Au-Pair

Nach der Schule für ein Jahr ins Ausland gehen, um fremde Länder zu entdecken – davon träumen viele junge Menschen. Allerdings sind Reisen um die Welt häufig nicht gerade günstig. Ein Auslandsaufenthalt als Au-Pair bietet daher eine attraktive Alternative für Dich, wenn Du ein neues Land kennenlernen, Deine Sprachkenntnisse erweitern und zudem mit Kindern arbeiten möchtest. Doch was ist eigentlich ein Au-Pair und wie findest Du die passende Stelle für Dich?

Hast Du auch schon häufiger den eigenartigen Begriff Au-Pair gehört und Dich gefragt, was sich eigentlich genau dahinter verbirgt? Ganz einfach: Das Wort stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „auf Gegenseitigkeit“. Damit ist der Zweck dieses Konzepts bereits sehr treffend umschrieben: Im Rahmen eines Au-Pairs reist Du in ein meist fremdsprachiges Land, um dort wie ein Familienmitglied in einer Gastfamilie zu leben. Im Gegenzug unterstützt Du die Familie bei der Kinderbetreuung sowie bei leichten Hausarbeiten. Gleichzeitig erhältst Du durch den Familienanschluss die Möglichkeit, mit der Kultur des Gastgeberlandes in Kontakt zu kommen und zugleich Deine Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern.

Au-Pair mit ihren Schützlingen

Ein Auslandsaufenthalt als Au-Pair kann unvergesslich werden

Erste Vorläufer dieser Arbeitsform existierten bereits im 18. Jahrhundert in der Schweiz: Damals war es in vielen Familien üblich, die fast erwachsenen Töchter ins Ausland oder in die anderssprachigen Teile des Landes zu schicken, um in Gastfamilien wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Im Laufe der Zeit hat sich das Au-Pair für viele junge Menschen zu einer wichtigen Möglichkeit entwickelt, ihren persönlichen Horizont aus eigenem Antrieb zu erweitern.

Wann kommt eine Au-Pair-Stelle für Dich infrage?

Da es keine länderübergreifenden Bestimmungen dazu gibt, wie ein Au-Pair-Verhältnis genau auszusehen hat, unterscheiden sich die Regeln in den einzelnen Ländern teilweise sehr stark voneinander. Auch das Alter, in dem man überhaupt als Au-Pair arbeiten darf, variiert zum Teil sehr stark. Daher solltest Du Dich zunächst für ein Land entscheiden, in dem Du tätig sein möchtest, und Dich anschließend mit den Details beschäftigen. Du kannst allerdings folgende Faustregel im Hinterkopf behalten: Als Au-Pair solltest Du etwa zwischen 18 und 30 Jahre alt sein. Viele Menschen entschließen sich dazu, direkt nach dem Schulabschluss ins Ausland aufzubrechen, doch das ist dank dieser großen Altersspanne kein Muss. Darüber hinaus sehen die Vorschriften in manchen Ländern auch noch vor, dass ein Au-Pair ledig und selbst kinderlos sein muss.

Welche Aufgaben hat ein Au-Pair?

Die wichtigste Grundregel für ein Au-Pair lautet: Diese Arbeitsverhältnisse sind immer zeitlich begrenzt. Einen dauerhaften Aufenthalt im Land Deiner Wahl solltest Du Dir unter diesem Konzept also nicht vorstellen. Vielmehr entscheiden sich die meisten Interessenten dazu, ein halbes oder ein ganzes Jahr in der Gastfamilie zu verbringen. Bei diesen handelt es sich immer um eine Familie oder ein alleinerziehendes Elternteil mit mindestens einem minderjährigen Kind. Die Betreuung des Nachwuchses ist daher auch die Hauptaufgabe eines Au-Pairs. Von der Begleitung auf dem Schulweg über die Hilfe bei der Körperpflege und die Vorbereitung des Essens bis hin zum täglichen Spielen können sämtliche Betreuungsaufgaben auf Dich zukommen. Eine pädagogische Ausbildung brauchst Du für diese Arbeit selbstverständlich nicht – diese wird von den Gasteltern auch gar nicht verlangt. Stattdessen solltest Du Deine Stellung als Au-Pair eher mit der einer großen Schwester vergleichen, die sich um ihre jüngeren Geschwister kümmert. Darüber hinaus kann es auch vorkommen, dass Deine Gasteltern von Dir explizit verlangen, dass Du mit den Kindern Deutsch sprichst, um deren Sprachkenntnisse zu verbessern. Gerade Familien mit einem deutschsprachigen Elternteil, die ihre Sprösslinge zweisprachig erziehen wollen, setzen daher besonders gerne auf ein Au-Pair aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Neben der Betreuung der Kinder kann Dich die Gastfamilie zudem noch für leichte Hausarbeiten einspannen. Beispielhafte Aufgaben hierfür wären das Decken des Tisches oder das Ein- und Ausräumen der Spülmaschine. Allerdings soll ein Au-Pair keine Haushalts- oder Putzhilfe sein, weshalb die Hausarbeit nicht mehr als 50 Prozent der gesamten Arbeitszeit in Anspruch nehmen sollte.

