Muskeln schwinden

Starke Männer, schwache Frauen? Das war mal

Katharina Lübkeam 19.08.2016 um 17:14 Uhr

Starke Männer, schwache Frauen? Von wegen! Das war mal. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Herren so Einiges an ihrer Mannskraft zurückgelassen. Das hat jetzt die Winston-Salem State University im US-amerikanischen North Carolina in einer Studie herausgefunden. Demnach hat das starke Geschlecht heute weniger Kraft als noch vor dreißig Jahren. Ganz anders wir Frauen.

Sie laufen schneller, springen höher, schießen weiter. Die Männer haben es einfach mehr in Armen und Beinen als wir Frauen. Aber was nützt ihnen das, wenn sie im Büro am Rechner herumtippeln, das Geschirr spülen und die Windeln wechseln? US-Wissenschaftler wollten wissen, wie sehr sich Büroarbeit und moderne Haushaltsteilung auf die Muskelkraft von Männern und Frauen auswirkt, und hat nachgemessen. Sie fanden heraus: Die Evolution ist noch im Gange.

Starke Männer

Starke Männer gibt es weniger als noch vor 30 Jahren.

Bei 237 gesunden Männern und Frauen in der Blüte ihrer Jugend zwischen 20 und 34 Jahren untersuchten die Forscher mit einem sogenannten Dynometer die Kraft der Arme und Hände der Probanden. Sie maßen, wie stark die Probanden mit der ganzen Hand zugreifen konnten. Anschließend sollten sie zukneifen, so stark sie konnten. Diese aktuell gesammelten Daten verglichen die Forscher mit Daten, die 1985 in einer Untersuchung gesammelt wurden.

Um 20 Prozent schwächer

Starke Männer

Die Büroarbeit macht Männer heute schwächer.

Die Griffstärke der jungen Männer liegt demnach aktuell im Schnitt bei 49 Kilogramm, 1985 lag sie noch bei 58,5 Kilogramm. Dabei schnitten die Männer im Alter von 30 und 34 Jahren (5,5 Kilogramm weniger) noch deutlich besser ab als die Vergleichsgruppe zwischen 25 und 29 Jahren (12,5 Kilogramm weniger).

„Beim Armdrücken kann der Durchschnittsmann von damals den Durchschnittsmann von heute ganz klar schlagen“, so die Forscher. Diese 12 Kilogramm entsprechen rund 20 Prozent, die die heutigen Teilnehmer im Vergleich zur Vätergeneration einbüßen, schreiben die zwei Studienleiterinnen im Fachaufsatz im Wissenschaftsmagazin „Journal of Hand Therapy“.

Die Greifkraft gilt als sicherer Indikator für die Muskelkraft im ganzen Körper. Aus diesem Grund wurde in früheren Jahren am Händedruck eines Mannes seine Manneskraft abgeleitet. Wer schlaff die Hand schüttelt, hat also auch sonst einen schlaffen Körper.

Gefragt sind heute kognitive Fähigkeiten

Statt Muskeln werden heute nämlich die kognitiven Fähigkeiten beansprucht sowie die Fingerfertigkeit zum Tippen am Computer, dadurch verkümmern dann eben die Muskeln im gesamten Körper. Niemand braucht die Fähigkeit des „kräftigen Zupackens in der postindustriellen Wissensgesellschaft“, schreiben die Studienautoren. Ganz anders noch in den achtziger Jahren, in denen Männer auf der Arbeit noch die Muskeln und Sehnen anspannen und in Bewegung bleiben mussten.

Starke Männer

Frauen werden stärker

Frauen hingegen sind genauso stark wie die Müttergeneration und teilweise sogar stärker. Ihre Greifstärke lag sowohl damals als auch heute bei 37,5 Kilogramm. Die Frauen zwischen 30 und 34 packten sogar etwas fester zu als ihre Mütter oder Großmütter. Auch hier lese die Evolution die Zeichen der gesellschaftlichen Entwicklung und mache sich entsprechend bemerkbar. So nähern wir Frauen uns langsam aber stetig in puncto Körperkraft an die Männer an.

Dass die Muskelkraft der Männer offenbar stetig sinkt, nehmen manche Forscher jedoch als Anlass zur Sorge. Denn Muskeln bringen Dynamik und Beweglichkeit. Das hilft uns auch im Alter, selbstständig zu bleiben. Daher raten sie, den unbeweglichen Berufsalltag nicht auf sich beruhen zu lassen, sondern mit Sport und Bewegung in der Freizeit auszugleichen. Sämtliche Bewegung rege die Muskeln an, Ball spielen, schwimmen, spazieren gehen, nur eben sitzen nicht. Einschränkend muss allerdings erwähnt werden, dass die Studie nicht repräsentativ war, da der Großteil der Probanden Studenten waren.

Dennoch: Schon Kinder bewegen sich heutzutage weniger als früher. Bereits jetzt zeigen zahlreiche Studien, dass der Nachwuchs heutzutage nicht mehr so fit ist wie noch vor 30 Jahren. Sie sind langsamer, übergewichtiger und leben ungesünder. Denn wenn die Erwachsenen die Bewegung aus den Augen verlieren, werden die Kinder sie nicht von allein wiederfinden.

Bildquelle: iStock/Nastco, iStock/Bojan656, iStock/Jacob Ammentorp Lund

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