Krankhaft gesund

Kann man zu viel Obst essen?

Nina Rölleram 09.08.2016 um 15:56 Uhr

Bei gesundem Essen denken die meisten von uns wahrscheinlich zuerst an Obst und Gemüse. Wir alle wissen, dass wir diese täglich konsumieren sollten, am besten 5 Portionen am Tag. Wenn in Obst und Gemüse also so viele Vitamine und andere Nährstoffe stecken, sollten wir doch möglichst viel davon zu uns nehmen. Oder kann man zu viel Obst essen? Wir sind der Frage nachgegangen und zeigen Dir, dass ein übermäßiger Konsum auch schädliche Folgen für Deinen Körper haben kann. Ein zwanghaft gesunder Ernährungsstil kann sich sogar zu einer Essstörung entwickeln und sich auf Deine psychische Gesundheit auswirken.

Möchte man sich gesünder ernähren, weiß man oft gar nicht, wo man anfangen soll. Es gibt Tausende Bücher, Studien und Onlineartikel, die einen mit teilweise widersprüchlichen Informationen versorgen oder ein bestimmtes Obst oder Gemüse zum gesündesten Nahrungsmittel überhaupt erklären. Mal ist es die Kokosnuss, von deren alleinigem Konsum man angeblich gesund leben könnte, ein anderes Mal sind es Grünkohl oder sogenannte Superfoods wie Acaibeeren, Spirulina oder Weizengras. Bombardiert von all diesen Informationen werden in manchen Personen regelrecht Ängste vor möglichen Krankheiten geschürt, die sie durch den Verzehr von möglichst viel Obst und Gemüse verhindern wollen. Diese Panik kann aber auch das Gegenteil bewirken. Wir zeigen Dir, was passiert, wenn Du zu viele Möhrchen isst und warum der Zwang zum gesundem Essen einsam machen kann.

 

Kann man zu viel Obst essen?

Wenn gesunde Ernährung zum Zwang wird, kann dies schwerwiegende Folgen haben.

Die Folgen einer zu „gesunden“ Ernährung

Kann man zu viel Obst essen?

Täglich Obst und Gemüse essen gilt als gesund. Doch kann man auch zu viel essen?

Tagtäglich scheinen neue Erkenntnisse in der Ernährungsforschung aufzutauchen und ein Foodtrend folgt dem nächsten. In den letzten Jahren waren es vor allem (vermeintlich) gesunde Lebensstile wie Rohkost, Paleo oder eine glutenfreie Ernährung. Den meisten dieser Ernährungsempfehlungen ist gemein, dass sie einen hohen Konsum von Obst und Gemüse empfehlen, der oftmals über die Menge hinaus geht, die gemeinhin als üblich gilt. Nach offiziellen Empfehlungen sollte jeder etwa 400 Gramm Gemüse und 250 Gramm Obst zu sich nehmen. Laut dem Robert-Koch-Institut liegt aber ein Großteil der deutschen Bevölkerung deutlich hinter dieser Empfehlung. Zu viel Obst oder Gemüse zu essen scheint also eher ein Problem derjenigen zu sein, die sich intensiv mit ihrer Ernährung auseinandersetzen oder einer radikalen Ernährungsweise nachgehen. Dazu zählt auch die High Carb-Diät, bei denen in sogenannten Mono-Mahlzeiten Unmengen einer Frucht täglich verzehrt werden. Anhänger dieses Lebensstils konsumieren schon mal unglaubliche 51 Bananen täglich und versprechen Nachahmern, damit Krankheiten heilen und vorbeugen zu können und natürlich Gewicht zu verlieren. Aber kann das gesund sein? Wir haben für Dich einmal aufgelistet, was bei zu hohem Konsum vermeintlich gesunder Lebensmittel so alles passieren kann.

  • Sodbrennen: Nicht jeder kann Saures gut verdauen. Ein übermäßiger Verzehr von Zitrusfrüchten, aber auch von Gemüse wie etwa Tomaten, schlägt bei vielen auf den Magen und führt zu Sodbrennen. Andauerndes Sodbrennen ist nicht ungefährlich und steht im Verdacht Speiseröhrenkrebs zu begünstigen.
  • Gelbfärbung der Haut: Von zu vielen Karotten wird man orange? Klingt wie ein Mythos, stimmt aber wirklich! Wenn Du regelmäßig große Mengen an karotinreichem Obst und Gemüse wie Karotten oder Grünkohl zu Dir nimmst, können sich Fuß- und Handinnenflächen gelblich verfärben. Im Fachjargon nennt man diese Erscheinung Karotinämie. Sie entsteht dadurch, dass der Körper ein Zuviel an Carotin als Vorrat im Körper anlegt und nicht direkt in Vitamin A umwandelt. Die Verfärbung der Haut kann durch eine Reduzierung von carotinhaltigen Lebensmitteln rückgängig gemacht werden.
  • Zu viel Zucker: Wenn man sich hauptsächlich von Früchten ernährt, nimmt man automatisch auch viel Zucker in Form von Fruktose zu sich. Bei einem normalen Verzehr von Obst ist dies unbedenklich, zu viel Fruktose steht allerdings im Verdacht, Fettleibigkeit und Diabetes zu begünstigen.
  • Nierensteine: Menschen, die an Nierensteinen leiden oder zur Risikogruppe gehören, sollten den Verzehr von oxalsäurehaltigen Nahrungsmitteln vermeiden. Zu diesen zählen vor allem Spinat, Rhabarber, Sauerampfer und Mangold. Aber auch gesunde Menschen sollten beim Verzehr dieser Gemüsesorten kalziumhaltige Lebensmittel verzehren.

