Hypothalamus

Entscheidungszentrale über den Alterungsprozess

Katharina Lübkeam 18.08.2016 um 12:41 Uhr

Wir rennen alle davor weg, aber früher oder später holt es uns doch ein – das Alter. Dann wenigstens später als früher bitte. Wir bekämpfen ihn – den Alterungsprozess – wollen ihn verhindern, aufhalten oder wenigstens verlangsamen, wollen keine Falten und keine Gebrechen. Jetzt haben wissenschaftliche Studien herausgefunden, dass der Hypothalamus, ein kleiner Bereich im Gehirn, entscheidet, wie schnell wir alt werden.

Etwa ab dem 35. Lebensjahr altern wir medizinischer Sicht – manche früher, andere später. Unser Körper bildet Zellen nicht mehr so gut neu, das verlangsamt den Stoffwechsel und viele Funktionen nehmen ab: Der Östrogen- oder Testosteronspiegel sinkt, Libido und Potenz lassen nach. Die Haut wird dünner, trockener und verliert an Elastizität, ebenso wie Bindegewebe. Wir sehen, hören, riechen und schmecken schlechter.

Alterungsprozess

Der Hypothalamus ist laut einer Studie offenbar so etwas wie die Schaltzentrale zum Alterungsprozess.

Unsere Knochen werden dünner, deswegen sind insbesondere wir Frauen im Alter von Knochenbrüchen und Osteoporose betroffen. Auch die Gelenke werden unbeweglicher und verschleißen, Körpergewicht und -fettgehalt nehmen zu, Muskeln ab, auch im Herzen sowie in Becken, Blase und After, sodass wir mitunter an Inkontinenz leiden. Selbst die Immunabwehr sinkt und auch geistig sind wir weniger leistungsfähig.

War altert früher

Wer Pech mit den Genen hat, altert schneller, wer sich ungünstig ernährt und lebt, noch schneller. Es wird angenommen, dass sogenannte freie Radikale – aggressive Sauerstoffverbindungen, die wir mit der Nahrung und der Luft aufnehmen und die unser Körper auch selbst bildet – den Körper altern lassen. Haben wir zu viele davon, greifen sie Körperzellen und Erbgut an. Das führt zu zahlreichen altersbedingten Erkrankungen.

Die Schaltzentrale ist laut einer Studie am Albert Einstein College of Medicine in New York aber der Hypothalamus, ein Bereich im Gehirn, der über Hormone und Botenstoffe unsere Körperfunktion beeinflusst. Diese Erkenntnis lässt hoffen, aus dem Quell des Alterns den Quell der Jugend abzuleiten.

Der Alterungsprozess

Die Kontroll-Instanz über den Alterungsprozess

Der Hypothalamus kann verschiedene Substanzen aktivieren, die bestimmte Entzündungsprozesse einleiten. Diese wiederum lasen diverse altersbedingte Krankheiten entstehen, darunter Herzkreislauf- und neurologische Erkrankungen, bestimmte Krebs-Arten sowie das metabolische Syndrom, dass sich in Übergewicht, hohen Cholesterinwerten und Blutzuckerspiegel sowie Bluthochdruck äußert.

Ein bestimmtes Molekül, das NF-κB, ist der zentrale Auslöser: In der Kontrollzentrale der Entzündung gibt es anderen Entzündungsbotenstoffen sozusagen ein Startzeichen, um die Entzündung auszulösen. Ist das NF-κB aktiviert, beschleunigt dies laut Studie also den Alterungsprozess ganz entscheidend – zumindest bei Mäusen. Die Muskeln schwanden, die Haut veränderte sich, sie lernten schlechter.

„Die Aktivierung des NF-κB-Signalweges förderte die Alterung des gesamten Organismus und verkürzte die Lebensspanne“, so die Forscher. Wurde eben dieser Prozess blockiert, alterten die Mäuse langsamer und lebten um 20 Prozent länger. Die Aktivität des NF-κB wird durch verschiedenste Formen von Zellstress beschleunigt. Zellstress fördert auch die Bildung freier Radikale, die wiederum das NF-κB weiter aktivieren.

Verjüngendes Hormon gefunden

Alterungsprozess

Die Forscher fanden außerdem heraus, dass dieser NF-κB-Signalweg den sogenannten GnRH-Spiegel sinken ließ. Zu wenig GnRH im Blut lässt den Körper ebenfalls altern.

Die Forscher sehen nun zwei Möglichkeiten, jung zu bleiben:

  1. Tägliche GnRH-Injektionen ins Gehirn – das aber ist eine ferne Vision.
  2. Maßnahmen, um Zellstress und damit Entzündungsprozesse zu verhindern.

Das kannst Du in der Praxis ganz einfach durchführen: Meide Zellstress auslösende Faktoren. Dazu zählen

  • mit Toxinen belastete Lebensmittel,
  • industriell verarbeitete Lebensmittel,
  • Nikotin, Alkohol und andere Drogen
  • elektromagnetische Strahlung
  • dauerhafter Schlafmangel,
  • Stress und psychische Probleme.

Antioxidantien gegen die freien Radikalen

Stattdessen gib Deinem Körper Waffen an die Hand, um die zerstörerischen freien Radikale zu bekämpfen: Antioxidantien. Reich an dem Stoff sind insbesondere:

  • Früchte und Gemüse,
  • Salate und Kräuter,
  • Sprossen, Ölsaaten und Nüsse.

Zudem gibt es konzentrierte Antioxidantien in Form von Nahrungsergänzungsmitteln:

  • Astaxanthin
  • Curcumin
  • Glutathion
  • OPC (gilt auch als Anti-Aging-Geheimrezept insbesondere für die Haut)

Vitamin D3 – Hol Dir Sonne

Alterungsprozess verlangsamen

Auch durch regelmäßige flotte Spaziergänge kannst Du den Alterungsprozess verlangsamen.

Darüber hinaus assistieren Vitamin D3 und Cortisol, also körpereigenes Cortison im Kampf gegen NF-kB. Vitamin D3 wirkt generell entzündungshemmend. Meist leiden wir unter chronischem Vitamin-D-Mangel – Sonnenlicht hilft.

Um Zellstress zu vermeiden, achte außerdem darauf, insgesamt gesund zu leben: Dazu gehören folgende Faktoren:

  • beim Essen: Kleine Portionen von guter Qualität, also keine Fertigprodukte. Auch Lebensmittel aus konventionellem Anbau sind ungünstig, denn sie enthalten mit Pestizide
  • ausreichend Wasser trinken
  • regelmäßiger Sport und/oder Bewegung – etwa täglich eine halbe Stunde flott Spazieren gehen
  • stressige Menschen und Situationen meiden oder lernen, gelassener damit umzugehen
  • ausreichender und erholsamer Schlaf
  • Auszeiten gönnen und genießen

Wir haben es also durchaus in der Hand, unseren Alterungsprozess zu beeinflussen. Das Alter hat aber übrigens auch seine Vorteile: Die Lebenserfahrung steigt, wir werden weiser, gelassener und wissen, was wichtig ist: Selbst der Sex soll mit dem Alter besser werden.

Bildquelle: iStock/monkeybusinessimages, iStock/leonori, iStock/Lolkaphoto

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