Chancenlos?

Zuckersucht: Kein Tag ohne Süßungsmittel

Anne Lüftneram 08.03.2016 um 17:23 Uhr

Die Lieblingsschokolade im Supermarkt, die Bonbons am Empfang der Arztpraxis und das kleine Törtchen als Dessert nach dem Mittagessen. Zucker spielt in unserem Leben eine wichtige Rolle, denn er versteckt sich in vielen Lebensmitteln und macht uns glücklich, sobald sich die Süße auf unserem Gaumen ausbreitet. Doch was passiert, wenn aus der Lust eine Zuckersucht wird? Kannst Du wirklich süchtig nach Zucker werden und gibt es einen Ausweg?

Fruktose, Maltose, Süßmolkenpulver oder auch Glukosesirup verstecken sich in einer Vielzahl unserer Lebensmittel und ihnen allen ist eines gemein: Sie sorgen für die Süße, der wir uns nicht entziehen können. Die Sätze „Ich bin süchtig nach Schokolade“ oder „Ohne mein tägliches Dessert geht bei mir gar nichts“ werden oft in den Mund genommen, doch nur wenige wissen, dass sich hinter der Lust auf etwas Süßes, oft eine Zuckersucht verbirgt, die sogar der Abhängigkeit nach Nikotin oder Alkohol gleichen kann.

Zuckersucht kann genetisch bedingt sein

Zuckersucht kann genetisch bedingt sein

Wer die Finger partout nicht von Gummibärchen und Co. lassen kann, steckt meist schon mitten drin in dem Teufelskreis aus zu vielen Kalorien, ständigem Verlangen nach mehr Zucker und nicht selten auch gesundheitlichen Schwierigkeiten sowie Figurproblemen. Zuckersucht und Heißhungerattacken gehen Hand in Hand miteinander durch den Alltag, doch die Gründe für den permanenten Appetit haben nichts mit einem unstillbaren Hunger zu tun. Unser Gehirn spielt uns vielmehr einen Streich.

Zuckersucht: Das Verlangen nach mehr Glücksgefühlen

Zucker macht glücklich! Ähnlich wie bei einem Raucher, der an einer Zigarette zieht oder einem Alkoholkranken, der einen Schluck Wein zu sich nimmt, wird auch im Körper von Zuckersüchtigen vermehrt Dopamin und Serotonin ausgeschüttet, wenn sie Zucker und Süßungsmittel zu sich nehmen. Sie sind immer dann zu Stelle, wenn wir aufgeregt sind, vor einer wichtigen Hürde stehen oder vorfreudig, wie kleine Kinder am Weihnachtsmorgen, auf ein bestimmtes Event hinfiebern. Dopamin ist dabei für den nötigen Antrieb verantwortlich, während Serotonin das Gefühl von Entspannung und Erfolg nach einer aufregenden Situation oder bestandenen Prüfung vermittelt. Doch auch Drogen, zu denen auch Zucker gehören kann, führen auf unnatürliche Weise zum Anstieg dieser Botenstoffe, sodass mit einem Cookie das Belohnungszentrum in Deinem Körper aktiviert wird. Dieser Zustand soll – wenn es nach Deinem Gehirn geht – natürlich so oft wie möglich hergestellt werden. Dies ist oft der Beginn einer Zuckersucht.

Zuckersucht: Kein Entkommen?

Portrait of beautiful young woman eating donuts at home.

Zucker liegt uns im Blut

„Beim Menschen gibt es eine genetische Präferenz für Süßes. Die Vorliebe für diesen Geschmack wird uns quasi in die Wiege gelegt. Bereits die Muttermilch schmeckt durch den Milchzuckergehalt leicht süß, später werden Kinder oft mit Süßigkeiten belohnt oder getröstet“, erklärt Silke Restemeyer, Ernährungswissenschaftlerin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Gibt es also gar kein Entrinnen von der Zuckersucht und sind wir bereits alle betroffen? Nein, denn bei jedem Menschen ist das Belohnungszentrum anders entwickelt, sodass bei einigen schon der gelegentliche Griff zum Naschwerk oder auch zu Pizza oder Ketchup reicht, um glücklich zu sein. Außerdem bestimmt auch Deine generelle Ernährung Deine Lust auf Zucker, sodass Du mit den richtigen Lebensmitteln einer Sucht nach Zucker entgegenwirken kannst.

