AfD
Jessica Tomalaam 25.09.2017

Deutschland hat gewählt. Nach den bisherigen Ergebnissen zieht die AfD mit 12,6 Prozent als drittstärkste Partei in den Bundestag ein. Stärkste Kraft bleibt die Union, die SPD geht wohl in die Opposition. Dieses Wahlergebnis ist bitter, nicht nur für die etablierten Parteien, sondern vor allem für unser Land. Es bedeutet aber immer noch, dass über 87 Prozent der Wähler ihre Interessen nicht von der AfD vertreten sehen. Von dieser Mehrheit gab es noch am Wahlabend zahlreiche Reaktionen, die mich hoffen lassen, dass es noch genügend Menschen gibt, die den falschen Kern der Partei erkennen.

Demos gegen die AfD

Sobald die ersten Hochrechnungen bekannt gegeben wurden, versammelten sich zahlreiche Menschen in vielen deutschen Großstädten, zum Beispiel in Berlin, Köln, Hamburg, München, Düsseldorf und Frankfurt, um gegen die Alternative für Deutschland zu protestieren. Allein in Berlin kamen Medienberichten zufolge mehrere Hundert Menschen zur AfD-Wahlparty am Alexanderplatz, wo sie vor dem Traffic Club ihren Unmut äußerten, darunter waren wohl auch Angehörige linksradikaler Gruppen. Bis auf einige kleine Zwischenfälle verlief der Protest, der von einem großen Polizeiaufgebot begleitet wurde, friedlich.

Zu hören war immer wieder eine Parole „Ganz Berlin hasst die AfD“ oder „Say it loud, say it clear. Refugees are welcome here“. Den Wahlergebnissen in Berlin nach zu urteilen, stimmt das zwar leider nur bedingt, denn auch in Berlin kam die AfD auf 12 Prozent der Stimmen, umso wichtiger ist es aber, dass die Gegenstimmen sich hörbar machen. Einen Eindruck davon bekommst du in diesem Video:

Zwischen Sarkasmus und Trotz: Die besten Tweets

Als die ersten Hochrechnungen bekannt gegeben wurden, tippten sich viele derjenigen, die eben nicht zu den Wählern der AfD gehören, unter anderem die Initative „Frauen* gegen die AfD“, über die wir bereits berichteten, die Finger wund. Zahlreiche Tweets machen deutlich: Die Mehrheit der Deutschen kann keine Übereinkünfte mit dieser Partei finden. Besonders im Kopf geblieben sind mir einige Tweets, die sich um eine Äußerung des AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland gedreht haben, der mit dieser Rhetorik vor die Fernsehkameras getreten war:

„Da wir ja nun offensichtlich drittstärkste Partei sind, kann sich diese Bundesregierung […] warm anziehen. Wir werden sie jagen. Wir werden Frau Merkel oder wen auch immer jagen und wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen.“

Alexander Gauland, AfD-Parteivize

Das sagt ein gewählter Vertreter des Volkes. Zum Glück gibt es viele Menschen, denen bei diesen Worten ebenfalls die Galle hochkommt:

Unter dem Hashtag #87Prozent, der hauptsächlich von denjenigen genutzt wurde, die nicht die AfD wählten, posteten viele Twitternutzer ihre Gedanken zum Ausgang der Wahl:

Ein kleiner Lichtblick übrigens, was vielleicht die Zukunft der NPD angeht:

Mit Witz und etwas Ernst gegen die AfD

Mein absoluter Favorit war dieser Spruch, den die App „Jodel“ bei Facebook veröffentlichte:

Und auch wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel meiner Ansicht nach weder im Wahlkampf noch bei der Berliner Runde am Wahlabend eine gute Figur gemacht hat, für eine Aussage habe ich sie doch etwas gefeiert:

Und auch die unbekannte „Barbara.“, die mit ihren witzigen, aber oftmals auch sehr ernsten Botschaften im öffentlichen Raum im vergangenen Jahr sogar die Jury des Grimme Online Awards begeistern konnte, hatte natürlich ein passendes Bild zum Wahlausgang parat:

🙈🙈🙈

A post shared by Barbara. (@ich_bin_barbara) on

Wie kommen wir da raus?

