Welche Möglichkeiten es gibt

Bewerben mit Behinderung?

Frage: Hallo, ich bin behindert und sitze im Rolli. Meine Frage ist, wie mache ich einem Arbeitgeber klar, dass man durch die ganze Antragsstellung nicht sofort anfangen kann und wo bewirbt man sich mit Behinderung am besten? Ich bin gelernte Kauffrau für Bürokommunikation.

Antwort: Hallo,

jedes Unternehmen, das über mehr als 20 Mitarbeiter verfügt, ist gesetzlich zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen verpflichtet. Alternativ kann das Unternehmen jedoch auch eine Ausgleichszahlung leisten. Manche Firmen leisten lieber die Zahlung, als sich mit den vermeintlichen Problemen (geänderter Kündigungsschutz, möglicherweise mehr Fehltage), die mit der Beschäftigung eines behinderten Mitarbeiters auftauchen könnten, auseinanderzusetzen. Andere wiederum, vor allem große und mittelständische Firmen, fördern behinderte Mitarbeiter sogar.

Wie welche Firma im Einzelnen auf eine Bewerbung reagiert, lässt sich im Vorfeld eigentlich kaum herausfinden. Gerade im öffentlichen Dienst aber werden Menschen mit Behinderungen gefördert – eine Bewerbung ist hier auf jeden Fall sinnvoll. Erfüllst Du die fachlichen Qualifikationen, ist man im öffentlichen Dienst sogar dazu verpflichtet, Dich zum Vorstellungsgespräch einzuladen. Eine Garantie, dass Du dann auch tatsächlich eingestellt wirst, ist das allerdings nicht.

In der freien Wirtschaft ist es leider so, dass die offene Darlegung der Behinderung oftmals die Chancen auf Einstellung schmälern kann. Gesetzlich verpflichtet, Dein Handicap im Bewerbungsschreiben zu erwähnen, bist Du übrigens nicht. In Deinem Falle würde ich vermutlich trotzdem im Vorfeld bei den Unternehmen, die Du Dir herausgesucht hast, anrufen. An sich ist für eine Anstellung zwar ausschließlich Deine berufliche Qualifikation ausschlaggebend, aber gerade bei kleineren Firmen mag für Dich als Rollstuhlfahrer die räumliche Situation im Unternehmen nicht optimal sein (fehlende Rampen/Aufzüge etc.). Wenn Du dich also nach den räumlichen Gegebenheiten erkundigst, kannst Du vielleicht auch schon einmal vorsichtig antasten, wie die Firma zur Einstellung körperlich behinderten Menschen steht.

Hast Du es dann bis ins Vorstellungsgespräch geschafft, sollten zuallererst Deine fachlichen Kompetenzen im Vordergrund stehen. Grundsätzlich bist Du hier erst einmal ein Bewerber wie alle anderen auch. Im Verlauf des Gesprächs hast Du dann die Möglichkeit, Verzögerungen durch Anträge oder andere Dinge anzusprechen. Wenn Du das machst, solltest Du Dir aber auch immer überlegen, wie Du diese „Nachteile“ für den Arbeitgeber ausgleichen kannst oder Vorteile erwähnen (zum Beispiel, dass er eventuell Fördergelder in Anspruch nehmen kann). Die Behinderung sollte übrigens nie ganz am Anfang oder am Ende angesprochen werden, am besten in den Gesprächsverlauf mit einflechten.

Als ersten Ansprechpartner würde ich Dir also den öffentlichen Dienst empfehlen. Neben allgemeinen Jobbörsen wie www.monster.de oder Jobscout24 gibt es übrigens auch Jobbörsen für Menschen mit Behinderung. Auch die Arbeitsagentur ist hier ein hilfreicher Ansprechpartner.

Kommentar (1)

  • DasFuenkchen am 21.12.2009 um 12:52 Uhr

    eine freundin von mir ist zeit ihres lebens ROllifahrerin und sie arbeitet im Vollzug