Naschen ja, Zuckersucht nein

Natürlich könnten wir Dir nun raten, den Zucker aus Deinem Leben zu verbannen, um das Risiko einer Zuckersucht zu vermeiden. Diese Challenge erfordert allerdings neben sehr viel Disziplin mindestens genau so viel Organisationstalent, denn spontane Snacks sind dann nicht mehr möglich. Stattdessen solltest Du lieber darauf achten, Deinen Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Isst Du ein Stück Kuchen oder trinkst einen gesüßten Cappuccino, treibt das Deinen Blutzucker rasant in die Höhe, in der Folge wird vermehrt Insulin produziert. Zucker sorgt allerdings nur für ein kurzzeitiges Hoch, denn schon nach ca. ein bis zwei Stunden sinken diese Werte wieder. Der vermehrte Ausschuss von Insulin und das extreme Schwanken zwischen Deinen Blutzuckerwerten führen schließlich zu einem großen Hungergefühl, Heißhungerattacken und der Produktion von sogenannten freien Fettsäuren. Sie stören die Kommunikation in Deinem Körper, sodass die Insulin-Werte nicht mehr richtig empfangen werden können – das Verlangen nach immer mehr Zucker ist da nur eine Frage der Zeit. Um diese Unruhen zu beseitigen, solltest Du zu einer ballaststoffreichen Kost greifen. Vollkornprodukte, Dinkel, Bulgur oder Bohnen verlangsamen den Anstieg des Blutzuckerspiegels. Außerdem sättigen sie ebenso wie proteinreiche Lebensmittel wie beispielsweise mageres Fleisch oder Pilze langanhaltend. Ein kleiner süßer Snack oder ein gesüßter Saft sind ab und zu natürlich erlaubt, doch sollten sie so oft wie möglich gemieden werden.

Zuckersucht kann bekämpft werden

Denkst Du ständig an Schokolade? Wirst Du bei dem Gedanken nervös, keine Süßigkeiten zu Hause zu haben? Verzehrst Du große Mengen an Zucker, ohne Befriedigung zu erlangen? Dann könntest Du bereits mitten in der Sucht stecken. Warum das zu einem Problem führen kann? Nicht nur Deine Figur wird mit hoher Wahrscheinlich unter der enormen Kalorienzufuhr leiden, auch Deine Organe können dieser Belastung nicht auf Dauer standhalten. Dein Körper wird täglich stark gefordert und braucht seine Energie, um die Arbeit Deiner Organe gewährleisten zu können. Zucker stört ihn in diesem Prozess, sodass Stoffwechselprozesse verlangsamt werden. Bei einer Zuckersucht hilft da oft nur noch der kalte Entzug: Entsorge zuerst alle Süßigkeiten aus Deiner Wohnung. Auch Fruchtjoghurt, gesüßtes Müsli oder Softdrinks zählen dazu. Versuche schließlich, Dir das Clean Eating-Prinzip zu eigen zu machen. Es beruht auf der Idee, ausschließlich natürliche Lebensmittel zu konsumieren, die frei von künstlichen Zusatzstoffen sind. So umgehst Du alle Zuckerfallen, denn Obst und Gemüse sind trotz Zucker genehmigt – ihr Vitamingehalt ist einfach unschlagbar. Du wirst sehen, dass Du Dich nach den ersten schweren Tagen vitaler und fitter fühlst. Auch Sport kann helfen, der Zuckersucht zu entkommen. Bei körperlicher Aktivität werden im Körper die bereits bekannten Botenstoffe ausgeschüttet, sodass Zucker gar nicht mehr nötig ist.

Pro Jahr konsumiert jeder Deutsche durchschnittlich 36 Kilogramm Zucker – das entspricht der doppelten Menge, die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen wird. Zucker nimmt also nachweislich einen dominanten Stand in unserem Leben ein und Zuckersucht betrifft inzwischen jede Altersgruppe. Allerdings ist der Kampf gegen die Süße nicht vergebens, denn mit einem konstanten Blutzuckerspiegel und natürlichen Lebensmittel kannst Du die größten Hürden gekonnt umgehen.

Bildquellen: iStock/pimonpim (Titelbild), iStock/nensuria

Kommentar (1)

  • Anne Lüftner am 08.03.2016 um 16:40 Uhr

    Glaubst Du, Du leidest an einer Zuckersucht?


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