was mit altkleider wirklich passiert
Nina Rölleram 19.01.2017

Wer sich regelmäßig neue Klamotten kauft, der muss auch regelmäßig abgetragene Teile aussortieren, um wieder Platz im Schrank zu machen. Besonders Kleidung, die sich nicht mehr weiterverkaufen lässt, landet in Altkleidercontainern und neuerdings auch in Abgabestellen von Modeketten. Naiverweise erwarten wir, dass unsere aussortierten Kleidungsstücke Bedürftigen zugutekommen oder anderweitig sinnvoll recycelt werden. Doch was passiert wirklich mit all der Kleidung und macht es einen Unterschied, ob man diese in den Container wirft oder im Laden abgibt?

Etwa 40 Prozent aller abgegebenen Kleider werden re- oder downgecycelt.

Etwa 40 Prozent aller abgegebenen Kleider werden re- oder downgecycelt.

Alte Kleidung gegen Rabattgutscheine

H&M Recycling Altkleider

In vielen Geschäften kann man Altkleider abgeben.

Während man Altkleider früher nur in Containern des Roten Kreuzes oder in Secondhandläden loswerden konnte, kann man sie inzwischen auch einfach bei der nächsten Shopping-Tour in vielen Filialen großer Modeketten wie H&M, Zara, Adler oder Reno abgeben. In vielen Geschäften wirst Du nicht nur Deine aussortierten Kleider los, sondern bekommst im Gegenzug sogar Rabattgutscheine für Deinen nächsten Einkauf. Dabei müssen die Altkleider noch nicht mal von der jeweiligen Modekette selbst stammen. Zara wirbt mit dem vollmundigen Versprechen: „Im Rahmen unseres sozialen und ökologischen Engagements helfen wir Ihnen, die Lebensdauer Ihrer Kleidung auf ganz einfache Weise zu verlängern.“ Während es bei H&M heißt: „Geben Sie uns Ihre alte, kaputte, abgetragene und aus der Mode gekommene Kleidung. Mit dieser Botschaft will H&M in der bisher größten Nachhaltigkeitskampagne des Unternehmens insgesamt 1.000 Tonnen Altkleider sammeln.“ Die Modelabels nutzen die Altkleidersammlungen also augenscheinlich auch dafür, ihr Image aufzupolieren und sich als nachhaltige Unternehmen zu präsentieren. Doch wird mit den abgegebenen Altkleidern tatsächlich Gutes geleistet oder wäre es besser, diese weiterhin in den Container zu werfen?

Altkleider-Container vs. Abgabe im Geschäft

So ganz traue ich der Sache mit den recycelten Altkleidern für einen guten Zweck ja nicht. Schließlich sind die großen Modeketten doch aufgrund von Schleuderpreisen und Dumpinglöhnen überhaupt erst schuld daran, dass Tonnen von Altkleidern anfallen. Ganz so ernst kann es ihnen also nicht mit dem Vorhaben sein, tatsächlich zu einem nachhaltigeren Konsum beizutragen. Was mich jedoch überrascht hat, ist die Tatsache, dass es tatsächlich keinen Unterschied macht, ob Du Deine Altkleider in einen Container des Roten Kreuzes schmeißt oder sie bei H&M abgibst. Letztendlich landen nämlich alle alten Textilien in einer zentralen Sammelstelle und werden vom Unternehmen I:CO sortiert.

Die Sortierung verläuft nach gesetzlichen Vorschriften. In der Regel sind etwa 50 bis 60 Prozent aller Altkleider noch tragbar und werden als Secondhandware nach Afrika und Osteuropa weiterverkauft. Verschenkt und gespendet wird hier nichts! Während etwa 10 Prozent der abgegebenen Kleidungsstücke nur noch entsorgt werden können, werden etwa 40 Prozent recycelt. Im Klartext bedeutet dies: Die Altkleider werden zerhäckselt und landen schlussendlich in Füllmaterialien oder Putzlappen.

Mit alten Jeans Häuser isolieren

Alte Jeans können sinnvoll genutzt werden.

Alte Jeans können sinnvoll genutzt werden.

Während wir in der Regel eine bunte Mischung verschiedener Textilien abgeben und die Sortierung großen Firmen überlassen, gibt es auch andere Konzepte. Die Initiative „Blue Jeans Go Green“ hat sich zum Beispiel auf die ausschließliche Weiterverarbeitung von Jeansstoffen spezialisiert. In den gesamten USA werden alte Denim-Teile gesammelt und anschließend zu einem besonders hochwertigen Dämmmaterial für Häuser umgewandelt. Jährlich spendet das Unternehmen sogar eine vollständige Hausisolierung für bedürftige Personen. Mittlerweile konnten so schon über 600 Tonnen Jeans sinnvoll recycelt werden. Auf jeden Fall eine sinnvolle Weiterverwertung, wenn man bedenkt, dass die alten Kleidungsstücke auch genauso gut im Abfall hätten landen oder im Schrank verstauben können!

Abgegebene Altkleider werden also je nach Zustand recycelt oder als Secondhandware verwendet. In beiden Fällen steckt dahinter aber auch ein finanzielles Interesse und nicht nur bloßes Samaritertum. Wenn Du möglichst nachhaltig konsumieren willst, solltest Du langfristig versuchen, weniger Altkleider zu produzieren. Statt monatlich wechselnder Discounterware empfiehlt es sich, auf hochwertige Bekleidung aus Bio-Baumwolle zu setzen. Auf der Fashion Week in Berlin haben wir übrigens einige coole nachhaltig produzierende Modelabels für Dich entdeckt.

Bildquelle: iStock/Daisy-Daisy, iStock/ChristianColmer, Getty Images/Imeh Akpanudosen, Getty Images/Monica Schipper

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