Was muss die Gastfamilie dem Au-Pair bieten?

Da ein Au-Pair buchstäblich „auf Gegenseitigkeit“ beruht, hat auch die Gastfamilie bestimmte Pflichten Dir gegenüber. Dies betrifft insbesondere die finanzielle Gegenleistung für Deine erbrachte Arbeit. Ein Grundsatz des Konzepts besteht daher darin, dass Dir Deine Gasteltern sowohl die Verpflegung als auch eine Unterkunft unter ihrem Dach kostenlos zur Verfügung stellen. Schließlich erhältst Du nur durch den ständigen Kontakt zu Deiner Gastfamilie den ungetrübten Einblick in die Kultur Deines Gastgeberlandes. Du hast zudem ein Anrecht auf ein abschließbares Zimmer, damit Du auch mal eine Rückzugsmöglichkeit hast. Zusätzlich zu Unterkunft und Verpflegung ist die Gastfamilie dazu verpflichtet, Dir ein kleines Taschengeld für Deine Freizeitaktivitäten zur Verfügung zu stellen. Ein in Deutschland beschäftigtes Au-Pair erhält derzeit beispielsweise ein Taschengeld von mindestens 260 Euro im Monat. Diese Summe kann sich allerdings von Land zu Land unterscheiden. Darüber hinaus bist Du als Au-Pair nicht dazu verpflichtet, an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr für die Familie da zu sein. Stattdessen solltest Du grundsätzlich nie mehr als 6 Stunden täglich oder 30 Stunden wöchentlich arbeiten. Zudem stehen Dir in vielen Ländern mindestens ein freier Tag und vier freie Abende pro Woche zu, die Du ganz nach Deinem Geschmack gestalten kannst. Auch ein Urlaub, um zum Beispiel mal für eine kurze Zeit in die Heimat zurückzukehren, ist in den meisten Ländern vorgesehen. In der Regel sind die Gasteltern zusätzlich dazu verpflichtet, Dir die Teilnahme an einem Sprachkurs zu ermöglichen, wenn Du dies möchtest. Die Kosten für diesen Sprachkurs musst Du als Au-Pair normalerweise aber selbst übernehmen.

Ein Leben als Au-Pair bietet viele Vorteile

Gerade der intensive Bezug zur Gastfamilie ist der große Vorteil dieser Form des Auslandsaufenthalts. Schließlich wird Dir durch die Familienanbindung ein ungefilterter Blick auf die Kultur Deines Gastgeberlandes ermöglicht, den Dir andere Konzepte wie „Work & Travel“ kaum bieten können. Ganz abgesehen davon entwickeln sich zwischen den Jugendlichen und den Gastfamilien häufig Freundschaften fürs Leben, die man hinterher nicht mehr missen möchte. Zugleich hat ein Au-Pair aber auch ganz praktische Vorteile: So musst Du Dich im Vorfeld Deines Auslandsaufenthalts nicht um die Wohnungssuche kümmern. Mit ein wenig Glück hast Du über Deinen Au-Pair-Aufenthalt sogar die Möglichkeit, für mehrere Monate in einer Weltmetropole wie New York, London oder Paris zu leben, ohne dafür auch nur einen Cent Miete bezahlen zu müssen. Ein Au-Pair ist daher gerade für junge Menschen, die noch über keine großen Ersparnisse verfügen, eine hervorragende Möglichkeit, mit geringem Geldaufwand die Welt zu entdecken. Zugleich solltest Du Dir vor Deiner Reise ins Ungewisse jedoch eines klarmachen: Da Du für einen gewissen Zeitraum selbstständig für die Kinder der Familie zuständig bist, übernimmst Du als Au-Pair eine große Verantwortung, für die Du Dich auch vor Deinen Gasteltern rechtfertigen musst. Hinterfrage Dich daher vor Deiner Entscheidung ehrlich, ob Du einerseits bereit dazu bist, diese Verantwortung zu übernehmen, und andererseits so kinderlieb bist, dass es Dir nichts ausmacht, für mehrere Monate die Sorgen und Nöte der Kleinen ernst zu nehmen und zu teilen.

