Superfood!

Granatapfel

Meike Leyerleam 06.08.2015 um 09:09 Uhr

Zugegeben, das Prädikat Superfood wird derzeit allzu gerne an allerlei Lebensmittel vergeben. Doch einige halten auch wirklich, was sie versprechen. Wie sieht es mit dem Granatapfel aus, kann er wirklich so viel, dass er es in die Elite der Nahrungsmittel schafft? Oder sorgt er einfach nur für großes Chaos in der Küche? Zeit, den Granatapfel unter die Lupe zu nehmen und Licht ins Dunkel zu bringen!

Fragt man einen Biologen zum Thema Granatapfel aus, sagt dieser einem sofort, dass er zu den Weiderichgewächsen gehört und der Granatapfel, also das, was im Obstregal landet, die Frucht der Pflanze, aber eigentlich gar kein richtiger Apfel ist. Seine Heimat hat er in West- und Mittelasien, heutzutage wird er allerdings vor allem im Gebiet rund um das Mittelmeer angebaut und findet von da seinen Weg in unsere Supermärkte.

Ein aufgeschnittener Granatapfel

Mit Granatapfel kann Deine Abnehmmission unterstützt werden

Und das immer häufiger, denn zusammen mit anderem, exotisch anmutendem Obst wie beispielsweise der Drachenfrucht oder auch der Papaya, eroberte der Granatapfel in den vergangenen Jahren viele Herzen und Obstschalen gleichermaßen. Im Gegensatz zu einem klassischen Apfel, bei dem das komplette Fruchtfleisch inklusive Kerngehäuse essbar ist, sind beim Granatapfel lediglich seine Samen, die er in seinem Inneren beherbergt, und sein Saft genießbar. Die Schale und die vielen Trennhäute, die die Kerne an Ort und Stelle halten, werden hingegen nicht verzehrt.

Klopfen und schauen – der Granatapfel Einkauf

Viele Früchte landen auch dann im Einkaufswagen, wenn sie noch nicht wirklich reif sind. Das ist auch kein Problem, denn Banane, Mango, Birne und Co. reifen im heimischen Obstkorb nach und entfalten nach ein paar Tagen ihr volles Aroma. Wer beim Granatapfel auf einen ähnlichen Effekt hofft, wird leider enttäuscht: Er reift nicht mehr nach, wenn er einmal geerntet wurde – ist er also beim Kauf noch nicht reif, wird er es auch nicht mehr werden. Daher braucht man eindeutige Indizien dafür, dass die Frucht bereit für den Teller ist, um später nicht enttäuscht zu sein. Das wichtigste Kaufkriterium eines Granatapfels ist seine Farbe: Leuchtet er gelblich-rot oder gar in seinem typischen tiefen Rot, kannst Du beherzt zugreifen. Um auf Nummer sicher zu gehen, solltest du dann aber noch vorsichtig gegen die Schale der Frucht klopfen. Hörst Du ein metallisches Geräusch? Wunderbar, dann kannst du Dir (fast) sicher sein, dass der Granatapfel Deiner Wahl ein echter Genuss sein wird, der dich mit seinem süßlichen und gleichzeitig leicht säuerlichen Aroma zu überzeugen weiß. Warum nur fast? Leider gibt es auch bei den Granatäpfeln Blender, die so tun, als seien sie reif und lecker – und sich dann aber als echte Niete entpuppen. Eine Garantie gibt es demnach leider nicht. Doch mit Gucken und Klopfen bist Du in der Regel auf der sicheren Seite. Frische Granatäpfel bekommst Du übrigens von September bis Dezember, nur in diesen vier Monaten können die Früchte geerntet werden.

Granatapfel, gib Deine Leckereien frei!

Jetzt liegt der da in seiner vollen Pracht in Deiner Küche und Du schaust den Granatapfel fragend an: Wie kommst Du an die leckeren Kerne und den Saft, also an das, auf das Du scharf bist? Es gibt gleich mehrere Methoden, einen Granatapfel zu knacken und die Kerne ans Licht zu bringen. Du kannst die Frucht beispielsweise halbieren und dann mit einem Löffel so lange von außen auf die Schale klopfen, bis die Kerne sich wie von Zauberhand von den Trennwänden des Apfels lösen. Oder Du nimmst einen kleinen Teelöffel zur Hand und schabst die Kerne damit aus. Einige Feinschmecker rollen die Frucht vor dem Halbieren so lange hin und her, bis die Kerne im Inneren sich lösen und kratzen sie dann erst heraus. So oder so, das Öffnen und Verarbeiten eines Granatapfels kann eine ziemliche Sauerei werden, denn der Saft spritzt gerne mal meterweit durch die Küche, die Kerne flitschen wie kleine wild durch die Gegend und schon hast Du überall rote Flecken, die aus der Kleidung so gut wie gar nicht rausgehen. Doch es gibt einen Trick, um die Granatapfelkerne aus ihrer Hülle zu befördern, ohne Dich, den Arbeitplatz und den Raum, in dem ihr drei Euch befindet, komplett einzusauen: Alles beginnt auch dabei damit, dass du den Granatapfel in der Mitte durchschneidest. Anschließend füllst Du eine Schüssel mit Wasser und brichst den Apfel unter dessen Oberfläche so lange auseinander, bis alle Kerne sich lösen. Sie sinken auf den Boden der Schüssel, während die Trennhäute und Schalenstücke auf dem Wasser schwimmen – so kannst Du sie einfach abschöpfen. Wenn alle Kerne freigelegt wurden, gießt Du das Wasser ab und lässt sie auf einem Teller oder in einem Sieb kurz trocknen, bevor Du sie weiterarbeitest – oder pur naschst.

