intersexualität beschluss
Nina Rölleram 09.11.2017

Vanja ist eine intersexuelle Person, die schon in der Pubertät gemerkt hat, dass sie weder Frau noch Mann ist. Schon seit 2013 kämpft sie* dafür, dass ein drittes Geschlecht neben dem weiblichen und männlichen gesetzlich anerkannt wird. Ein historisches Urteil des Bundesverfassungsgerichts hat ihr am Mittwoch recht gegeben und wertet die bisherige Regelung als einen Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht. Wir erklären dir, was der Beschluss verändern wird.

Worum geht es im neuen Beschluss genau?

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts wird derzeit von vielen LGBTIQ-Aktivisten als historischer Beschluss gefeiert. Vanja hatte mithilfe der Intersex-Initiative Dritte Option schon seit vier Jahren für das Recht gekämpft, eine dritte Geschlechtsbezeichnung im Geburtenregister eintragen lassen zu können. Dort wurde Vanja als weiblich vermerkt, obwohl sie* laut einer Chromosomen-Analyse aus biologischer Sicht kein eindeutiges Geschlecht trägt. Während Klagen vor dem Amtsgericht Hannover und dem Bundesgerichtshof erfolglos waren, stimmte ihr das Bundesverfassungsgericht zu: Neben „männlich“ und „weiblich“ muss es künftig noch eine weitere Option wie „inter“ oder „divers“ geben.

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Von dem Beschluss werden all die Menschen in Deutschland profitieren, die mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren wurden. Hiervon abzugrenzen sind Queere und Transsexuelle, die sich psychisch einem anderen Geschlecht als ihrem biologischen zugehörig fühlen. Was auf den ersten Blick für Nichtbetroffene wie eine bürokratische Kleinigkeit wirken mag, wird von den Dritte Option-Aktivisten als bahnbrechender Erfolg gefeiert, der zu mehr gesellschaftlicher Akzeptanz Intersexueller beitragen könnte.

Im folgenden Tagesthemen-Clip kannst du dir anhören, was Vanja persönlich zu der Entscheidung zu sagen hat und wie Passanten darauf reagieren:

Gendergaga? Nicht alle begrüßen den Beschluss

Von der neuen Regelung betroffen sind laut Schätzungen des Lesben- und Schwulenverbandes zufolge in Deutschland lediglich etwa 100.000 Personen. Dennoch äußern sich viele Menschen kritisch über den Beschluss. Während aus fast allen Parteien nur positive Stimmen zu hören sind, äußerten sich bereits einige AfD-Politiker abfällig. Beatrix von Storch fragte auf Twitter, was denn dann mit den Personen sei, die zum 4. oder 16. Geschlecht gehören wollen und der Landesverband Berlin bezeichnet den Beschluss gleich als #Gendergaga:

Durch die Verwendung des Begriffs Gender im Gegensatz zum biologischen Geschlecht wird an diesen kritischen Stimmen jedoch deutlich, dass der Gerichtsbeschluss von vielen missverstanden wird. Der Aktivist Ali Utlu entgegnet dieser Hysterie auf Twitter und erklärt, welche Folgen die neue Regelung tatsächlich haben wird:

Intersexuelle Menschen in Deutschland müssen sich allerdings noch etwas gedulden, bis der Beschluss tatsächliche Auswirkungen haben wird. Bis zum 31. Dezember 2018 muss jedoch eine Neuregelung des Personenstandsgesetzes geschaffen werden. Wie dieses jedoch genau aussehen wird, hängt auch von der künftigen Regierung im Bundestag ab. Was denkst du über die Entscheidung und die Reaktionen der AfD-Politiker? Diskutiere mit uns in den Kommentaren!

* Mangels einer Sprachregelung im Deutschen wurde an dieser Stelle die weibliche Form verwendet, die jedoch nicht als Geschlechtszuteilung unsererseits zu verstehen ist.

Bildquelle:

iStock/nito100


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