Wo findet man eine Stelle als Au-Pair?

Du hast beide Fragen mit einem klaren „Ja“ beantwortet? Hervorragend! Dann bist Du definitiv für eine Stelle als Au-Pair geeignet. Doch wo findet man nun ein solches Angebot? Leider gibt es in Deutschland keine zentrale Stelle, an die Du Dich bei Interesse wenden kannst. Stattdessen tummeln sich zurzeit allein in Deutschland etwa 500 Agenturen im Markt, die zum überwiegenden Teil ausländische Au-Pairs an deutsche Gastfamilien, teilweise aber auch deutsche Au-Pairs ins Ausland vermitteln. Auch viele kirchliche Verbände bieten eine solche Vermittlung an. Teilweise sind einzelne Organisationen auch auf ein bestimmtes Gastland spezialisiert. Informiere Dich daher am besten erst nach Deiner Entscheidung für ein Land genauer über die einzelnen Agenturen – beispielsweise über die im Internet zu findenden Erfahrungsberichte anderer Au-Pairs. Viele Organisationen bieten auch Infotreffen in ganz Deutschland an, auf denen Du Dir ein eigenes Bild machen kannst. Hast Du Dich für eine Agentur entschieden und Dich bei dieser beworben, wird diese Dich erst einmal genauer kennenlernen wollen, um auch für ihre Gastfamilien den passenden Kandidaten zu finden. Ein persönliches Gespräch oder ein Persönlichkeitstest sind daher keine Seltenheit. Anschließend versucht die Agentur, eine passende Gastfamilie für Dich zu finden. Auch diese werden von der Agentur im Vorfeld sorgfältig ausgesucht, sodass Du nach Deiner Ankunft keine böse Überraschung erlebst. Sobald die perfekte Gastfamilie für Dich gefunden ist, wird meist noch ein Telefonat vereinbart, sodass Du Deine Familie schon vorab kennenlernen und mit ihnen über Deine Erfahrungen und Erwartungen sprechen kannst. Wenn beide Seiten nach diesem Gespräch voneinander überzeugt sind, steht Deinem Au-Pair nichts mehr im Wege.

Ein Au-Pair ist eine hervorragende Möglichkeit, die Welt zu entdecken, unvergessliche Erfahrungen zu sammeln und Freundschaften fürs Leben zu knüpfen. Lass Dir diese Chance also nicht entgehen und erweitere Deinen Horizont!

Bildquelle: © iStock / Antonio_Diaz


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Was denkst du?

  • DragMeDown am 11.11.2015 um 12:04 Uhr

    Ich selbst war Au Pair in Irland mit ca 50 stunden die Woche und hauptsächlich Hausarbeiten. Man sollte realistisch sein, dass die Familien eigentlich jemand Billigen zum Putzen und Babysitten suchen 😉

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  • sylvie am 09.08.2015 um 11:28 Uhr

    Was fehlt hier, damit es ein guter Beitrag gewesen wäre? Die negativen Aspekte!!! In vielen Ländern (zum Beispiel GB/USA) ist es bei vielen Familien so, dass sie immer au Pairs haben, weil sie kostengünstige Mädchen für alles sind und sich eher selten beschweren. Ich war selber in London au pair und habe zeitweise bis zu 60 Stunden in der Woche gearbeietet, und meine Organisation hat das nicht gekümmert, obwohl man sie teuer bezahlt.

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