#thingsonlywomenwritershear
Nina Rölleram 26.04.2017

Man sollte ja meinen, dass im Jahr 2017 Roman- und Drehbuchautorinnen sowie Journalistinnen etwas völlig Normales sind. Ein aktueller Twitter-Trend zeigt uns jedoch, mit wie vielen Vorurteilen Schriftstellerinnen heutzutage noch zu kämpfen haben. Es hat nicht lange gedauert, bis zahlreiche bekannte Autorinnen ihre dümmsten Sprüche unter dem Hashtag #ThingsOnlyWomenWritersHear posteten. Wir haben die krassesten Aussagen für dich gesammelt und erklären dir außerdem, warum die Bezeichnung „Chick-Lit“ so problematisch ist.

Die Bestsellerautorin Cheryl Strayed musste sich schon viele dumme Sprüche anhören.

Sexistische Vorurteile: #ThingsOnlyWomenWritersHear

Als Frau muss man in vielen gesellschaftlichen Bereichen Durchsetzungsvermögen beweisen und sich eine dicke Haut aneignen, um sich von sexistischen Sprüchen nicht kleinkriegen zu lassen. Dass dies schon mal in männerdominierten Sparten wie der Gamingzene der Fall sein kann, war mir klar. Dass es jedoch auch Schriftstellerinnen heute noch schwer haben, ernst genommen zu werden, hätte ich nicht gedacht – zumindest nicht in diesem Ausmaß.

Joanne Harris, die Autorin des Bestsellers „Chocolat“, der 2000 mit Juliette Binoche und Johnny Depp in den Hauptrollen verfilmt wurde, hat vor einigen Tagen eine längst fällige Diskussion über Geschlechterstereotype losgetreten. Trotz ihrer schriftstellerischen Erfolge hat die Britin nach wie vor mit Vorurteilen zu kämpfen und wird immer wieder mit Aussagen konfrontiert, die sie einfach nicht mehr hören kann. Auf Twitter fordert sie nun Leidensgenossinnen auf, ihre Erfahrungen unter dem Hashtag #ThingsOnlyWomenWritersHear, also „Dinge, die nur Autorinnen hören“, zu teilen. Joanne hat bereits einige prägnante Beispiele rausgehauen, wie etwa diesen Tweet:

Darin beschreibt sie, wie sie damals auf der Filmpremiere zu „Chocolat“ ignoriert wurde und ihr männlicher Publizist von einem anderen bekannten Schriftsteller für den Autor gehalten wurde. Manchmal bekommt Joanne aber auch einfach dumme Reaktionen zu hören, wenn sie erzählt, dass sie Romane schreibt. Wie zum Beispiel diese hier: „Wie Fifty Shades?“ – als würden sich Frauen nicht auch für andere Dinge, als Soft-Sadomaso-Schnulzen interessieren!

Auch die amerikanische Autorin Diana Gabaldon, Erschafferin der Highland-Saga, die als Grundlage für die Erfolgsserie Outlander diente, kann ein Lied von diskriminierenden Sprüchen singen. Ein Publizist riet ihr davon ab, ihre akademischen Grade in ihrer Autorinnen-Biografie zu erwähnen, da dies die Leserschaft abschrecken könnte:

Hast du den New York Times-Bestseller „The Middlesteins“ von Jami Attenberg gelesen? Nein? Dann hoffentlich nicht nur, weil sie eine Autorin ist. Denn ihr wurde bereits geraten, lediglich ihre Initialen zu verwenden, um zu verbergen, dass sie eine Frau, ist um so mehr Bücher zu verkaufen:

Nicht nur Romanautorinnen müssen sich dumme Sprüche von Verlegern und ihren Lesern anhören. Auch Journalistinnen wie Chrissa Hardy, die kritische Artikel für verschiedene Frauenmagazine schreibt, kann einiges berichten. So wurde sie bereits gefragt, was denn ihr Ehemann über die Themen denken würde, über die Chrissa schreibt – als würde sie sich davon einschränken lassen!

Und selbst gestandene Journalistinnen wie die Pulitzer Prize-Trägerin Emily Nussbaum wird hin und wieder nur auf ihre Rolle als Mutter reduziert. In einem Feedback zu einem ihrer Artikel musste sie sich die Frage anhören: „Wirst du von nun an über das Muttersein schreiben? / Ich mochte deinen Artikel. Hast du ihn geschrieben, während das Baby geschlafen hat?“

Alles nur bedeutungslose „Chick-Lit“?

Im englischsprachigen Raum wird sogenannte Frauenliteratur gerne als „Chick-Lit“ abgetan. Gemeint sind damit anspruchslose Unterhaltungsromane für „Chicks“, eine abwertende Bezeichnung für junge Frauen. Dabei ist natürlich nichts dabei, auch Romane zu schreiben und zu lesen, die keinen hohen intellektuellen Anspruch haben, sondern in erster Linie unterhalten. Jennifer Weiner, Autorin bekannter sogenannter „Chick-Lit“-Romane hat allerdings so ihre Probleme mit dem Begriff. Denn auf der einen Seite schreibe sie gerne Unterhaltungsromane aus der Sicht einer Frau, auf der anderen werte das Label „Chick-Lit“ die Bücher als billige Schundliteratur ab.

Bereits in der Vergangenheit hat die Autorin kritisiert, dass männliche Autoren für Romane, die sich mit Themen wie Familie und Beziehungen beschäftigen, in den Himmel gelobt werden, während man als Frau immer nur in die „Chick-Lit“-Schublade gesteckt werde. Oft werden Jennifer Weiners Romane nämlich nicht wirklich ernst genommen, wie dieser Tweet offenbart: „Wann wirst du mal ein richtiges Buch schreiben?“

Wenn man sich all diese dummen Sprüche so durchliest, kann man richtig wütend werden, oder? Unfassbar, wie sehr talentierte Autorinnen auch heutzutage noch ihr Schaffen rechtfertigen müssen. Hat auch deine persönliche Lieblingsautorin solche Vorurteile nicht verdient? Verrate uns, was du an ihr so bewundernswert findest!

Bildquelle: Getty Images/Bryan Bedder, Getty Images/Frazer Harrison, Getty Images/Joe Scarnic

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