Ich hatte es befürchtet, aber doch gehofft, dass es anders kommen wird: Die AfD zieht in den Bundestag ein. Was bedeutet das für uns? Wie wird die Zukunft in Deutschland künftig bestimmt? Diese Frage schwirrt wahrscheinlich nicht nur in meinem Kopf herum und sorgt auch für etwas Zukunftsangst.

Tobias Esch, Experte für Mind-Body-Medizin und wissenschaftlicher Beirat der Meditationsapp 7Mind, die einen einfachen Zugang zu Achtsamkeit bieten soll, hat sich ebenfalls mit dieser Frage beschäftigt und gibt in einem spannenden Expertenbeitrag zur Wahl einen, wie ich finde, sehr guten Tipp: Anstatt nun in Panik zu verfallen empfiehlt er, „den Status eines Beobachters einzunehmen, der sich selbst wie im Kino oder im Fernsehen betrachtet und sich nicht in Angst hineinziehen lässt.“

Klingt vernünftig, oder? Denn bei all den lustigen Tweets, Bildern und Postings ist trotzdem klar: Die Lage ist ernst. Wir brauchen mehr Stimmen, die sich informieren und sich gegen die AfD aussprechen. Wir brauchen eine Regierung, die gegen die Angst kämpft und sich klar positioniert. Wir brauchen eine Alternative zu dieser Alternative.

Geht es dir vielleicht auch so oder bist du mit dem Ausgang der Wahlen vielleicht doch ganz zufrieden? Sag mir gerne deine Meinung in den Kommentaren!

Bildquelle:

Getty Images/Jens Schlueter


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Was denkst du?

  • KittyKitty2017 am 27.09.2017 um 07:29 Uhr

    Vielleicht haben diese 13.8% einfach die Nase voll von der Willkommensklatscherin Merkel.

    Antworten
    • Jessica Tomala am 27.09.2017 um 09:37 Uhr

      Hallo KittyKitty2017, das ist tatsächlich eine Argumentation, die ich schon mehrfach gehört habe, aber nicht wirklich schlüssig finde. Wenn ich doch dagegen bin, dass Angela Merkel erneut Bundeskanzlerin wird, weil ich nicht mit ihrer Flüchtlingspolitik einverstanden bin (ich gehe mal davon aus, dass du das mit "Willkommensklatscherin" meinst), dann muss ich selbst abwägen, ob ich eine Partei wähle, die da vielleicht eher meinen Vorstellungen entspricht, aber gleichzeitig eine Vielzahl von Mitgliedern hat, die sich ganz offen rechtspopulistisch äußern. Außer natürlich, ich teile dieses Gedankengut. Dazu kommen viele andere Punkte des Wahlprogramms (veraltetes Familienbild, fehlende Rentenpolitik, Rückstufung von Gleichberechtigung, sowie dieser ominöse Begriff der Frühsexualisierung im Hinblick auf Homosexualität), für die diese Partei steht. Die AfD zu wählen, um der Bundeskanzlerin oder der bestehenden Regierung "eins auszuwischen" sehe ich persönlich jedoch nicht als Lösung an. Schließlich haben wir eine breit gefächerte Parteienlandschaft, mit der sich sicherlich die ein oder andere Übereinstimmung finden lässt. Die politischen Ansätze, die die AfD vertritt, sind für mich jedoch nicht vereinbar mit meiner Vorstellung von dem Land, in dem ich lebe.

  • Anett Pohl am 25.09.2017 um 17:02 Uhr

    Die Hoffnung habe ich auch - und wenn die AfD nur dazu gut ist, dass sich die Menschen und vor allem die Jugend wieder mehr politisch engagiert. Gleichzeitig denke ich auch, dass wir unseren Fokus wieder weg von der AfD hin zur Frage der Regierungsbildung und der politischen Zukunft Deutschlands bewegen sollten. Die AfD hat schon vor der Wahl mehr Aufmerksamkeit bekommen als andere Parteien. Meine Angst ist jetzt, dass ein zu starker Medienfokus der Partei nur hilft, sich weiterhin als "Opfer" und "Alternative" präsentieren kann und in 4 Jahren noch mehr Stimmen bekommt. Wir sollten stattdessen schauen, dass wir ihr die Argumente nehmen.

    Antworten