Veganer depressiv
Nina Rölleram 28.08.2017

Dass Depressionen auch auf körperliche Ursachen, wie zum Beispiel Hormonschwankungen durch die Einnahme der Antibabypille zurückzuführen sind, ist hinlänglich bekannt. Kann eine falsche Ernährung jedoch auch dauerhaft der Psyche schaden? Amerikanische Forscher haben zumindest kürzlich in einer Studie einen Zusammenhang zwischen einer veganen oder vegetarischen Lebensweise und der Anfälligkeit für Depressionen festgestellt. Sollte man für sein psychisches Wohlergehen also lieber wieder Fleisch essen? Ich habe mir die Studie als langjährige Veganerin näher angesehen und bin zu einem anderen Schluss gekommen.

Wie sich Ernährung auf die Psyche auswirkt

Depression Ernährung

Mangelerscheinungen begünstigen eine Depression.

Die Zusammenhänge, wie sich die tägliche Auswahl an Mahlzeiten langfristig auf die Psyche auswirkt, sind wissenschaftlich bisher nur wenig erforscht. Ein Team an Neurowissenschaftlern des National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism in den USA und Mediziner der University of Bristol wollten daher herausfinden, ob der Verzicht auf Fleisch Depressionen begünstigt. Befragt wurden hierfür 10.000 Männer, von denen sich lediglich 311 vegetarisch und 39 vegan ernährten. Die Forscher legen nahe, dass die Ergebnisse gleichermaßen für Frauen gelten.

Alle Teilnehmer mussten Fragen zu ihrer psychischen Gesundheit beantworten. Außerdem wurde berücksichtigt, wie viel Alkohol sie konsumierten, ob sie rauchten, welchen Jobs sie nachgingen und ob sie sich in einer Beziehung befanden. Dabei fiel den Wissenschaftlern sofort auf, dass die Vegetarier und Veganer eher zu Depressionen neigten, als die Fleischesser. Ihre Depressionswerte waren zudem umso höher, desto länger sie sich fleischlos ernährten. Dieser Befund legte nahe, dass ein Vitamin B12-Mangel Schuld sein könnte. Denn das B12 befindet sich in verwertbarer Form von Natur aus ausschließlich in tierischen Lebensmitteln. Über einen gewissen Zeitraum hinweg kann der Körper zwar noch von einem Depot zehren, das allerdings nach einigen Jahren aufgebraucht ist. Warum du lieber zu viel als zu wenig Vitamin B12 zu dir nehmen solltest, erfährst du hier.

Ein Vitamin B12- oder Eisenmangel kann Schuld sein

Vitamin B12-Mangel

Veganer leiden häufig unter Vitamin B12-Mangel.

Vitamin B12 ist äußerst wichtig für den Körper, da es die neuronalen Verbindungen im Gehirn schützt und Serotonin und Dopamin im Nervensystem synthetisiert. Einfacher formuliert, brauchen wir diesen Stoff, um fit im Gehirn zu bleiben. Ein Mangel kann sich an andauernder Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Apathie und eben auch Psychosen bemerkbar machen. Über die Hälfte der befragten Veganer sowie ein Zehntel der Vegetarier litt tatsächlich unter einem Vitamin B12-Mangel. Neben diesem essenziellen Vitamin könnten die Befunde auch mit einem Eisenmangel in Zusammenhang stehen, da dieser Mineralstoff verantwortlich für die Bildung der „Glückshormone“ Serotonin und Dopamin ist. Wird bei einer fleischlosen Ernährung nicht darauf geachtet, Eisen und Vitamin B 12 über Nahrungsergänzungsmittel oder eisenreiche pflanzliche Lebensmittel aufzunehmen, kann schnell ein Mangel entstehen.

Tipp: Die Top 20 der Vitamin B12-reichsten Lebensmittel kannst du dir hier anschauen.

Oder ernähren sich depressive Menschen eher vegan?

Doch kommen die höheren Depressionswerte tatsächlich von der pflanzlichen Ernährung? Da sind sich die Forschen nicht ganz sicher. Es könnte nämlich auch umgekehrt sein, dass sich zu Depressionen neigende Menschen eher vegan oder vegetarisch ernähren. Vielleicht sind diejenigen, die sich über ihr Essverhalten Gedanken machen, irgendwie sensibler oder verkopfter und haben generell eine anfälligere Psyche.

Aufgrund der unklaren Ergebnisse und der doch eher geringen Anzahl veganer und vegetarischer Studienteilnehmer raten die Wissenschaftler nicht dazu, unbedingt tierische Lebensmittel zu konsumieren. Es sei jedoch wichtig, bekannte Mangelerscheinungen an Vitamin B12 und Eisen durch Nahrungsergänzungsmittel, angereicherte Produkte und eine ausgewogene Ernährung vorzubeugen. Insbesondere bei einer langjährigen veganen Lebensweise sollte man daher regelmäßig sein Blutbild überprüfen lassen.

Bildquellen: iStock/KatarzynaBialasiewicz, iStock/kieferpix, iStock/NatchaS

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Mein Fazit

Da ich mich selbst schon seit über 14 Jahren vegan ernähre, habe ich bei dieser Studie aufgehorcht. Natürlich möchte ich mir durch meine Lebensweise keinen psychischen Schaden zufügen und langfristige Nervenschäden davontragen. Allerdings ist mir und allen Veganern, die ich kenne, das Problem mit der Vitamin B12-Versorgung durchaus bewusst. Jeder seriöse vegane Ernährungsratgeber empfiehlt, sein B12-Depot regelmäßig mit hochdosierten Präparaten aufzufrischen. Außerdem ist eine Vielzahl veganer Produkte bereits mit Vitamin B12 angereichert (es gibt sogar B12-Zahnpasta!).

Was ich damit sagen möchte: Es ist heutzutage nicht schwer, sich vegan zu ernähren und keine Mangelerscheinungen davon zu tragen. Wer sich aber nicht informiert und sich einseitig ernährt, kann – ob als Fleischesser oder Veganer – natürlich schnell physische und scheinbar auch psychische Schäden davontragen. Meiner Meinung nach, ist die Schlussfolgerung, dass Veganer eher zu Depressionen neigen daher zu verkürzt. Viel eher müsste es heißen: Menschen, die an Vitamin B12-Mangel leiden, weisen höhere Depressionswerte auf. Ich möchte da als vorbildliche Veganerin mit meinen stets guten Blutwerten nicht dazu gezählt werden! Ernährst du dich vegan oder vegetarisch und hast bereits an Mangelerscheinungen gelitten? Berichte uns von deinen Erfahrungen in den Kommentaren!


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