20 Min. Training

EMS-Erfahrung – Schnell und effektiv abnehmen?

Jessica Tomalaam 18.07.2016 um 14:03 Uhr

Vielen Menschen fällt es oft schwer, sich zu einem anstrengenden Workout zu motivieren. Da scheint es doch umso reizvoller, wenn Dir schnelle Trainingserfolge versprochen werden, ohne schweißtreibende Einheiten auf dem Laufband oder der Hantelbank absolvieren zu müssen. Genau diese großartigen Ergebnisse verspricht EMS. Aber was genau versteckt sich hinter EMS und kann es wirklich Sport ersetzen? Das haben wir aus unserer EMS-Erfahrung gelernt.

Zeitsparend, effektiv, trainiert den gesamten Körper – damit werben EMS-Anbieter. Bundesweit gibt es inzwischen weit über 300 Filialen. Wir haben für Dich ein EMS-Studio getestet und sagen Dir, was Du von Deiner ersten EMS-Erfahrung erwarten kannst.

EMS-Training

Beim EMS-Training ist es wichtig, dass Du einen Trainer hast, der auf die Signale Deines Körpers achtet.

Was ist EMS?

EMS steht für Elektromyostimulationstraining. Lange bevor EMS der Allgemeinheit zugänglich gemacht wurde, haben Sportmediziner und Physiotherapeuten EMS schon für Rehabilitationsmaßnahmen genutzt. Bereits in den 60er Jahren wurde EMS von sowjetischen Sportwissenschaftlern untersucht, um muskuläres Feintuning bei Elitesportlern zu fördern. Seit den 90er Jahren wird EMS sowohl präventiv als auch bei Rückenbeschwerden, Beckenbodenschwäche, muskulären Dysbalancen, Harninkontinzenz und Muskelverspannungen genutzt. Beim EMS fließen bioelektrische Impulse durch große Elektroden, die nicht nur einzelne Muskeln stimulieren, wie in der Physiotherapie, sondern alle Muskeln ansprechen. Bei einer Muskelkontraktion werden die Impulse eigentlich aus dem Gehirn über die Nervenzellen an die Muskeln weitergeleitet. Beim EMS kommt dieser Impuls nun von außen.

EMS-Erfahrung: Brauche ich spezielle Sportkleidung?

Sportsachen muss man nicht mitbringen, nur Sportschuhe solltest Du dabei haben. Der Trainierende zieht eine eng anliegende kurze Hose und ein schwarzes Top über, die leicht feucht sind. Durch die Feuchtigkeit werden die Stromimpulse besser geleitet. Die Trainingskleidung besteht meist aus Baumwolle mit Lycrafasern, die eine hohe Leitfähigkeit besitzen. Über die Trainingskleidung wird dann eine Funktionsweste mit Elektroden angezogen, Arme, Beine und Gesäß werden mit Klettverschlusspads versehen.

Was passiert während des Trainings?

Der Vorteil des EMS-Trainings ist, dass Du weder eine Hantelbank, noch ein Laufband oder irgendwelche Gewichte brauchst und doch, soll es effektiver sein, als jedes herkömmliche Krafttraining.Es gilt außerdem, zwischen dem Kraft- und Cardiotraining zu unterscheiden. Beim Krafttraining wird der Trainierende über Kabel mit dem EMS-Gerät verbunden. Bei Deiner ersten EMS-Erfahrung wird zunächst für jede Muskelgruppe die Stromintensität eingestellt. Wenn Du merkst, dass diese Intensität zu stark eingestellt wurde, kann sie Dein Trainer auch während des Trainings noch anpassen. Der erste Stromimpuls wird an den Oberschenkeln angepasst. Der Impuls dauert ein paar Sekunden, dann schaltet er sich automatisch ab. Der Impuls kitzelt, je höher die Stromintensität gedreht wird, desto mehr wird auf den Muskel ein starker, vibrierender Druck ausgeübt.

EMS-Training

Muskeln anspannen, wenn der elektrische Impuls kommt!

Nach und nach wird die Stromintensität bei den Muskelgruppen angepasst. Danach folgen 12 bis 15 funktionelle Übungen, vom Ausfallschritt bis zu Kniebeugen und leichtem Hanteltraining. Bei jedem Impuls wird der Muskel angespannt. Im Laufe des Trainings wird die Übung auch durchgeführt, wenn der Impuls gerade pausiert. Obwohl das Training nur 20 Minuten dauert, ist es durch die verstärkte Muskelbelastung sehr anstrengend. Bei jeder Übung werden etwa 90 Prozent der gesamten Muskulatur trainiert. Deshalb ist das Training angeblich auch 18-mal effektiver als herkömmliches Gerätetraining. Beim Krafttraining spricht der Impuls die weißen Muskelnfasern an, beim Cardio-Impuls eher die roten Muskelfasern, die für die Ausdauerleistung eines Muskels verantwortlich sind. Auf dem Crosstrainer kommt der Impuls nicht schubweise, sondern durchgehend, was das Ausdauertraining erschwert.

EMS-Training: Wie effektiv ist es wirklich?

