#scpgoodgirl
Nina Rölleram 31.03.2017

Diesen Montag tauchten in den Hallen eines Colleges in Florida eine Reihe von Postern auf, die den Schülerinnen einen Dresscode für die bald aufkommende Prom-Feier vorschreiben wollten. Auf den Aushängen werden junge Frauen in unterschiedlichen Kleidern nebeneinander abgebildet und miteinander verglichen: Während ein – überraschenderweise hautenges – Kleid die Erlaubnis zum Abschlussball ausgesprochen wird, werden andere Kleider strikt abgelehnt. Die Schüler haben mit großer Empörung reagiert und unter dem Hashtag #scpgoodgirl hat die Dresscode-Diskussion weit über Florida hinaus Wellen geschlagen. Wer überhaupt der Urheber der Plakate ist, wie diese genau gestaltet sind und warum es hier um mehr, als nur eine Abschlussfeier geht, erfährst Du hier.

Darf eine Schule ihren Schülerinnen vorschreiben, wie sie sich anständig zu kleiden haben?

Darf eine Schule ihren Schülerinnen vorschreiben, wie sie sich anständig zu kleiden haben?

„Good Girl.“ – Diese Plakate sorgen für Empörung

Nur fünf Tage vor der großen Promfeier wurden die Schüler des renommierten Stanton Colleges in Jacksonville, Florida am Schwarzen Brett mit diesem Dresscode konfrontiert.

Darauf zu sehen: eine junge Frau in einem ärmellosen hautengen Kleid und der Aufschrift „Going to Prom? – Yes You Are. Good Girl.“, übersetzt: „Du gehst zum Prom? – Ja, das tust Du. Gutes Mädchen.“ Daneben hängen mehrere Beispiele von Prom-Outfits, die dem Urheber wohl weniger zusagen: Unter den Fotos von Kleidern mit tiefen Rückenausschnitten, hohen Beinschlitzen und tiefen Dekolletés kann man lesen: „Du gehst zum Prom? – Nein, das tust Du nicht.“ Eine klare Ansage – und das so kurz vor der großen Abschlussfeier, für die sich alle Schülerinnen bereits ihre Kleider gekauft haben! Natürlich war die Empörung auch deswegen so groß, schließlich will sich niemand so kurzfristig für ein neues Outfit entscheiden. Doch der strenge Dresscode hat bei den Schülern und schließlich auch der Twitter-Community auch aus anderen Gründen für Aufregung gesorgt.

 

Wir sind keine „Good Girls“: So protestierten die Schülerinnen

Die Schüler des Stanton Colleges fingen sofort am Montag an, ihrem Unmut unter dem Hashtag #scpgoodgirl Luft zu machen. Die Schulsprecherin Anthony Paul forderte ihre Mitschüler, und vor allem ihre Mitschülerinnen, außerdem dazu auf, am nächsten Tag gemeinsam zu protestieren: Alle Schüler sollten sich in den Farben Weiß und Lila, die symbolisch für den Feminismus stehen, kleiden. Viele Schülerinnen klebten sich außerdem das weibliche Geschlechtssymbol mit lilafarbenem Klebeband auf ihre Kleidung. Andere bemalten Shirts mit Aufschriften wie „I am not a good girl, I am a queen.“: „Ich bin kein gutes Mädchen, ich bin eine Königin.“

 

 

Schulordnung oder Slut Shaming?

Auf Twitter wurde #scpgoodgirl mittlerweile tausendfach geteilt. Dabei wurde eines deutlich: Die Art wie die Schulleitung ihren Dresscode hier kommunizieren wollte, geht überhaupt nicht klar. Denn insbesondere die Bezeichnung „Good Girl.“ klingt einfach nur herablassend und so, als wären Schülerinnen, die ein Kleid mit Rückenausschnitt tragen, eben böse Mädchen, die es nicht verdient haben, auf die Abschlussfeier zu gehen. Eine ganz klarer Fall von Slut Shaming also! Gerade die Wortwahl wurde von vielen Schülerinnen kritisiert, denn schließlich seien sie alt und intelligent genug, sodass es nicht notwendig sei, mit ihnen so zu sprechen, als seien sie kleine Kinder. Manche Schülerinnen hatten sogar Verständnis für eine Kleiderordnung, jedoch hätte man diese eben anders kommunizieren können. Und als wären all diese Kritikpunkte nicht schon genug, sehen einige in den Plakaten auch eine Form von Rassismus. Ihnen zufolge sei es kein Zufall, dass gerade die Bilder Schwarzer Frauen verwendet wurden, um zu zeigen, wie man sich möglichst nicht kleiden sollte.

So hat die Schulleitung mittlerweile reagiert

Vermutlich hatte die Schulleitung nicht damit gerechnet, dass der Dresscode sowohl zu einem Schülerprotest, als auch einen Shitstorm auf Twitter führen würde. Ziemlich kleinlaut hat die Schulleitung daher die Plakate bereits am Folgetag entfernt und sich öffentlich auf ihrem Twitterprofil entschuldigt. Anscheinend hatte es sich bei der Aktion um eine unbedachte Maßnahme der Schulleitung gehalten, die nicht mit der übergeordneten Schulkommission abgesprochen war.

Was hältst Du von den Plakaten dieser Schule? Wärst Du auch ausgerastet und hättest Dich an den Protesten beteiligt? Unabhängig davon, wie viel Stoff man für geschmackvoll hält, liegt das eigentliche Problem hier wohl eher in der Wortwahl. Warum viele Frauen sich nicht herablassend als brave kleine Mädchen bezeichnen lassen wollen, erklären wir Dir hier noch einmal ganz genau.

Bildquelle: Getty Images/ANDREJ ISAKOVIC,


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