Nahtoderfahrungen

Auf der Grenze

Nahtoderfahrungen

am 18.11.2014 um 17:40 Uhr

Nahtoderfahrungen sind faszinierend: Menschen, die von solchen Erlebnissen berichten, scheinen gewissermaßen einen Blick auf die „andere Seite“, also ins Jenseits, geworfen zu haben. Doch besuchen die Betroffenen wirklich das Reich der Toten oder handelt es sich bei Nahtoderfahrungen um etwas anderes?

Die Grenze zwischen Leben und Tod kann ein schmaler Grat sein – über den manche Menschen auch durchaus schon wieder zurückgegangen sind! Wer etwa nach einem Herzstillstand wiederbelebt wird, aus dem Koma erwacht oder sich durch akute Lebensgefahr mit dem eigenen Sterben konfrontiert sieht, springt dem Tod sozusagen von der Schippe. Nicht wenige Menschen, denen das gelungen (oder eher passiert) ist, berichten von Nahtoderfahrungen. Konnten sie dabei einen Blick ins Jenseits werfen? Und wie sehen Nahtoderfahrungen eigentlich aus?

Was sind Nahtoderfahrungen?

Nahtoderfahrungen machen Menschen in unterschiedlichen Situationen, denen gemeinsam ist, dass sie das Leben des Betroffenen unmittelbar gefährden. Dennoch unterscheidet man drei Typen von Nahtoderfahrungen: Die eigentlichen Nahtoderfahrungen, Totenbettvisionen und Fear-Death-Experiences.

Nahtoderfahrungen: Was bedeuten sie?

Nahtoderfahrungen: Müssen wir alle durch den Tunnel?

Nahtoderfahrungen, Totenbettvisionen und Fear-Death-Experiences

Nahtoderfahrungen sind Erfahrungen, die auftreten, wenn der Körper sich in einem unmittelbar lebensbedrohlichen Zustand befindet oder sogar bereits klinisch tot ist, etwa bei einem Herzstillstand. Betroffene wirken während Nahtoderfahrungen meist, als hätten sie das Bewusstsein verloren, kehren dann aber wieder ins Leben zurück. Anders verhält es sich mit Nahtoderfahrungen, nach denen der Betroffene nicht zurückkehrt: Diese Erfahrungen nennt man Totenbettvisionen. Sie treten auf, kurz bevor der Sterbende (endgültig) das Bewusstsein verliert. Eine dritte Spielart von Nahtoderfahrungen sind die so genannten „Fear-Death-Experiences“, die Menschen in Situationen unmittelbarere Lebensgefahr und Todesangst erleben. Im Gegensatz zu den ersten beiden Formen der Nahtoderfahrungen, bei denen kein unmittelbarer, biologischer Auslöser nachweisbar ist, sind Fear-Death-Experiences eindeutig Reaktionen auf die extreme Situation, in der sich die Person befindet. In der Folge erhöht sich die Reaktionsgeschwindigkeit auf das mögliche Maximum, der Körper befindet sich in der größtmöglichen Alarmbereitschaft. Menschen, die diese Art von Nahtoderfahrungen machen, berichten später häufig, ihr Leben sei in Bildern an ihnen vorbeigezogen.

Was weiß man über Nahtoderfahrungen?

Empfindungen, die immer wieder im Zusammenhang mit Nahtoderfahrungen erwähnt werden, sind tiefe Gefühle von Frieden, Glück und Liebe. Auch bestimmte Erlebnismuster scheinen sich zu wiederholen, etwa der berühmte Blick in den Tunnel, das Verlassen des eigenen Körpers, Begegnungen mit bereits Verstorbenen oder übernatürlichen Wesen und auch das Vorbeiziehen des eigenen Lebens. Vereinzelt gibt es auch Berichte von negativen Nahtoderfahrungen, in der großen Mehrzahl handelt es sich aber um positive, für die Betroffenen sehr besondere Erlebnisse. Tatsächlich unterscheiden sich die individuellen Nahtoderfahrungen aber sehr stark voneinander. Auch wenn Nahtoderfahrungen in der Neuropsychologie, Psychologie und Psychiatrie intensiv untersucht werden, gibt es keine Beweise, dass die so gemachten Erfahrungen irgendeiner objektiven Realität zuzurechnen sind. Besonders schwierig ist das deshalb zu sagen, weil Nahtoderfahrungen eine große Nähe zu anderen Phänomenen wie Träumen, Halluzinationen, Illusionen oder Wahnvorstellungen aufweisen.

Nahtoderfahrungen sind sehr verschieden

Abgesehen davon, dass es die drei oben genannten verschiedene Typen von Nahtoderfahrungen gibt, unterscheiden sich die individuellen Nahtoderfahrungen im Einzelnen sehr voneinander: Die Betroffenen erleben ihr Intermezzo im Jenseits auf ganz persönliche Art und Weise. Dennoch gibt es einige Elemente, die sich bei sehr vielen Nahtoderfahrungen wiederholen. Ein wichtiges Detail ist beispielsweise das Erkennen des eigenen Todes. Auch das bereits erwähnte Element eines langen Tunnels wird oft überliefert, ebenso ist häufig von einem gleißend hellen Licht die Rede oder von sphärischen, wunderschönen Klängen, die sich von allen irdischen Geräuschen unterscheiden. Ein Rückblick auf das eigene Leben spielt bei vielen Nahtoderfahrungen eine Rolle, manche Menschen berichten auch von geliebten verstorbenen Menschen oder übernatürlichen Gestalten, die kommen, um sie abzuholen. Lebende Menschen spielen bei Nahtoderfahrungen hingegen nur dahingehend eine Rolle, dass sie versuchen, den Sterbenden ins Diesseits zurückzureißen. Fast einhellig berichten außerdem sehr viele Betroffene, dass sie an eine Art Grenze gestoßen sind, etwa eine Mauer, deren Überschreitung eindeutig den endgültigen Tod bedeutet. Die allermeisten erleben bei einer Nahtoderfahrung tiefe Glücksgefühle. Auch das Gefühl der Rückkehr ist den Überlebenden aus einer solchen Erfahrung bekannt.

Dass es Nahtoderfahrungen gibt ist unbestritten – und übrigens gibt es eine ganze Menge Menschen, die schon eine gemacht haben! Ob es sich dabei aber tatsächlich um einen Besuch im Jenseits handelt oder das Gehirn den Betroffenen im Angesicht des Todes einfach einen Streich spielt, das weiß bislang niemand.

Bildquelle: © _ba_ / iStock / Thinkstock


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