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Paulina91

am 19.02.2016 um 14:30 Uhr

Essgestörte, anhängliche Freundin

Hallo ,
ich habe eine Freundin (25), die schon seit längerem an einer Essstörung (Bulimie/Magersucht) leidet. Sie hat in ihrer Familie viele Probleme (Vater verstorben, schlechtes Verhältnis zur Mutter) und studiert mit mir zusammen Jura in Berlin. Ich habe mich am Anfang mit ihr angefreundet, weil sie bei keiner Gruppe richtigen Anschluss gefunden hat und mir leid tat; unsere kleine Gruppe wollte ihr was Gutes tun. Am Anfang war auch alles in Ordnung, ich würde sie nicht als eine enge Freundin bezeichnen (wir haben nicht so viel gemeinsam), aber als jemanden, den man mit dabei haben kann, ohne dass es unangenehm wäre. Am Anfang. Dann hatte sie ein Erlebnis, das sie schwer getroffen hat, und begann abzurutschen. Ihre Anforderungen an unsere “Freundschaft” wurden immer höher; sie hätte noch nie “echte Freunde” gehabt, und ich glaube, dass sie deshalb in den sozialen Konformationen etwas unerfahren war; sie wollte immer mehr Nähe (mit mir besonders). Gleichzeitig wurde es offensichtlich, dass sie rapide abnahm. Ihr Freund, den sie schon seit einem Jahr hatte (ihr erster) verließ sie. Sie bekam immer mehr Probleme im Studium, bis wir endlich den Mut fanden, ihr zu sagen, dass sie wohl ein Problem hätte. Nach langem hin und her (und vielen Gesprächen und Pep talks mit mir) entschied sie sich für einen Klinikaufenthalt. Ich habe das ganze schon einmal sehr eng mit einer guten Freundin durchgemacht und für sie war die Klinik die Rettung; meine Freundin aber konnte sich der Therapie nicht öffnen. Sie war/ist der festen Ansicht, eine andere Therapie zu brauchen als andere Essgestörte, weil ihre Selbstkasteiung nicht aus dem Wunsch nach Schlankheit, sondern nach Kontrolle herrührte. Sie verließ die Klinik frühzeitig. Ich hatte sehr viel Zeit, Mühe und Tränen in ihre Gesundung gesteckt, und jetzt ist sie schon seit einem dreiviertel Jahr wieder draußen und es hat sich nichts geändert. Ich weiß nicht, was ich noch tun soll; da sie kaum Freunde hat und ich irgendwie ihre engste bin, tue ich mich schwer damit, ihr zu sagen, dass ich eigentlich mehr Abstand brauche. Sie glaubt, schon selbst wieder auf die Beine zu kommen. Mich belastet das alles sehr, und ich fühle mich sehr hilflos und teilweise wie ein Unmensch, weil ich mir ihre traurigen Geschichten und ihr leid einfach nicht jede Woche dreimal antun kann und Ausflüchte suche; dabei bräuchte sie eine Stütze. Meine Einstellung zur Klinik kennt sie.
Danke für eure Ideen,
Paulina

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  • von erdbeereandrea am 25.02.2016 um 20:24 Uhr

    Paulina man muss sich für überforderung nicht entschuldigen wenn du es nicht ertragen kannst dann bleib weg, denn es bringt dir gar nichts wenn du da mit runtergezogen wirst. Man kann doch nicht davon ausgehen, alle schwierigen sozialkonflikte immer lösen zu können/müssen und man muss auch nicht ständig verantwortung über andere menschen auf sich nehmen. Das klingt alles sehr hart ich weiß, ich bin selbst jemand der viel hilft aber irgendwann lernt man (der eine früher der andere später, oder gar nicht) dass man trotzdem ein guter mensch ist auch wenn man jemand anderen nicht hilft!

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  • von elli am 22.02.2016 um 10:59 Uhr

    Hallo Paulina,
    das ist wirklich eine schwierige Lage in der du dich gerade befindest. Während meines Studiums habe ich auch mal eine ähnliche Situation durchgemacht und kann den Zwiespalt, in dem du dich gerade befindest, gut verstehen. Auf der einen Seite möchte man seine Freundin so gut es geht unterstützen und ihr helfen, mit ihrer Krankheit klarzukommen beziehungsweise sie zu besiegen. Auf der anderen Seite zieht einen die Situation aber selbst runter und macht einen letztlich sogar krank. Ich denke für dich ist es wichtig, dir immer wieder klar zumachen, dass du ihr nicht dauerhaft helfen kannst, sondern sie sich wieder in die Hände eines erfahrenen Psychologen/einer Klinik begeben muss. Du bist schließlich kein Profi und musst auch an deine eigenen Gesundheit denken.

    Anstelle Ausflüchte zu suchen, warum du keine Zeit hast, dir ihre Geschichten anzuhören, könntest du ihr auch einfach deine aktuelle Lage schildern und ihr sagen, dass du ihr gerne helfen/sie unterstützen möchtest, aber dich die Lage gerade etwas überfordert, weil du eben kein professioneller Psychologe etc. bist. Vielleicht kannst du ihr auch noch mal ein paar Beratungsadressen oder Ärzte raussuchen, an die sie sich wenden kann, um zu zeigen, dass dir ihr Wohlergehen wichtig ist. Wenn sie auch nach deinem dringenden Rat einen Arzt aufzusuchen immer noch nicht bereit ist, deinen Ratschlag anzunehmen, solltest du dich wirklich von ihr distanzieren. Vielleicht ist dies auch ein Anreiz für sie, sich endlich Hilfe zu suchen!

    Ich wünsche Dir viel Kraft

    Antwort
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