Young woman in the wine cellar
Anne Lüftner am 27.01.2016

Aschermittwoch ist nicht nur der Tag, an dem der Karnevalspaß sein jähes Ende findet, sondern auch der oft unkontrollierte und manchmal sogar maßlose Griff zu Schokolade, Fleisch und Co. Denn: Jetzt beginnt die Fastenzeit. Sechs Wochen lang gilt es, Disziplin zu wahren und auf die Lieblingssünden oder sogar weitestgehend ganz auf feste Nahrung zu verzichten. Doch lohnt sich die Mühe überhaupt und welchen Effekt hat eine konsequente Fastenzeit auf Deinen Körper?

„Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente“. Diesen Satz predigte schon der griechische Arzt Hippokrates, der von 460 bis 375 vor Christus lebte. Aus seinen Worten geht hervor, dass sich die Fastenzeit auf alle Bereiche des menschlichen Körpers positiv auswirkt und der Verzicht auf feste Nahrung sogar mehr ausrichten kann, als der Griff zu Medikamenten.

Young woman in the wine cellar

Gönne Deinem Körper eine Pause und verzichte beispielsweise auf Alkohol

Seit Jahrhunderten ist das Fasten ein fester Bestandteil der Kirche, doch seit einigen Jahren entschließen sich auch immer mehr Nichtreligiöse dazu, sich von Aschermittwoch bis Karsamstag in Zurückhaltung zu üben. Heute geht es dabei aber meistens weniger darum, Buße zu tun und dem Tod Jesus Christus zu gedenken. Der eigene Körper und dessen Wohlbefinden stehen im Vordergrund sodass die 40 Tage gerne genutzt werden, um den Organen eine Pause zu gönnen und ein paar lästige Kilos zu verlieren.

1. Fastenzeit: Nur noch Wasser?

Wer sich zu einer Fastenzeit entschließt, möchte sich in Abstinenz beweisen und sich selbst dabei disziplinieren. In Deinem alltäglichen Leben schätzt Du es wahrscheinlich, dass Dir fertige Schnellgerichte, Imbissbuden und Co. etwas Arbeit abnehmen – allerdings gehst Du damit nicht nur den leichtesten Weg, sondern leider auch einen ungesunden. Viele Fette, Kalorien und chemische Zusatzstoffe, die Dein Körper gar nicht benötigt, belasten Deine Organe. Der Verzicht auf feste Nahrung und der Griff zu Wasser gilt als Ursprungsform der Fastenzeit, doch keine Angst: Neben der Nulldiät, die allerdings nicht ohne ärztliche Aufsicht durchgeführt werden sollte, gibt es auch noch weitere Arten des Fastens. Hierzulande hat es sich beispielsweise etabliert, lediglich zu einem bestimmten Genussmittel oder einer ganzen Lebensmittelgruppe nein zu sagen. Laut einer Forsa-Studie aus dem Jahr 2015 würden 70 Prozent der Befragten am ehesten auf Alkohol verzichten, gefolgt von Süßigkeiten und Fleisch. Wer fastet, muss also nicht nur von Wasser leben, sondern nimmt bewusst von dem Abstand, was ihn am meisten verführt, dabei der Gesundheit aber nicht unbedingt einen Gefallen tut. Heißt das nun im Umkehrschluss, dass eine Fastenzeit automatisch gesund ist?

