Diskriminierung

Frau entschädigt, weil Kollege mehr verdient

Katharina Lübkeam 04.07.2016 um 17:36 Uhr

Wir Frauen haben’s nicht leicht: Wir verdienen bis zu 23 Prozent weniger als die Männer und sollen auch noch selbst daran Schuld sein beziehungsweise es gar nicht anders wollen. Na klar, wir meinen schließlich ja, wenn wir nein sagen… Jetzt aber bekommen wir Unterstützung vom Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz. Die Richter haben einer Frau, die wegen ihres Geschlechts weniger verdient hatte als ihre männlichen Kollegen, eine saftige Entschädigung zugesprochen und damit anderen Frauen womöglich einen neuen Weg aus der Gender-Pay-Gap gebahnt.

Laut des Urteils hat eine Angestellte, die jahrelang wegen ihres Geschlechts für dieselbe Arbeit einen geringeren Stundenlohn als ihre männlichen Kollegen erhalten hatte und vorsätzlich benachteiligt wurde, Anspruch auf Ausgleich und Entschädigung.

Young woman in uniform repairing something with screwdriver

Entschädigung für Diskriminierung: Werden Frauen schlechter bezahlt als Männer, haben sie Anspruch auf Entschädigung

Niedrigerer Stundenlohn für die Frauen der Fabrik

In dem entsprechenden Fall ging es um eine 56-jährige Mitarbeiterin in der Produktion einer Schuhfabrik. Bei einer Betriebsversammlung hatte sie heraus gefunden, dass die angestellten Frauen in ihrer Firma für die gleiche Arbeit weniger Geld bekamen: So war einerseits ihr Stundenlohn niedriger und andererseits auch die Anwesenheitsprämie, das Weihnachts- und das Urlaubsgeld, das sich alles durch den niedrigeren Stundenlohn berechnete.

Zwischen 2009 und 2012 häufte sich so eine Differenz von insgesamt 11.016,30 Euro brutto an. Die Angestellte war mit einer solchen Diskriminierung nicht einverstanden und verlangte von der Firma, die Differenz erstattet zu bekommen, plus eine Entschädigung.

Diskriminierung stets offen kommuniziert

Woman in an interview

Die Lohndiskrepanz wurde offen kommuniziert.

Ihr Arbeitgeber sah die Sache erwartungsgemäß anders und berief sich darauf, dass es betriebsintern stets offen kommuniziert worden sei, dass weibliche Arbeiterinnen weniger Geld erhielten. Das sei immerhin nicht ganz so schlimm wie eine heimliche Diskriminierung. Ja dann… Die Betroffene erstattete Anzeige, der Fall ging vor Gericht.

Dieses gab der Angestellten in erster und zweiter Instanz Recht und sprach ihr eine Entschädigung für die Diskriminierung zu: „Die geschlechtsbezogene Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen beim Entgelt war eklatant rechtswidrig“, so die Richter. Art, Schwere und Dauer der Benachteiligung seien ausreichend für einen “fühlbaren Entschädigungsbetrag”, denn es handle sich um eine unmittelbare Benachteiligung. Außerdem gingen die Richter von einem vorsätzlichen und nicht nur lediglich fahrlässigen Verhalten der Firma bei der Benachteiligung der beschäftigten Frauen aus.

6.000 Euro Entschädigung für Diskriminierung

Der Klägerin wurde eine Entschädigung in Höhe auf 6.000 Euro zugesprochen. Laut Richter liegt es auf der Hand, dass der einzige Grund für den Verdienstunterschied das Geschlecht war: „Dabei handelt es sich um eine offensichtliche Diskriminierung der angestellten Frauen“. Auch die angeblich offene Kommunikation bezüglich des unterschiedlichen Lohnes entlastet den Arbeitgeber dem Gericht zufolge nicht. Der Betrieb musste der Angestellten den Differenzbetrag erstatten.

Von dem Urteil mag sich die eine oder andere betroffene Frau bestärkt fühlen. Betroffen sind vermutlich zahlreiche Frauen. Derzeit weiß man in der Regel nicht, was die Kollegen verdienen. Ein Gesetzesvorschlag für mehr Lohngerechtigkeit von Familienministerin Manuela Schwesig will das ändern. Laut diesem sollen Beschäftigte Auskunft über das Gehalt ihrer Kollegen bekommen. Eine solche Transparenz könnte das tatsächliche Ausmaß, in dem jede einzelne Frau betroffen ist, schlagartig zu Tage fördern.

Bildquelle: iStock/shironosov, iStock/XiXinXing

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