wahl-o-mat
Nina Rölleram 13.09.2017

Am 24. September sind die nächsten Bundestagswahlen und wie zu jeder großen Wahl seit 2002 steht auch der Wahl-O-Mat wieder zur Verfügung. Das diesjährige Onlineangebot wurde bereits fast 10 Millionen Mal genutzt. Auch ich habe mich sofort neugierig durch die 38 Fragen geklickt, um zu erfahren, welche Partei angeblich zu meinen Überzeugungen passt. Doch sollte man seine Wahlentscheidung wirklich von diesem Ergebnis abhängig machen?

Was der Wahl-O-Mat leisten will

Bundestagswahl FDP CDU

Was unterscheidet die CDU von der FDP?

Sich einfach durch einen kurzweiligen Onlinetest klicken, anstatt sich durch alle Parteiprogramme durchzuwühlen und täglich den Wahlkampf zu verfolgen, klingt reizvoll. Das, was dann am Ende rauskommt, wähl ich dann einfach. Doch ganz so ist der Wahl-O-Mat eigentlich nicht gedacht. Der Onlinefragebogen soll ausdrücklich „keine Wahlempfehlung, sondern ein Informationsangebot über Wahlen und Politik“ sein. Sich mit den Positionen der Parteien zu befassen soll also zu Diskussionen anregen sowie Spaß und Interesse für Politik wecken. Wenn du dich genauer mit den Parteien auseinandersetzen willst, habe ich einen passenden Buchtipp für dich:

Laut einer Studie der Bundeszentrale für politische Bildung sind die meisten Nutzer des Wahl-O-Mats aber bereits vorher an der Wahl interessiert: Lediglich 4 bis 6 Prozent gehen anschließend wählen, obwohl sie dies vorher nicht geplant hatten. Dass der Wahl-O-Mat den Usern keine Partei aufs Auge drücken will, zeigt sich übrigens darin, dass man am Schluss selbst acht Parteien auswählen muss, die dann miteinander verglichen werden. So soll ein Stück weit Neutralität gewahrt werden und du hast immer noch in der Hand, mit welchen Parteien du dich auseinandersetzen willst. Wie der Wahl-O-Mat eigentlich von Passanten angenommen wird, kannst du dir in diesem Video des Nachrichtensenders N24 anschauen:

Kritik: Per Online-Test zur Wahlentscheidung?

Trotz dieser guten Absichten steht der Wahl-O-Mat schon seit Jahren in der Kritik. Denn er suggeriert nichtsdestotrotz ein zu simples Verständnis von Parteienpolitik. Ähnlich wie in einem Psychotest á la „Beantworte die folgenden Fragen und wir sagen dir, welcher Flirt-Typ du bist“, gibt er einem das Gefühl, anhand von ein paar Ja-Nein-Fragen zu einem Ergebnis kommen zu können. Beim Wahl-O-Mat kannst du schließlich nur angeben, ob du einer These zustimmst, dagegen bist oder neutral dazu stehst. Dabei lassen sich die Positionen vieler Parteien gar nicht so einfach in dieses Schema quetschen.

Bundestagswahl 2017

Ja, nein, egal: Kann man so wirklich eine Wahlentscheidung treffen?

Um die 38 Thesen zusammenzusuchen, durchforstet ein Team aus Politologen die Parteipogramme nach konkreten Forderungen. Anschließend entscheidet allerdings eine Gruppe von Jungwählern, die sich vorher beim Bundesamt für politische Bildung beworben hat, über die Auswahl der Fragen. Auch wenn dabei darauf geachtet wird, möglichst die Lebenswelt aller Altersgruppen und sozialen Schichten miteinzubeziehen, missfällt vielen Kritikern die scheinbar wahllose Aneinanderreihung von Thesen.

Cannabis, Diesel und Erinnerungskultur

Im diesjährigen Wahl-O-Mat findest du neben der Frage über die Besteuerung des Diesels und der Legalisierung von Cannabis auch die Frage, inwiefern der Holocaust weiterhin Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur sein sollte. Über so etwas in einem Onlinefragebogen abzustimmen, empfinden viele als grotesk. Den Machern war es aber wichtig, Thesen wie diese mit aufzunehmen, da sich hieran am besten die Unterschiede zwischen den Parteien verdeutlichen lassen: Während wohl jede Partei – ob Grüne, NPD oder CDU – angeben würde, „für Gerechtigkeit“ zu sein, gehen die Meinungen in Bezug auf den Völkermord an den europäischen Juden leider auseinander.

Was, wenn das Ergebnis dich überrascht?

rechte Parteien

Auch die Aussagen kontroverser Parteien finden sich im Wahl-O-Mat.

Laut Erhebungen des Bundesamts für politische Bildung fühlen sich die meisten durch den Wahl-O-Mat in ihrer politischen Meinung bestätigt: Über 90 Prozent finden sich bei ihrer präferierten Partei wieder. Weniger als 10 Prozent seien hingegen überrascht von ihrem Ergebnis: Da steht dann auf einmal die CDU ganz oben, obwohl man jahrelang die Linke gewählt hat oder die AfD hat einen erstaunlich guten Platz im persönlichen Parteienranking erhalten. Auch ich hatte dieses Jahr ein völlig anderes Ergebnis als noch in den letzten Jahren. Die FAQs des Wahl-O-Mats schlagen in diesem Fall vor, sich noch mal ganz genau die Begründungen der Parteien anzusehen und immer zu beachten, dass eine ähnliche Positionierung keine inhaltliche Nähe der Parteien zueinander bedeuten muss.

So werde ich wählen! Und du?

Zur diesjährigen Bundestagswahl war ich mir ausnahmsweise mal im Unklaren darüber, welche Partei meine Stimme bekommt. Das Ergebnis des Wahl-O-Mats hatte mich daher diesmal besonders interessiert. Wie zu erwarten, spuckte es auch tatsächlich ein Ranking aus, das so gar nicht meiner persönlichen politischen Präferenzen der letzten Jahre entsprach.

Werde ich mich nun nach dem Wahl-O-Mat richten? Jein: Zwar wähle ich die Partei, mit der ich die meisten Übereinstimmungen hatte (sorry, Wahlgeheimnis). Ich hatte allerdings schon zuvor mit dieser geliebäugelt und meine Antworten womöglich unterbewusst danach ausgerichtet. Bei anderen Parteien, die in meinen Top-5 waren, kann ich jedoch klar sagen, dass ich diese niemals wählen würde. Hier hat sich gezeigt, dass ein paar inhaltliche Übereinstimmungen noch lange nicht bedeuten müssen, dass man einer Partei nahesteht.

Nach welchen Kriterien du dich schlussendlich entscheidest, ob du strategisch oder das geringste Übel wählst oder dich nach einer Ideologie richtest, ist natürlich komplett dir überlassen. Der Wahl-O-Mat kann dir Anregungen geben, ist aber auch nur eine von vielen Entscheidungshilfen. Hast du dich schon durch den diesjährigen Wahl-O-Mat geklickt? Passt das Ergebnis zu deiner geplanten Wahlentscheidung oder wirst du überhaupt nicht wählen gehen? Erzähl uns von deinen Erfahrungen in den Kommentaren!

Bildquelle:

iStock/gpointstudio, © bpb, Getty Images/Sean Gallup, Getty Images/Sean Gallup

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