(Un)Sinn?

Braucht man eine Pulsuhr?

Anna-Maria von Kentzinskyam 01.02.2016 um 17:55 Uhr

Richtige Trainingserfolge erreicht man nur mit einer Pulsuhr. Gerade Jogger schwören auf das piepsende Gerät am Handgelenk. Aber hilft eine Pulsuhr wirklich, um Fett abzubauen und die Fitness zu steigern oder handelt es sich bei dem Gerät doch eher um ein nettes Accessoire als um ein praktisches Werkzeug? Wann ist eine Pulsuhr wirklich sinnvoll?

Der Name verrät schon, welche Aufgabe die Pulsuhr hat: Sie misst die Herzfrequenz, also die Anzahl der Schläge pro Minute (BPM/Beats per Minute), mit der das Herz schlägt. Beim Training liegt die Zahl natürlich deutlich höher als beim gemütlichen Abend auf der Couch. Doch warum ist das überhaupt wichtig? Die Herzfrequenz nimmt Einfluss auf die Fettverbrennung, die Konditionsverbesserung sowie den Muskelaufbau beim Workout und danach. Hat man sie also im Blick, kann man die eigenen Trainingsziele leichter erreichen, das gilt vor allem für alle Jogger, Radfahrer, Schwimmer, Ruderer und bei allen anderen Sportarten, die eine gute Ausdauer voraussetzen. Denn der kleine Computer hilft, den schmalen Grat zwischen Höchstleistung und Überanstrengung zu treffen, und ist besonders für Sportanfänger und Freizeitsportler geeignet, die ihren Körper noch nicht so gut kennen.

Sportliche Frau mit einer Pulsuhr

Die Pulsuhr: Ein Must-Have oder überflüssigen Accessoire?

Die Pulsmessung ist das Herzstück einer jeden Pulsuhr, doch die meisten Exemplare können mit zusätzlichen Funktionen aufwarten. So kann man heutzutage bei den meisten Pulsuhren auch BPMs einstellen, die jeweils als Unter- und Obergrenze fungieren und den Trainierenden durch einen Alarmton informieren, sollte der Puls sich außerhalb dieser Limits befinden. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass immer die ideale Trainingsintensität eingehalten wird. Viele Pulsuhren messen auch den Kalorienverbrauch – ein Feature, das besonders für alle interessant ist, die mit dem Training in erster Linie das ungeliebte Hüftgold loswerden möchten. Diese Funktionen sind inzwischen Basics, die die meisten Geräte mit sich bringen. Darüber hinaus verfügen einige Pulsuhren über eine Übersicht der Trainingsdauer, eine Stoppuhr sowie einem Timer, GPS Tracking zum Nachverfolgen der Route und dem Erfassen der Geschwindigkeit, eine Schnittstelle für den PC zum Auswerten der erfassten Trainingsdaten, einen Höhenmesser, vorprogrammierte Trainingsprogrammen, Beleuchtung und und und…

Doch ein Flop? Die Nachteile einer Pulsuhr

Die Pulsuhr lenkt vom Training ab. Wer sich eine Pulsuhr ums Handgelenk schnallt, will sein Training überwachen und immer im Optimalbereich unterwegs sein. Doch dabei sollte der Sport nicht aus dem Fokus geraten. Viele moderne Pulsuhren sind zudem mit zahlreichen Zusatzfunktionen ausgestattet, die in der Regel nur für Leistungssportler wirklich relevant sind. Für Technikfans mögen sie zudem nette Spielereien sein, doch dadurch kann auch die Bedienung schnell unübersichtlich und schwierig werden. So nützlich eine Pulsuhr auch sein mag, ihr ständiges Piepen und das anhaltende Bedürfnis, die aktuelle Leistung zu überprüfen sowie unübersichtliche Bedienung und Funktionen führen schnell zu Ablenkung. Damit ist das Workout natürlich deutlich weniger effektiv.

Der Brustgurt ist unbequem: Viele Pulsuhren messen die Herzfrequenz über einen Brustgurt, den man vor dem Training umlegt und der möglichst nahe am Herzen den Puls aufzeichnet. Er wird direkt unterhalb des Brustmuskels platziert. Pulsuhren mit Brustgurt gehören zu den zuverlässigeren Messmethoden (im Gegensatz zur Pulsuhr ohne Gurt, die am Handgelenk misst), allerdings stört viele der Brustgurt. Frauen haben mit ihm zu kämpfen, da der sich an derselben Stelle befindet wie der BH. Die Folge: Entweder sitzt der BH nicht richtig und drückt zusätzlich auf den Gurt oder der Pulsmesser sitzt zu tief und stört die Bewegungsfreiheit

Sklaventreiber oder Werkzeug: Ist die Pulsuhr immer sinnvoll?

Eine Pulsuhr ist auf jeden Fall dann eine nützliche Hilfe, wenn man in einem bestimmten Frequenzbereich trainieren möchte. In Momenten mit gleichbleibender Trainingsintensität sollte man nicht auf sie verzichten, beispielsweise bei der alltäglichen Joggingrunde. Allerdings sollte man die Pulsuhr nicht zum Diktator mit der Piepsstimme werden lassen. Eine Pulsuhr soll eine „Überlastung“ verhindern und den Sportler immer in einer adäquaten Trainingsintensität halten. Doch damit läuft man nicht immer auf der Erfolgsspur. Gerade beim Kraftaufbau, aber auch im Ausdauerbereich sind es mitunter die außergewöhnlichen körperlichen Anforderungen, die zu einem deutlichen Anstieg der Leistungssteigerung führen. Dazu gehört auch ein Training, das mit der Pulsuhr eigentlich vermieden werden soll: große Anstrengung mit einem sehr hohen Puls. Damit ist sie für moderne Trainingsmethoden wie das High Intensity Training (HIT) denkbar ungeeignet. Hier gibt es sehr kurze, dafür aber hochintensive Workouts, die den Puls gen Maximalwert streben lassen. Ein gutes Hilfsmittel ist die Pulsuhr allerdings wieder beim Tabata, Crossfit oder Intervallraining, hier kann sie helfen, die Intervalle einzuhalten und sicherzustellen, dass der Puls während der hohen Belastungsphasen eindeutig ansteigt.

So eine Pulsuhr ist schon ein praktisches Trainingsgerät, mit dem man seine sportlichen Ziele gut dokumentieren und überwachen kann – um so echte Erfolge zu verzeichnen. Allerdings sollte sie nur dann zum Einsatz kommen, wenn die Überwachung und/oder Einhaltung der Herzfrequenz auch wirklich wichtig für die jeweilige Trainingsmethode ist – und das muss nicht jedes Mal der Fall sein. Es macht keinen Sinn, den piepsenden Überwacher am Handgelenk immer bei sich zu haben und sich seinem Willen zu beugen. Eine Pulsuhr zu besitzen ist also gerade für alle Ausdauersportler sehr praktisch, doch manchmal kann man auch ihr eine kleine Pause gönnen und allein losziehen.

Bildquelle: iStock/DGLimages

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