihr weibliches Schönheitsideal zu passen scheinen. In diesem Tweet heißt es zum Beispiel: „’Du solltest mit dem Laufen aufhören. Es macht deine Oberschenkel dick.’ – mein Exfreund zu mir, als ich 18 Jahre alt war. Diese großen Oberschenkel gewinnen mittlerweile Wettrennen.“

Für viele Menschen scheint Sport auch nur dann Sinn zu machen, wenn man davon eine schlankere Figur bekommt: „Meine Familie fragt mich STÄNDIG: ‘Du trainierst so viel. Wie kann es dann sein, dass du nicht dünn bist?’ Weil Sport ja bekanntlich den Körpertyp bestimmt, richtig?“

Das scheint ein wirklich weitverbreitetes Phänomen zu sein, wie auch dieser Tweet beweist: „’Dafür, dass du so viel läufst, hätte ich gedacht, dass du viel schlanker sein würdest.’ – der Ehemann einer Kollegin.“

„Ich würde für deine Figur töten!“

Doch nicht nur angeblich zu dicke oder sportliche Frauen bekommen Body Shaming zu spüren, sondern auch dünne Frauen. Hierbei handelt es sich zwar oft nicht um verurteilende Bemerkungen, doch sie können ebenso sehr Schaden anrichten. Allzu oft bekommen nämlich Frauen genau dann Komplimente über ihre Figur, wenn es ihnen psychisch gerade gar nicht gut geht. Diese unter Essstörungen leidende Frau tweetet zum Beispiel: „’Ich würde für deinen Körper töten.’ – andere Mädchen, während ich gerade so genug aß, um über den Tag zu kommen.“

Die völlige Ignoranz gegenüber Menschen mit gestörtem Essverhalten zeigt sich auch gerne auf Familienfeiern, wenn unbedachte Kommentare geäußert werden: „’Wow, du isst so viel.’ – ein Familienmitglied einen Monat nach meiner Essstörungstherapie.“

Dass Frauen es in unserer Gesellschaft sowohl mit dünnen als auch dicken Körpern schwer haben, zeigt der folgende Tweet. Erst zu dünn, dann zu dick, dann wieder zu dünn: „1. Du musst mehr essen. 2. Sobald du 20 wirst, wirst du fett. 3. Sobald du ein Kind hast, wirst du anfangen fett zu werden. 4. Ew, iss mal einen Burger!“

#shereplied: So kannst du auf verletzende Kommentare reagieren

Natürlich kann es schon befreiend sein, all diese verletzenden Kommentare mit anderen auf Twitter zu teilen. Durch die schiere Menge der verletzenden Sprüche merkt man vielleicht, dass Body Shaming einfach ein gesellschaftliches Phänomen ist, mit dem eigentlich jede Frau zu kämpfen hat. Das Problem liegt also wirklich nicht an persönlichen Defiziten, sondern vielmehr sollten wir uns darum kümmern, solchen Bemerkungen selbstbewusst zu entgegnen. Daher hat Sally Bergesen nun dazu aufgefordert unter dem Hashtag #shereplied Vorschläge zu machen, wie man am besten auf solche Kommentare kontert. Eine Userin schlägt vor: „Alle Körper sind großartig! Zu schade, dass man das gleiche nicht von deiner Einstellung behaupten kann!“

Ganz besonders wichtig finde ich es auch, anderen bewusst zu machen, dass Schlanksein allzu oft auch Folge von Depressionen, Esstörungen oder Liebeskummer sein kann. Viel zu häufig habe ich es selbst schon erfahren, dass mir selbst genau dann Komplimente über meine Figur gemacht wurden, wenn ich aus psychischen Gründen einfach nicht viel essen konnte. Hey, aber Hauptsache, man hat abgenommen! Eine Twitter-Userin schlägt daher zurecht folgenden Kommentar vor: „Schlank ist nicht immer gesund. Bitte frag mich lieber, ob es mir gut geht.“

Na, kannst du von solchen Kommentaren auch ein Lied singen? Wenn du ein bisschen nachdenkst, bin ich mir sicher, dass du in deinem Leben bestimmt auch schon viele blöde Bemerkungen gehört hast. Wenn du deine Erlebnisse nicht auf Twitter posten möchtest, kannst du uns auch einfach in den Kommentaren die Sprüche nennen, die dich nachhaltig verletzt haben oder uns verraten, wie man am besten auf Body Shaming reagiert. Wie du auch auf andere dumme Kommentare deiner Familie konterst, zeige ich dir hier.

Bildquelle: iStock/KatarzynaBialasiewicz, iStock/vadimguzhva

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