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Nina Rölleram 22.09.2017

Die Bundestagswahl steht kurz bevor. Noch hast du also Zeit, dich für eine Partei zu entscheiden oder deine bisherigen Wahlentscheidungen zu überdenken. Ob Karrierefrau, Mutter oder beides: Was halten die Parteien eigentlich von Frauenquote, Impfpflicht und Ganztagsbetreuung? Wir haben die Positionen der sechs größten Parteien recherchiert und für den Fun-Faktor noch die PARTEI und die neue ominöse HipHop-Partei „du.“ mit dazu gepackt.

Für die folgende Übersicht habe ich mir die familien- und frauenpolitischen Fragen aus dem Wahl-O-Mat gepickt. Auch wenn oft behauptet wird, dass sich die großen Parteien kaum voneinander unterscheiden, gehen die Meinungen in vielen Punkten weit auseinander. Es lohnt sich also, einen Blick in unsere Liste zu werfen, bevor du am Sonntag wählen gehst. Findest du es unverantwortlich, wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen? Oder findest du die Frauenquote unsinnig? Dann erfahre hier, welche Partei du am besten wählen solltest:

CDU/CSU: Impfpflicht, ansonsten alles, wie gehabt

Familienpolitik SPD

Lieber laut und fordernd oder kinderleicht?

Impfpflicht: Die Union spricht sich klar für eine gesetzlich verankerte Impfpflicht aus. Impfverweigerer gefährden aus ihrer Sicht das Wohl ihrer Kinder und das Anderer. Gegen bestimmte Krankheiten sollen Eltern also verpflichtet werden, Kleinkinder impfen zu lassen.

Frauenquote: An der aktuell bestehenden Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten von börsennotierten Unternehmen hat die CDU nichts zu meckern: Der Frauenanteil sei seit der Einführung gestiegen und die Quotenregelung damit offensichtlich erfolgreich.

Kinderbetreuung: Die CDU ist ebenfalls für den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung von Kindern im Grundschulalter. Diese soll aber auf jeden Fall eine freiwillige Option sein: Eltern sollen selbst entscheiden, ob sie das Angebot annehmen oder nicht.

 

SPD: Aufklärung statt Gesetze

Impfpflicht: Die SPD spricht sich gegen eine gesetzliche Impfpflicht aus. Sogenannte Impflücken sollten lieber durch Aufklärung und Beratung anstelle von Gesetzen geschlossen werden. Auf diese Weise sollen Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, umgestimmt werden.

Frauenquote: Wenn es nach der SPD geht, soll die Frauenquote in Führungsgremien auf 50 Prozent erhöht und auf alle Vorstände und Aufsichtsräte ausgedehnt werden. So stelle man sicher, dass bei der Besetzung von hohen Positionen die Qualifikation und nicht das Geschlecht zählt.

Kinderbetreuung: Auch die SPD möchte den Rechtsanspruch auf die Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern einführen. Ermöglicht werden soll das auch durch die finanzielle Beteiligung des Bundes. Dadurch sollen nicht nur Eltern entlastet, sondern auch die Bildungschancen von Kindern, unabhängig von Bildung und Einkommen, verbessert werden.

 

DIE LINKE: Kostenloses Essen für Kinder

die Linke

Kostenlose Kinderbetreuung wird bei der Linken groß geschrieben.

Impfpflicht: Auch links von der SPD ist man gegen eine gesetzliche Impfpflicht. Dennoch sollen Impfungen in Schulen und Kitas durch freiwillige Impfaktionen gefördert werden. Laut der LINKEN existieren Impflücken nicht, „weil sich die Menschen bewusst gegen Impfungen entschieden hätten, sondern weil es an Unterstützung mangelt.“

Frauenquote: Die derzeit bestehende Frauenquote ist der LINKEN noch zu lasch. Frauen hätten es immer noch schwer, Zugang zu Leitungspositionen zu bekommen. Die Quote soll daher verbindlich für die Aufsichtsräte und Vorstände aller Unternehmen werden.

Kinderbetreuung: Die LINKEN sprechen sich ganz klar für eine gebührenfreie Ganztagsbetreuung aus, die unabhängig vom Einkommen der Eltern gilt. Zusätzlich fordern sie kostenloses hochwertiges Essen, um sicherzustellen, dass alle betreuten Kinder täglich eine warme Mahlzeit erhalten.

 

DIE GRÜNEN: Mehr Frauen in die Chefetagen

Impfpflicht: Auch die GRÜNEN sind gegen eine Impfpflicht. Obwohl Krankheiten wie Masern gefährlich seien, sei eine gesetzliche Verpflichtung nicht das richtige Mittel, um einen flächendeckenden Impfschutz zu gewährleisten. Stattdessen soll lieber auf bessere Aufklärung und Beratung gesetzt werden.

Frauenquote: Wie auch die SPD sprechen sich die GRÜNEN für eine 50-Prozent-Frauenquote aus. Derzeit seien die Führungsgremien in Deutschland trotz Quotenregel weitgehend Männerrunden, da das bestehende Gesetz lediglich für 101 Unternehmen gelte. Die Regelung soll daher auf alle 3.500 börsennotierte und mitbestimmte Unternehmen ausgeweitet werden.

