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raupe

am 24.05.2016 um 05:22 Uhr

Nicht immer aufgeben / An Träumen festhalten

Hallo zusammen

Ich bin 46, seit langem geschieden – gottseidank – habe 2 erwachsene Kinder und drei Enkelkinder und bin voll berufstätig.

Seit ich denken kann, bin ich immer wieder einsam. Es gab zwischendurch glückliche Monate/Jahre, natürlich. Durch meine furchtbare Ehe habe ich mich praktisch vollkommen aus dem Gesellschaftsleben zurück gezogen. Das heisst, dass ich fast ausschliesslich im Betrieb zwischenmenschliche Kontakte habe.
Ich bin ein Mensch, der sehr schnell Kontakt zu Menschen findet und dem die Leute schnell vertrauen. Wenn sie dann aber an mir kleben, ziehe ich mich zurück… Meine besten Freunde leben über 4’000 km von mir entfernt. Wenn ich in einer Beziehung bin, beachte ich fast nur noch diese Person (mein Ex-Mann hatte mir jeden Umgang mit Personen ausserhalb der Familie verboten – das sitzt irgendwie noch in mir). Wenn sich mein Partner länger nicht meldet, habe ich fast einen Zusammenbruch und suche bei mir nach Fehlern, die es unmöglich machen, mich zu lieben.

In den letzten Monaten ist mir wieder sehr bewusst geworden, dass ich mich hier nicht wohl fühle. Ich bin hier geboren worden und fühle mich als Fremde. Entweder bin ich im falschen Land oder auf dem falschen Planeten.

Ich wollte schon als junges Mädchen von hier verschwinden. Dann lernte ich meinen Ex-Mann kennen, die Kinder kamen, die Scheidung, der tägliche Kampf um das finanzielle Überleben ohne Sozialhilfe. Ich habe mich in Arbeit gestürzt, was tatsächlich ein bisschen abgelenkt hat. Aber ich habe keinerlei Lebensfreude. Ich kann mir nicht länger vorlügen, dass das Leben ja so schön ist, denn es gibt tatsächlich keinen Grund dafür. Als ich das jemandem sagte, war die Antwort: “Freust du dich denn nicht über dein neues Auto?” (ich habe einen 12-jährigen Gebrauchtwagen gekauft…) Nein. Es ist nur Material…

Nun, ich habe beschlossen, meinen Kindheitstraum zu verwirklichen und lerne deshalb seit 1,5 Jahren die Sprache. Die Hürden, in diesem Land leben und arbeiten zu dürfen, scheinen massiv gross. Ich bin im Prinzip der Meinung, dass man alles schaffen kann. Es ist nur so, dass ich häufig nicht an mich glaube. Ich habe grosse Angst, dass ich den Traum wieder begrabe, wie so viele vor ihm. Wenn nur das Geringste ist, denke ich: “Ich habe es gewusst, ich werde niemals glücklich sein. Ich bin nichts wert. Wie kann ich nur so dreist sein und glauben, in diesem Leben irgendetwas Gutes verdient zu haben?”

Auf der Arbeit wissen vier Personen, dass ich das Land verlassen will. Mit einem rede ich praktisch gar nicht mehr, weil ich gemerkt habe, dass er die Firma hintergeht. Eine denkt, ich bin bescheuert und zwei unterstützen mich. Meine Tochter findet es gut, wenn ich meinen Traum verwirkliche. Es ist also nicht so, dass alle dagegen reden (deshalb sage ich es auch nicht allen).

Wenn ich morgens aufwache, denke ich, ich schaffe es nicht. Damit meine ich das komplette Leben, nicht nur den Traum. Ich muss mich zu guten Gedanken zwingen.
Wie fast jeder (…) hatte ich keine gute Kindheit. Ich weiss also, woher mein Minus-Selbstvertrauen etc. kommen. Ich weiss auch, dass ich sehr stark bin. Ich hätte mehrmals gute Gründe gehabt, von einem Hochhaus zu springen, aber Selbstmord ist gar nicht nach meinem Geschmack.

Was ich brauche ist die Motivation, endlich einmal einen Traum zu verwirklichen und dran zu bleiben, auch wenn es noch Jahre dauern sollte, bis alles geordnet ist. Und wie komme ich jetzt zu dieser Motivation und dem festen Glauben daran, dass auch ich glücklich sein darf?

Entschuldigt die lange Rede. Es musste irgendwo raus. Ich kann mit meiner Tochter darüber reden, aber ich möchte sie nicht mit ihrer wehleidigen Mutter belasten. Deshalb schreibe ich hier. Vielleicht hat jemand Tipps, wie man seine Träume beschützt und verwirklicht, anstatt immer aufzugeben.

Und vielleicht muss auch jemand einfach gerade jammern, dann nur zu :-)

raupe

Antworten

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  • von HoneyAerowen am 25.05.2016 um 08:01 Uhr

    Also ich finde, es kann durchaus sehr befreiend sein woanders neu zu beginnen und damit der Anfang leichter wird sich bereits die Sprache etc. anzueignen. Du setzt dich ja damit schon auseinander. Ich wünsche dir, dass alles so klappt und du den Rest hinter dir lassen kannst.

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  • von mupfin am 24.05.2016 um 11:01 Uhr

    Leider beschreibst du dass alles nur sehr oberflächlich. Wenn ich dich richtig verstanden habe, planst du das Land zu verlassen und zu deinen besten Freunden (4000 km weg) zu ziehen?
    Ich finde es bewundernswert, dass du dieses Vorhaben gut planst und vorbereitest. Ich fand Goodbye Deutschland immer ein tolles Konzept als Fernsehshow, die meisten Teilnehmer aber so absolut beschränkt, da sie teilweise kein Wort der Sprache ihres neuen Heimatlandes sprechen konnten. Daher ausdrücklich meine Anerkennung an dich – du setzt dich mit Sprache, mit den anderen Hürden auseinander. Klasse.
    Wenn es wirklich dein sehnlichster Traum ist, brauchst du dann wirklich noch zusätzliche Motivation? Du weißt doch am besten, worauf du dich freust und wofür du das machst.
    Und rede ruhig mit deiner Tochter. Ich bin eine Tochter, und alles was ich möchte, ist dass meine Mutter ihr Glück findet. Und wenn sie mir von ihren Plänen erzählt, dann finde ich es schön, dass sie Pläne hat und an ihren Plänen arbeitet.
    Als letztes: Wenn du tatsächlich mal vorhast, aufzugeben, lies dir vorher noch mal deinen Beitrag hier durch. Das sollte doch Motivation genug sein =)

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