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Warum Dein Hass auf Kaugeräusche Vorteile hat

Diana Heuschkel am 09.02.2017 um 18:36 Uhr

Kennst Du das auch? Du sitzt mit (D)einem Freund im Restaurant, Ihr unterhaltet Euch, während er genüsslich seine Suppe schlürft oder sein Steak isst und statt aufs Gespräch kannst Du Dich nur auf diese widerlichen Kaugeräsche konzentrieren? Dann geht es Dir wie vielen Menschen, die an der sogenannten Misophonie leiden – dem Hass auf Geräusche. Die schlechte Nachricht ist, dass Du als Misophonie-Betroffener dieser Qual im Alltag nur schwer entkommen kannst, da sich Kaugeräusche selbst bei Menschen mit guten Tischmanieren nicht vermeiden lassen. Aber: Du hast dadurch auch einen besonderen Vorteil allen Nicht-Misophonikern gegenüber…

Mein kleiner Bruder hatte als Kind vergrößerte Polypen, weswegen er durch die Nase schlecht Luft bekam. Wie man sich vorstellen kann, machte das es ihm nicht gerade leicht, mit geschlossenem Mund zu essen und dabei durch die Nase zu atmen. Also aß er einfach jede Mahlzeit mit offenem Mund. Und ich, waschechte Misophonikerin die ich bin, musste ihm dabei zuhören. Denn, wie meine Mutter mich täglich (natürlich völlig zu Recht) erinnerte: „Der Arme kann doch nichts dafür!“. Alle guten Argumente ändern aber auch nichts daran, dass sich mir die Zehennägel rückwärts aufrollen, wenn ich jemanden laut kauen höre. Und so wurde jede Familienmahlzeit zum Kampf gegen das Erbrechen und gegen die Wut auf mein kleines Brüderchen.

Apfel-Kaugeräusche sind für Misophoniker kaum zu ertragen

Apfel-Kaugeräusche sind für Misophoniker kaum zu ertragen

Einige Jahre später hatte ich einen Kollegen, mit dem ich mir ein Büro teilte. Der aß jeden Tag ein bis zwei Äpfel – eigentlich eine gute Sache, sollen ja sehr gesund sein, die Dinger. Diese Äpfel aß er jedoch mit offenem Mund. Mit so weit geöffnetem Mund sogar, dass ich zunächst dachte, dass das Ganze ein Witz sein sollte. War es nicht. Es machte mich wahnsinnig! Vor allem, weil ich mich nicht traute, meinem Kollegen zu sagen, dass er bitte leiser kauen sollte. Wer sagt sowas schon zu einem anderen Erwachsenen?!

Der Hass auf Kaugeräusche ist medizinisch bewiesen

Das alles ist natürlich kein Weltuntergang (sogar absolut nichtig gegenüber „richtigen“ Krankheiten), aber, wie eine neue Studie nun bestätigt, ist es ein neurologisch feststellbares Leid für die Betroffenen, denen bei klinischen Versuchen nachgewiesen werden konnte, dass der Teil ihres Gehirns, der für die Regulation der Emotionen zuständig ist, beim lauten Kauen anderer übermäßig aktiv wird. Sprich: Das Hirn befielt ihnen, wütend zu werden.

Da es sich leider auch nach dieser Erkenntnis nicht empfiehlt, bei einem drohenden Tobsuchtsanfall auf Beruhigungsmittel zurückzugreifen, müssen wir uns wohl weiter in Selbstbeherrschung üben.

Dein Vorteil als Kaugeräusche-Hasser

Nach allem Negativen nun zur guten Nachricht: Menschen, die Kaugeräusche hassen sind kreativer als andere. Das fanden zumindest Forscher der amerikanischen Northwestern University heraus. Die Wissenschafter entdeckten, dass Misophoniker schlicht und einfach anders denken, was sie wiederum für sensorische Eindrücke, wie Kaugeräusche, empfänglicher mache als andere Menschen.

Wenn Dich also demnächst jemand mit seinen Essgeräuschen stört, kannst Du ihm also sagen: „Kau leiser, ich bin zu kreativ für Dein Geschmatze.“

Bildquelle: iStock.com/keeweeboy, iStock.com/Glayan


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