Kinderbetreuung: Auch hier ein klares Ja zur Ganztagsbetreuung, die laut den GRÜNEN nicht nach dem Kindergartenalter enden darf. Zusätzlich sollen außerdem flächendeckend Ganztagsschulen ausgebaut werden.

FDP: Impfpflicht ja, aber weg mit der Quote

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Ganz im Gegensatz zu den Grünen, will die FDP die Frauenquote abschaffen.

Impfpflicht: Die FDP ist neben der CDU die Einzige unter den großen Parteien, die für eine gesetzliche Impfpflicht ist. Die sonst so liberale FDP will, dass Eltern, die sich weigern, ihre Kinder zu impfen, rechtliche Folgen drohen. Ausgenommen von der Impfpflicht für unter 14-Jährige sind natürlich Personen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.

Frauenquote: Klar, beim Thema Frauenquote stellen die Liberalen sich quer. Statt einer Ausweitung will die FDP die Quotenregelung gleich ganz abschaffen, denn sie degradiere Frauen zu Platzhaltern und würdige sie nicht für ihre tatsächliche Leistung. Die FDP appelliert daher lieber an Unternehmen, für eine Verbesserung des Frauenanteils zu sorgen – jedoch auf freiwilliger Basis.

Kinderbetreuung: Auch bei der Ganztagsbetreuung spricht sich die FDP für die Wahlfreiheit der Eltern aus. Niemand solle dazu gezwungen werden, seine Kinder auf eine Ganztagsschule zu schicken. Stattdessen sollen Eltern das Betreuungsmodell wählen können, das am besten zu ihrem Leben passt.

 

AfD: Erziehung ist Elternaufgabe

afd familienpolitik

Wenn es nach der AfD geht, sollten alle deutschen Frauen Kinder bekommen.

Impfpflicht: Die AfD hält Impfungen sowie Aufklärungskampagnen zwar durchaus für sinnvoll, ist aber gegen eine gesetzliche Impfpflicht. Die Entscheidung müsse laut Frauke Petry letztlich bei den Eltern bleiben.

Frauenquote: Von Quotenregelungen hält die AfD allgemein nichts und würde das derzeit bestehende Gesetz abschaffen wollen. Für die Masse der Frauen würden einzelne Karrierefrauen in Aufsichtsräten sowieso nichts bringen.

Kinderbetreuung: Die AfD ist klar gegen eine flächendeckende staatliche Ganztagsbetreuung. Erziehung sei primär Elternaufgabe, weshalb diese finanziell entlastet werden sollen. Dann könnten Eltern immer noch entscheiden, ob sie sich selbst um ihre Kinder kümmern wollen oder für eine Betreuung zahlen möchten.

Die PARTEI: Männerquote an der Lidl-Kasse

die Partei Familienpolitik

Kinder sind laut der PARTEI keine Touchscreens.

Impfpflicht: Die Satirepartei ist für eine gesetzliche Impfpflicht – jedoch mit einer Einschränkung: Eltern benötigen das schriftliche Einverständnis des Kindes. Weigern sie sich dennoch, ihre Kinder impfen zu lassen, müssten sie ins Heim.

Frauenquote: Die PARTEI möchte statt der bestehenden Quote lieber 17 Prozent. Außerdem soll zusätzlich eine Männerquote an der Lidl-Kasse, Kindergärten und auf Junggesellinnen-Abschiedspartys eingeführt werden.

Kinderbetreuung: Die PARTEI ist für die Ganztagsbetreuung und sagt nur eins:„Eltern wissen Bescheid, Zwinkersmiley!”

 

du. (Die Urbane): Mehr HipHop an Schulen

Impfpflicht: Die Urbane ist ganz klar gegen eine gesetzliche Impfpflicht. Ihrer Meinung nach verdienen an Impfungen lediglich die Pharmakonzerne. Eltern sollen lieber selbst abwägen dürfen, ob sie die Risiken von Impfschäden in Kauf nehmen.

Frauenquote: Die Quote finden die HipHopper gut. Die bestehende Regelung soll jedoch noch „top down auf weitere Ebenen im Unternehmen ausgeweitet werden.”

Kinderbetreuung: Die Urbanen sind für das Recht auf Ganztagsbetreuung, liefern aber keine Begründung dafür ab. Klar ist aber, dass sie sich für mehr HipHop in den Schulen einsetzen wollen – was auch immer das bedeuten mag.

Und so ticken die Politikerinnen in den Parteien

Bei den Statements handelt es sich um die Haltungen, auf die sich jeweils alle Mitglieder der Parteien einigen konnten. Doch welche Meinungen vertreten eigentlich speziell die Frauen in den Parteien? In der Bildergalerie siehst du Politikerinnen mit zum Teil recht kontroversen Ansichten:

Zur Wahl: 9 Politikerinnen und ihre Positionen

Na, hat dich die eine oder andere Haltung in Sachen Frauen- und Familienpolitik überrascht? Welches Statement hat dich besonders aufgeregt? Verrate uns mehr in den Kommentaren! Wenn du nun erst recht nicht mehr weißt, wen du bloß wählen sollst, erfährst du hier, ob du deine Entscheidung vom Wahl-O-Mat abhängig machen solltest.

Bildquelle:

iStock/Jovanmandic, iStock/UberImages, iStock/DGLimages

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