Superfoods, Green Smoothies, Rohkost: Zuviel des Guten?

Superfoods Smoothies

Kleinere Mengen Obst und Gemüse reichen manchen nicht aus. Daher wird gerne zu konzentrierten Superfood-Pulvern und Tabletten gegriffen.

Aktuell erleben gesunde Ernährungsweisen ihre absolute Hochphase. Dabei scheinen sich die Anhänger der verschiedenen Lager förmlich mit immer gesünderen Lebensweisen übertrumpfen zu wollen. Der Trend geht immer mehr in die Richtung, möglichst viele nährstoffreiche Lebensmittel in die eigene Ernährung zu integrieren, anstatt sich wie früher eher auf den Verzicht zu konzentrieren. Wenn neue Lebensmittel auf den Markt kommen, reicht es nicht mehr aus, wenn sie nur gut schmecken und sättigen, vielmehr sollen sie auch eine gesundheitsförderliche Funktion erfüllen oder gar Krankheiten verhindern. Experten bezeichnen dies als das Functional Food-Phänomen, bei dem Ernährung eher eine medizinische Funktion erfüllt und der Genuss in den Hintergrund rückt. Und das scheint gut anzukommen bei den Konsumenten. Sogenannte Superfoods wie die Algen Spirulina und Chlorella oder exotische Früchte wie Goji- und Acaibeeren werden zu wahren Wundermittelchen erklärt und versprechen, den Körper von Giftstoffen zu befreien. Dabei gelten die Vorstellungen von Giften und Schlacken im Körper, die ausgeschwemmt werden müssen, als wissenschaftlich umstritten. Viele der Vorstellungen über die Verdauung von Nahrungsmitteln, wie etwa, dass Gluten den Körper von innen verklebt, seien völliger Humbug. Inmitten der Informationsflut über Lebensmittelunverträglichkeiten und geeignete Ernährung bei bestimmten Krankheiten, scheinen viele zu vergessen, dass es kein Allheilmittel gibt und große Mengen „gesunder“ Lebensmittel für manche Personen auch ungesund sein können.

Orthorexie: Gesunde Ernährung als Essstörung

Orthorexie

Wenn die Sorge um schädliche Nahrung zur alltäglichen Beschäftigung wird, kann sich daraus eine Essstörung entwickeln.

Bei manchen geht die Suche nach der möglichst perfekten gesunden Ernährung so weit, dass sie zu einem bestimmenden Teil des Alltags wird. Alles dreht sich nur noch darum, welche Nahrungsmittel eliminiert werden müssen und wie viel von welchen „Superfoods“ gegessen werden muss, um nur so vor Gesundheit zu strotzen. Wenn diese Suche kein Ende nimmt und sich zu einem Zwang entwickelt, sprechen manche Psychologen von der Essstörung Orthorexie, der Sucht nach gesundem Essen. Das Krankheitsbild der Orthorexie ist wissenschaftlich noch nicht anerkannt, aber es gibt einige Anhaltspunkte, die für ein zwanghaftes Verhalten sprechen.

Angst vor ungesundem Essen

An Orthorexie leidende Menschen verteufeln oft ganze Lebensmittelgruppen wie Zucker, Frittiertes und Weißmehl.

Für Betroffene ist die richtige Zusammensetzung ihrer Ernährung das Wichtigste. Anders als bei anderen Essstörungen geht es weniger um die Menge, sondern die Qualität des Essens. Typisch für eine Orthorexie ist die Einteilung von Lebensmitteln in gute und schlechte. Wenn dann doch einmal ungesunde Lebensmittel konsumiert werden, leiden Orthorektiker unter dem schlechten Gewissen und versuchen diesen „Fehler“ nicht zu wiederholen. Durch diese Vermeidung geraten Betroffene auch immer mehr in die Isolation, da ein gemeinsames Essen mit Freunden Familie nicht mehr möglich ist und als Bedrohung angesehen wird. Vor allem Anhänger stark ideologisch geprägter Ernährungsphilosophien sind gefährdet, diesem zwanghaften Verhalten nachzugehen. Zudem können von diesem Verhalten auch Kinder von Orthorektikern in Mitleidenschaft gezogen werden. Kinder, die mit der Vorstellung moralisch guter und schlechter Lebensmittel aufwachsen und eine einseitige Ernährung erhalten, entwickeln später häufig eigene Essstörungen, da sie genussvolles und sorgenfreies Essen nie gelernt haben.

Umgeben von Obst, Gemüse und Superfood, die als Allheilmittel angepriesen werden, ist es kein Wunder, wenn manche Menschen dem Irrglauben verfallen, dass viel auch viel hilft. Leider ist das mit der Ernährung oft nicht ganz so einfach. Was den einen gut tut, schadet den anderen und vor Diäten, die den Verzehr einer einzigen Obst- oder Gemüsesorte propagieren, solltest Du sowieso lieber Abstand nehmen. Etwas Gelassenheit und Genuss beim Essen können Dir deutlich besser tun. Ab und an mal so richtig reinhauen und dennoch einige grundlegende Tipps zur gesunden Lebensweise beachten, geht schließlich auch!

Bildquelle: iStock/kkgas,iStock/eskymaks, iStock/JackF, iStock/Highwaystarz-Photography, iStock/KatarzynaBialasiewicz

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