Hosen – kein anderes Kleidungsstück ist so facettenreich und elementar, kein anderes Kleidungsstück steht so für die weibliche und bürgerliche Emanzipation! Im letzten Jahrhundert haben sich die Hosen von traditioneller Arbeitertracht zu High Fashion gemausert und sind heute nicht mehr aus der Modewelt wegzudenken.

Tote Hose – von wegen! Im Sommer erleben Hosen regelmäßig ein trendiges Fashion-Revival: Hippe Prints erobern dann die angesagten Beinkleider. Schon im Frühling nehmen Hosen mit Animal-Prints, wie Leoparden-, Tiger- oder Pythonmuster, Einzug in die Geschäfte. Im Sommer kommen dann stylische Inka- oder Ethnomuster dazu. Entweder zieren die coolen Prints schlichte Hosen wie Jeans oder Jerseyhosen oder Hosen in ausgefallenen Farben wie Lila, Rot, Grün oder Pink. Ebenfalls beliebte Prints sind Blümchenmuster. Die floralen Drucke auf den Hosen steigern schon im Frühling die Vorfreude auf den Sommer und verbessern selbst im härtesten Winter die Laune.

Hosen zu allen Jahreszeiten

Egal, ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter – zu jeder Jahreszeit wechseln nicht nur die Bäume ihr Blätterkleid, auch die Hosen blühen in den Farben der Saison auf. Im Sommer sind Hosen beispielsweise in knalligen Gute-Laune-Farben wie Zitronengelb, Flieder, Grasgrün oder Babyblau angesagt, die aus leichten Stoffen wie Leinen, Jersey oder auch Jeans hergestellt sind. Auch im Herbst passen sich Hosen der Natur an und präsentieren sich in einem feinen Bordeaux oder einem trendigen Petrol. Im Winter wechselt dagegen nicht nur die Farbe, sondern meist auch das Material. Hosen sind dann häufig aus robusteren Stoffen, wie starkem Denim, Leder oder Cord. Die Färbung der Hosen variiert im Winter zwischen Naturtönen wie Braun, Schwarz, Jagdgrün oder intensivem Rot. Im Frühling erobern dann wieder fröhliche Pastelltöne und Bon Bon-Farben die Hosen.

Wer hat die Hosen an?

Hosen sind heute aus unserer Garderobe nicht mehr weg zu denken. Doch das war nicht immer so: Jahrhundertelang war das Tragen von Hosen für Frauen tabu. Eine der ersten Frauen, die Hosen trug, war neben der französischen Autorin George Sand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Amelia Bloomer. Die amerikanische Frauenrechtlerin entwarf auch die ersten Hosen für Frauen, die knöchellang und weit getragen wurden. Darüber wurde jedoch auch noch ein Kleid gestreift. Dennoch galt es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als Tabubruch, wenn Frauen solche Hosen, Hosenröcke oder Pumphosen trugen. Bis 1900 kam es daher vor, dass Gaststätten und Hotels Frauen in Hosen den Zutritt verweigerten. Im Ersten Weltkrieg wurde dann der „Hosenbann“ gebrochen, weil viele Frauen zum Arbeiten in Hosen gezwungen waren. Fabrikarbeiterinnen trugen beispielsweise Overalls, Frauen im öffentlichen Dienst zogen dagegen Uniformen mit langen Hosen an. Viele Männer hielten die Frauenhosen allerdings nur für eine vorübergehende Erscheinung, doch die Frauen hatten die Vorteile von Hosen in dieser Zeit zu schätzen gelernt und sahen nicht mehr ein, wieso sie auf die praktischen Beinkleider verzichten sollten. In den 1930er Jahren entstand die legendäre, weite Marlene Dietrich Hose, die sich jedoch nur einige Künstlerinnen wagten, zu tragen. Erst Ende der 1960er Jahre wurden Hosen für Frauen gesellschaftlich akzeptiert. Dennoch machte sich die damalige Klatschpresse gerne über Fashion-Vorreiterinnen lustig. Ein „Hosenskandal“ war beispielsweise, dass der israelischen Sängerin Esther Ofarim im Hosenanzug 1966 der Zutritt zu einer Hamburger Bar verwehrt wurde. Auch die Schauspielerin Senta Berger wurde 1969 in einem edlen Designeranzug nicht zum Dinner in ein Londoner Hotel gelassen. Bis 1970 waren sogar im Londoner Nobelkaufhaus Harrods Kundinnen mit Hosen unerwünscht. Die Hose ging somit stets mit der weiblichen Emanzipation einher, die jedoch auch heute noch nicht überall angekommen ist: In der indonesischen Provinz Aceh beispielsweise wurde es Frauen 2010 gesetzlich verboten, Hosen zu tragen. Dass Hosen schon immer einen revolutionären Beigeschmack hatten, beweist die Tatsache, dass die Pariser Arbeiter und das Kleinbürgertum, die so genannten Sansculotten, Ende des 18. Jahrhunderts die ersten langen Hosen trugen. Nach der Französischen Revolution etablierte sich dieses Modell jedoch in der gesamten europäischen Bevölkerung und sogar am Hof.

Wir können mutigen, modischen Vorreiterinnen wie George Sand, Marlene Dietrich und Senta Berger nur dankbar sein. Wenn auch wir heute noch auf Hosen verzichten müssten, wäre unsere Garderobe bei weitem eintöniger!