2. Fastenzeit im Gesundheitscheck

Schon ein Fastentag pro Woche wirkt sich nachweislich positiv auf die Cholesterin- und Blutzuckerwerte aus. Wie beeinflusst da wohl eine ganze Fastenzeit das Wohlbefinden und die Gesundheit? Der medizinische Nutzen der sechswöchigen Abstinenz wird unter Ärzten intensiv diskutiert, doch fest steht: Allergien und Neurodermitis können mit einer Fastenperiode in den Griff zu kriegen sein – wenn auch nur kurzfristig. „Mit dem allgemeinen Eiweißabbau beim Fasten werden auch die Proteine zerstört, die Entzündungen im Körper überhaupt erst auslösen“, erklärt Dr. Peter Liffler der Bellevue-Fachklinik für Ganzheitsmedizin. Wenn Du außerdem zu einem hohen Konsum an rotem Fleisch neigst, könnte der Verzicht darauf helfen, das Herzinfarkt-Risiko etwas zu minimieren. Für einen langanhaltenden Effekt, solltest Du Deine Ernährung allerdings auch nach der Fastenzeit überdenken und gegebenenfalls umstellen – greife lieber zu magerem Geflügel oder Fisch und lege drei bis vier vegetarische Tage in der Woche ein. Hinzu kommt, dass der Körper nun Zeit hat, sich dem Entgiftungsprozess zu widmen, da er nicht mit neuen Schadstoffen belastet wird. Dieses Plus ist nicht von der Hand zu weisen, doch verhält es sich so auch mit dem angeblich positiven Abnehmeffekt?

3. In der Fastenzeit abnehmen?

Klar, wenn Du viel und oft zu ungesunden Snacks oder Süßigkeiten greifst und auf diese Sünden schließlich sechs Wochen lang verzichtest, wird sich dieses Durchhaltevermögen sicher auch auf der Waage widerspiegeln. Die meisten Fastenden nehmen während dieser Zeit zwischen Karneval und Ostern ab, da sie weniger Kalorien aufnehmen und implizit auf einen allgemein gesünderen Lifestyle achten.

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Lass die Keksdose für 40 Tage verschlossen, auch wenn es nicht leicht ist

Aber der Gewichtsverlust kann auch dem Muskelabbau geschuldet sein. Diese Reserven nimmt Dein Körper besonders bei einer totalen Fastenzeit (Nulldiät) nämlich zuerst in Angriff, wenn ihm nicht mehr so viele Ressourcen wie gewohnt zur Verfügung stehen. Eine gute Eiweißbasis ist daher in jeder Fastenzeit Pflicht. Wird diese nicht sichergestellt, kann der Herzmuskel in Mitleidenschaft gezogen werden.

Es ist also so gut wie garantiert, dass Du abnehmen wirst, doch die wahre Bewährungsprobe beginnt erst nach Ostern. Wenn Du dann nämlich wieder regelmäßig zu Deinen Lieblingsspeisen greifst, ohne das Maß im Auge zu behalten, lässt der JoJo-Effekt nicht lange auf sich warten. Eine generelle Ernährungsumstellung lohnt sich also auch hier, doch das Fasten kann Dir den Start erleichtern.

4. Die Fastenzeit und seine negativen Folgen

Eine Fastenzeit kann beim Abnehmen helfen und Deine gesundheitliche Situation verbessern. Doch es gibt auch Risiken. Neben dem bereits angesprochenen Muskelabbau kann auch Dein Immunsystem unter einer Fastenzeit leiden, da eine erhebliche Nahrungseinschränkung zu einer Schwächung der Abwehrkräfte führen kann. Kinder, Senioren, Schwangere und kranke Menschen sollten sich nicht für eine Fastenzeit aussprechen. Sie benötigen nicht nur die Energie aus der Nahrung, sondern auch die uneingeschränkten Abwehrkräfte und sollten sich gesund ernähren, ohne den Körper vor eine Hürde zu stellen.

Fasten macht nur dann einen Sinn, wenn man an dem bewussten Entzug auch etwas zu knabbern hat. Wer auf Schokolade verzichtet, obwohl er sowieso kaum welche verzehrt, beraubt sich der Chance, den Körper, aber auch den Geist vor eine Herausforderung zu stellen. Diese neue Wahrnehmung dessen, was Du eigentlich wirklich brauchst und zu welchen Leistungen Du Dich bringen kannst, kann ein Startschuss in ein neues Leben zur Folge haben.

Bildquelle: iStock/boggy22 (Titelbild), iStock/MillefloreImages


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  • Anne Lüftner am 27.01.2016 um 12:44 Uhr

    Wirst Du dieses Jahr fasten?

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