Rotwein unter der Lupe

„Ein Glas Rotwein am Tag ist gut für die Gesundheit und beugt Krebs vor.“ So oder ähnlich hat wohl jeder schon einmal von den positiven Eigenschaften gehört, die Rotwein nachgesagt werden. Eine kürzlich in der Fachzeitschrift „JAMA Internal Medicine“ veröffentlichte Langzeitstudie lässt allerdings Zweifel aufkommen, ob Rotwein diese Medaille tatsächlich verdient hat.

Im Fokus der Studie stand vor allem der Wirkstoff Reservatrol, der in Rotwein, Schokolade (oder auch in beidem zusammen) und Erdnüssen zu finden ist. Reservatrol war schon in der Vergangenheit ein beliebter Forschungsgegenstand: Der Wirkstoff soll entzündungshemmend sein und bei der Vorbeugung gegen Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie Krebs helfen. Aus diesem Grund ist Reservatrol inzwischen auch als Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt. Die neue Studie „Aging in the Chianti Area“, übersetzt „Älter werden in der Chianti-Region“, zeigt nun offenbar, dass der Anteil an Reservatrol in Rotwein doch keine lebensverlängernde Wirkung mit sich bringt.

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Rotwein verliert seinen Ruf als Lebensverlängerer

Das Gläschen Rotwein am Abend verlängert doch nicht das Leben

Die Annahme, dass Rotwein die Lebensdauer verlängert, kommt nicht von ungefähr, schließlich ist gerade in Ländern mit Rotwein-Anbaugebieten und regelmäßigem Weinkonsum die Lebenserwartung auffällig hoch. Nicht nur die Franzosen, auch die Italiener genießen den Ruf, besonders alt zu werden und regelmäßig Rotwein zu trinken. Gerade deshalb suchte sich der Professor Richard Semba von der John-Hopkins Universität im US-amerikanischen Baltimore die italienische Chianti-Region für seine Studie aus. Gemeinsam mit seinem Forscherteam untersuchte Semba von 1998 bis 2009 die Gesundheit von 783 italienischen Senioren aus zwei Dörfern, indem sie Urinproben unter anderem auf Reservatrol testeten und sich ausgiebige Angaben zur Gesundheit und Ernährungsverhalten der über 65-Jährigen machen ließen. Dabei bestätigte sich die Annahme, dass die Teilnehmer Reservatrol hauptsächlich über Rotwein aufnahmen. Nach drei, sechs und neun Jahren wurden die Probanden erneut untersucht, um Daten für langfristige Effekte zu sammeln. Gerade im Hinblick auf die möglicherweise lebensverlängernde Wirkung von Reservatrol wurde auch der Gesundheitszustand von verstorbenen Studienteilnehmern genauer unter die Lupe genommen. In der Zeit von 1998 bis 2009 starben 34,2% der Probanden, die zwar durchschnittlich älter waren, jedoch eher unter Zuckerkrankheit litten und vermehrt mit chronischem Nierenleiden und Herzschwäche zu kämpfen hatten. Die über mäßigen Konsum von Rotwein aufgenommene Menge an Reservatrol spielte den Forschern zufolge keine messbare Rolle. Auch die Teilnehmer, die nach Beendigung der Studie noch lebten und einen hohen Reservatrol-Wert aufwiesen, waren nicht signifikant gesünder als die Teilnehmer mit einem niedrigeren Wert.

Die in der Studie erhobenen Daten reichen nicht aus, um generell die gesundheitsförderliche Wirkung von Reservatrol zu belegen oder zu widerlegen. Sie zeigt dennoch, dass Rotwein einen zu geringen Gehalt des Stoffes enthält, um sich positiv auf den Körper auswirken zu können. Das Gläschen Rotwein am Abend hilft demzufolge nicht, um länger zu leben oder Krebs vorzubeugen. Wer sich dennoch den Genuss seines rubinroten Tropfens dadurch nicht vermiesen lassen möchte, sollte es auch nicht tun – solange er in Maßen genossen wird.

Bildquelle: Thinkstock / Ben Stevens


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