Granatapfel feat. Müsli, Fleisch und Co.

Auf Instagram ist der Granatapfel schon längst ein Star, man sieht ihn in Kombination mit allen möglichen Gerichten und Leckereien. Wohl auch, weil ihm nach wie vor ein exotisches Image anhaftet und die Kerne durch ihre rote Farbe ein optisches Highlight schaffen. Doch es sind vor allem auch seine inneren Werte, die ihn so beliebt machen. Zum einen ist er schlicht und ergreifend lecker, zum anderen werden im jede Menge positive Eigenschaften nachgesagt. Das süß-säuerliche Aroma eines reifen (!) Granatapfels fügt sich wunderbar in verschiedene Müslis ein und macht jeden altbackenen Obstsalat zu einem echten Hit. Man kann die Frucht natürlich auch auspressen und den Saft einfach trinken – pur oder als Schorle ein echter Genuss. Darüber hinaus werden die Granatapfelkerne ähnliche wie Preiselbeeren gerne zu Wild- und Geflügelgerichten gereicht. Sie verleihen ihnen eine fruchtige Note und heben dabei das Aroma des Fleisches wunderbar hervor. Und natürlich sind die pur, als süßer Snack zwischendurch immer eine gute Wahl.

#Superfood: Was kann der Granatapfel wirklich?

Neben seinem Geschmack sind viele Foodies, also Menschen, die sich intensiv mit dem Thema Essen auseinander setzen und Nahrung nicht nur zu sich nehmen, um satt zu werden, davon überzeugt, dass ein Granatapfel wahre Wunder in ihrem Körper wirken kann. Die vielen schönen Bilder von Gerichten mit den roten Kernen sind bei Instagram also gerne mal mit dem Hashtag Superfood versehen – und damit wird dem Granatapfel eben jenes Prädikat aufgedrückt. Doch kann die Frucht dieses Versprechen überhaupt halten? Darauf gibt es leider keine einfache Antwort, denn es gibt Experten, die beantworten sie voller Überzeugung mit „Ja“, andere winken mit einem „Nein“ eher ab. Und was ist jetzt die Wahrheit? Wie so oft liegt sie vermutlich irgendwo dazwischen. Fakt ist, dass in einem Granatapfel wichtige Nährstoffe wie Eisen, Kalium und B-Vitamine stecken, die gut für den Körper sind. Außerdem enthalten die Kerne und auch der Saft eine Menge Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe, die freie Radikale fangen und somit oxidativen Stress mindern, der echtes Gift für unsere Zellen ist. Für viele der positiven Effekte, die dem Granatapfel darüber hinaus nachgesagt werden, gibt es allerdings keine oder nur unzureichende wissenschaftliche Belege. Beispiel Brustkrebs: Es gibt bisher nur einen klein angelegten Labortest der University of California Riverside, bei dem die Forscher herausgefunden haben, dass bereits eine einprozentige Granatapfelsaftlösung das Wachstum der Krebszellen stoppen kann. Bei einer fünfprozentigen Lösung konnten sogar bereits vorhandene Krebszellen abgetötet werden. Doch deswegen jetzt in Jubelstürme auszubrechen und den Granatapfel als Heilmittel zu feiern, wäre etwas verfrüht. Denn bislang gibt es eben nur diesen Labortest, keine große Studie, die diesen Effekt im menschlichen Körper nachweisen kann. Ganz ähnlich sieht es beim Prostatakrebs aus, auch hier gibt es keine fundierten Untersuchungen des positiven Effekts. Doch natürlich sind diese ersten Ergebnisse besser als nichts – und daher darf man durchaus vorsichtig optimistisch sein, dass der Granatapfel unserem Körper etwas Gutes tun kann. Und lecker, da sind sich fast alle Experten einig, ist er allemal!

Ob man ihn wirklich als Superfood feiern muss, sei mal dahingestellt. Aber man kann ihm durchaus einen Platz im Speiseplan frei räumen, schließlich sind guter Geschmack, Vitamine und Mineral immer gern gesehene Gäste. Wie wäre es denn zum Beispiel mit einer dieser Leckereien, die erst durch den Granatapfel zu etwas ganz Besonderem werden?

Bildquelle: istock/MillefloreImages

Kommentare


Gesunde Ernährung: Mehr Artikel