Ökologischer Wert

Grüne Mode: Die fünf kuriosesten Stoffe

Katharina Lübkeam 04.07.2016 um 12:37 Uhr

Kratzige Schafswollpullis und plumpe Leinengewänder – nachhaltig geht auch anders. Das ökologisch reine Gewissen lässt sich im Kleiderschrank fortführen, ohne dabei zu verlumpen. Denn edel, ausgefallen und chic funktioniert auch mit grüner Mode. Selbst die verrücktesten Abfallprodukte aus der Küche finden dabei neue Verwertung. Nach gewaltfreier Seide, Bio-Baumwolle und Hanf wird Garn mittlerweile auch aus Milch, Kaffee und Algen gesponnen. Wir haben für Dich die Top 5 der kuriosesten Stoffe.

Inmitten der bewährten Fast Fashion kämpft sich seit geraumer Zeit das Gegenstück, die Slow Fashion ihren Weg an die Spitze der Trends. Denn neben dem Bio-Regal im Kühlschrank hat auch die nachhaltige Mode für viele Menschen eine zunehmende Bedeutung. Designer und Modelabels stellen sich darauf ein und strecken die Fühler aus.

Grüne Mode: Milch trägt sich mittlerweile auch ganz gut auf der Haut. Das Label QMILK produziert.

Label QMILK: Milch trägt sich mittlerweile auch ganz gut auf der Haut

Grüne Mode: Aus dem Milcheiweiß Kasein wird das chemisch unbelastete, kompostierbare Biopolymer hergestellt.

Aus demem Milcheiweiß wird das kompostierbare Biopolymer hergestellt.

#1 Das Gute aus der Milch
Milch trinkt man nicht, Milch trägt man, zumindest die abgelaufene. Das Unternehmen QMILK produziert Kleidung aus Rohmilch, die nicht mehr verkehrsfähig ist. Das sind im Jahr immerhin 2 Millionen Tonnen – ein Schatz für die grüne Mode. Die Mikrobiologin Anke Domaske stellt aus dem Milcheiweiß Kasein das chemisch unbelastete, kompostierbare Biopolymer her. Seit 2014 produziert und verkauft sie. Die Milchfaser ist dermatologisch auf Haut- und Körperverträglichkeit getestet und soll sogar antibakteriell gegen E. coli und Staphylococcus aureus wirken. Zudem ist sie 100 Prozent nachhaltig und weich wie Seide.

#2 Eukalyptusholz gegen Hausstaubmilben
Auch Eukalyptusholz schmiegt sich nach entsprechender Verarbeitung sanft an die Haut: Der sogenannte Lyocell-Stoff, bzw. Tencel-Faser wird meist aus dem Holz des Eukalyptusbaums gewonnen, der völlig ohne künstliche Bewässerung und Pestizide auskommt. So reduziert sich der Wasserverbrauch bei der Herstellung der Zellulosefaser auf höchstens 10 Prozent im Vergleich zur Baumwolle. Die Faserausbeute pro Quadratmeter ist dabei sechsmal höher und der Produktionskreislauf nahezu geschlossen. Der Stoff ist vollständig biologisch abbaubar, wärmt ähnlich wie Schafschurwolle, kühlt wie Leinen und gibt Feuchtigkeit schnell an die Luft ab. Das macht ihn perfekt im Kampf gegen Hausstaubmilben.

Grüne Mode: Im Normalfall eher ungewollt an Haut und Haar, werden Algern in der Modewelt zur gefragten Faser.

Grüne Mode: Im Normalfall eher ungewollt an Haut und Haar, werden Algen in der Mode zur pflegenden Faser.

#3 Algen-Fasern als Wellness-Allrounder
Im Normalfall sind Algen an Haut und Haar eher ein berechtigter Grund für Ekel. Eine wahre Wellness-Oase verspricht aber die Seacell-Faser aus Cellulose und Algen. Was für ein Multitalent in der grünen Mode. Die Algen aus den Fjorden Islands enthalten mehr Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente als jedes andere Naturprodukt. Algen regulieren bekanntermaßen den Kreislauf, fördern die Verdauung und die Durchblutung, aktivieren den Hautstoffwechsel und lindern Hauterkrankungen. Außerdem sind sie für ihre entschlackende, entgiftende und Feuchtigkeit spendende Wirkungen bekannt. Die Haut kann die entsprechenden Stoffe, etwa Kalzium, Magnesium oder Vitamin E leicht aufnehmen, so die Aussage des Herstellers.

#4 Im Kaffesatz gefunden
Aus dem taiwanesischen Taipei kommt eine weitere ausgefallene Faser, die sogar schlechte Gerüche neutralisiert, äußerst schnell trocknet und UV-beständig ist – für Sportler, denen grüne Mode wichtig ist, der Hit. Die Firma Singtex Alter sammelt seit 2006 jeden Tag mehr als eine halbe Tonne Kaffeereste aus Restaurants, Bars und Cafés und vermischt diese mit Polyesterfasern aus alten Plastikflaschen. Kaffeesatz gibt es genug weltweit: Allein in Taiwan werden täglich rund sechs Millionen Tassen Kaffee getrunken. Dabei bleiben 99,8 Prozent des Kaffees im Satz zurück, fast 30 Tonnen pro Tag – die nun Verwendung finden.

#5 Soja-Abfallprodukt
Selbst aus Soja werden Fasern gesponnen – in einem speziellen Nass-Spinnverfahren aus einem Abfallprodukt. Aus dem sogenannten Okara, das bei der Herstellung von Tofu, Sojamilch oder Sojabohnen-Öl übrig bleibt, werden die flüssigen Proteine herausgelöst und zu Fasern gesponnen. Das ist, ganz grüne Mode, 100 Prozent natürlich, die Faser also komplett biologisch abbaubar. Heraus kommt ein seidig glänzendes modisches Strickgarn, das ähnliche Klimaeigenschaften wie Baumwolle, Seide und Leinen hat.

Es gibt weitere kuriose Rohstoffe, die man niemals in seinem Pulli vermuten würde. Und wer weiß, welche ausgefallenen Abfallprodukte demnächst zur gefragten Ressource für die grüne Mode werden und zu Fäden gesponnen praktische Vorteile und reichhaltige Hautpflege mit sich bringen. Sicher ist: Wir können gespannt sein.

Bildquellen: QMILK/Jannes Frubel, iStock/Maxim Malevich

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