Verschiedene internationale Studien belegen, dass EMS tatsächlich effektiv beim Muskelaufbau hilft. Bei einer Trainingseinheit kannst Du bis zu 600 Kalorien verbrennen. Doch auch wenn Du beim EMS-Training zwar Muskeln aufbaust, kommt Deine Ausdauer, die existenziell für das menschliche Herz-Kreislauf-System ist, bei der Kürze der Einheiten zu kurz. Aus diesem Grund kann die Muskelstimulation im Fitnessstudio Sportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren nicht ersetzen. Außerdem wird häufig bemängelt, dass EMS zwar die Muskeln an sich trainiert, aber ihre Koordination außen vor bleibt. Das heißt, dass sie nicht an bestimmt Bewegungsabläufe gewöhnt sind, die aber bei der Ausübung anderer Sportarten oder Tätigkeiten gebraucht werden. Ein Gewichtheber könnte mit EMS also zusätzliche Muskelmasse aufbauen, doch das spezifische Heben der Gewichte müsste er separat trainieren. Trotzdem bleibt die elektrische Muskelstimulation für Sportmuffel eine echte Alternative, da Fett und Kalorien verbrannt werden und spezielle Muskelgruppen, wie die Rücken- und Rumpfmuskulatur, gestärkt werden. Dadurch kannst Du nach Deiner ersten EMS-Erfahrung zum Beispiel Rücken- und Nackenschmerzen vorbeugen.

Welche Risiken gibt es?

EMS ist nicht unumstritten. Im vergangenen Jahr veröffentlichte das Nachrichtenportal „Spiegel Online“ einen Artikel über die Risiken. Kritisiert wird häufig, dass der Trainer die Kontrolle über die Stärke der Stromstöße habe und den Trainierenden über seine körperlichen Möglichkeiten hinaus fordern kann, um den größtmöglichen Effekt zu erzielen. Wie bei jeder intensiven körperlichen Belastung müssen Du und Dein Trainer vor jedem EMS-Training auf die körperliche Fitness und mögliche gesundheitliche Einschränkungen achten. Deshalb gibt es bei den meisten EMS-Studios zu Beginn ein ausführliches Gespräch über den Gesundheitszustand. Wenn gesundheitliche Einschränkungen vorliegen, wird vor Trainingsbeginn ein Arzt konsultiert. Die hohe Wirksamkeit des EMS-Trainings wird auch durch den sogenannten CK-Wert (Creatin-Kinase-Wert) belegt. Dieser gilt als Indikator für den Grad der Muskelbelastung und kann gerade bei untrainierten Menschen oder bei unsachgemäßer oder zu intensiver Anwendung Werte erreichen, die außerhalb des Normbereichs liegen. Deshalb sollten die Trainierenden unbedingt auf die Einhaltung der Regenerationspausen von 48 Stunden vor und nach dem Training achten und ausreichend trinken.

EMS: Für wen eignet sich das Training?

Auch wenn die versprochenen Erfolge von EMS verlockend klingen, bringt diese neue Trainingsmethode auch einige Risiken mit sich. Da bei den Einheiten mit Reizstrom gearbeitet wird, sollten Menschen mit Herzrhythmusstörungen und Herzschrittmachern auf das EMS-Training verzichten. Auch wenn Du unter Epilepsie, Diabetes und Spastiken leidest, kann sich das Workout negativ auf Deinen Gesundheitszustand auswirken. Menschen mit einer überempfindlichen Haut und anderweitigen Hauptproblemen sollten ebenfalls Abstand von EMS nehmen, da der Reizstrom zu Schmerzen und unangenehmen Hautreizungen führen kann. Auch Schwangere sollten nicht mit EMS trainieren. Selbst wenn Du bei bester Gesundheit bist und Du mit dem Gedanken spielen solltest, EMS einfach mal auszuprobieren, solltest Du auf jeden Fall vorher mit Deinem Hausarzt darüber sprechen. So bist Du in jedem Fall auf der sicheren Seite.

Das EMS-Probetraining war anstrengender als erwartet. Bereits während des Trainings konnte ich den Ausfallschritt, der durch die zusätzlichen Belastung des Muskels viel schwieriger war als sonst, nur schwer ausführen. Muskelkater verspürte ich zwar nicht ab dem zweiten Tag. Allerdings war der Muskelkater nicht so stark, wie ich ihn erwartet hatte. Der Zeitaufwand ist wirklich sehr gering, nach einer halben Stunde stand ich bereits wieder vor dem Studio. Trotzdem hatte ich das Gefühl, viel für meinen Körper getan zu haben. Etwas befremdlich sind zunächst sowohl die Trainingskleidung als auch die Stromimpulse. Das anfängliche Kitzeln bei den Impulsen sorgt zu Beginn für gute Laune.

Bildquellen: iStock/pyotr021 (2)

Kommentare (3)

  • berlinermaus am 03.12.2014 um 12:39 Uhr

    EMS Training ist echt was für Faulpelze. Also einmal Gürtel umschnallen und schlank werden ist nicht! Ist doch klar, dass man neben EMS noch richtig Sport machen muss. Vielleicht bekommt man ein paar kleinere Dellen weg, aber das wars dann auch schon.

  • Shynia am 16.10.2014 um 07:39 Uhr

    Ich glaube nicht, dass EMS wirklich beim Abnehmen hilft. Ist wohl nur Geldrausschmeißerei, wenn man mich fragt. Wie sollen denn elektrische Impulse die Muskulatur straffen? Die muss man schon selbst bewegen. EMS ist doch nur wieder was für faule Leute, die keinen Bock auf Sport haben!

  • QueenofMuffins am 13.02.2014 um 07:46 Uhr

    Naja, aber dieses EMS-Training ist doch mehr son Gag, oder? Das ist ja megateuer, wenn man das regelmäßig als "Training" machen will, muss man richtig Geld in die Hand nehmen. Dann vielleicht doch lieber Joggen...


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