Kurzarbeit - Fluch oder Segen?

weniger arbeiten

Kurzarbeit – Fluch oder Segen?

am 02.03.2009 um 10:41 Uhr

Kurzarbeit Frau lehnt sich gelangweilt bei der Arbeit auf ihren Laptop

Fehlende Auftäge zwingen Firmen zu
Kurzarbeit

Die Wirtschaftskrise greift um sich. Vor allem Automobilzulieferer haben auch Anfang 2009 kaum Aufträge – mit einem Minus von 22 Prozent Umsatz in der Automobilindustrie ist die Nachfrage einfach zu gering. Doch auch anderen Firmen geht es schlecht. Als Folge beantragen viele Unternehmen die Kurzarbeit. Aber was ist das eigentlich und welche Ansprüche hat man als Arbeitnehmer?

Kurzarbeit – was ist das?

Kurzarbeit bedeutet, dass vorübergehend in einigen oder allen Abteilungen einer Firma weniger, in manchen Fällen auch gar nicht gearbeitet wird. Wenn es in einem Unternehmen zu erheblichen Auftragsausfällen kommt, kann es die Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Voraussetzung ist dann allerdings, dass ein Ende der schlechten Auftragslage abzusehen und der Arbeitsausfall unvermeidbar ist. Auch der Betriebsrat muss der Kurzarbeit zustimmen.

Wenn weniger gearbeitet wird, gibt es natürlich auch weniger Gehalt. Die Differenz wird jedoch teilweise durch Zahlungen der Arbeitsagentur ausgeglichen: das so genannte Kurzarbeitergeld. Das sind allerdings nur 67 Prozent der Nettogehaltsdifferenz – man verdient also in jedem Fall weniger, als in einer normalen Arbeitssituation. Man sollte aber nicht vergessen, dass die Kurzarbeit auch einen wichtigen positiven Faktor mit sich bringt: es müssen keine qualifizierten Arbeitskräfte entlassen werden. Die Arbeitnehmer bekommen zwar zeitweise weniger Geld, behalten aber zumindest ihre Arbeitsstelle.

Welche Ansprüche hat man während der Kurzarbeit?

Das Kurzarbeitergeld wird von der Arbeitsagentur nur gewährt, wenn über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen für mindestens ein Drittel der Belegschaft mehr als 10 Prozent der Arbeitszeit ausfallen. Wenn das nicht der Fall ist und das Unternehmen trotzdem in Kurzarbeit geht, muss der Arbeitgeber die Zahlung leisten, die normalerweise die Arbeitsagentur übernehmen würde. Bei der Nullarbeit, wenn also gar nicht gearbeitet wird, erhält man nur das Kurzarbeitergeld. Auch Kranken-, Pflege-, Renten- und Unfallversicherungsbeiträge werden in dieser Zeit weitergezahlt, so dass der Arbeitnehmer keinen seiner Ansprüche verliert.

Wie lange dauert die Kurzarbeit

Ein Unternehmen kann normalerweise maximal sechs Monate in Kurzarbeit gehen – unter speziellen Umständen kann diese Zeitspanne auf 24 Monate verlängert werden. Dann allerdings können die Arbeitnehmer vom Arbeitsamt dauerhaft an andere Unternehmen vermittelt werden. Angesichts der Finanzkrise wurde die Dauer der Kurzarbeit seit Januar 2009 aber auf 18 Monate verlängert – ein Ende des Wirtschaftskrise wird also scheinbar in diesem Jahr nicht erwartet.

Ist Kurzarbeit nun gut oder schlecht?

In der Wirtschaft lassen sich Krisen nicht vermeiden – auch in Zukunft wird es immer wieder vorkommen, dass Unternehmen nicht genügend Aufträge haben, um die Mitarbeiter voll zu beschäftigen. Als Arbeitnehmer muss man nun abwägen: ist die Kurzarbeit gerechtfertigt? Wenn ja, ist es besser, vorübergehend weniger zu verdienen, als seinen Job eventuell ganz zu verlieren. Wenn das Unternehmen jedoch in Kurzarbeit geht, obwohl das vielleicht nicht unbedingt notwendig ist, muss man das nicht einfach so hinnehmen. Da der Betriebsrat entscheidenden Einfluss auf den Beschluss zur Kurzarbeit hat, sind auch die Arbeitnehmerinteressen gewahrt.


Kommentare (4)

  • Elementarteil am 24.11.2009 um 11:01 Uhr

    Viel zu viele die ich kenne sind derzeit in kurzarbeit. das ist doch scheiße

  • PeggyP am 22.01.2009 um 08:53 Uhr

    Ein bekannter von mir ist auch in Kurzarbeit. man sollte meinen es wär schön, wenn man weniger arbeiten muss, aber unter den umständen ist es ja leider ganz anders

  • CocoBanane am 22.01.2009 um 08:40 Uhr

    Ich kenne auch viele, die im Moment in Kurzarbeit sind. Wusste gar nicht so genau was das ist, interessanter Artikel!

  • katzbaerchen am 15.01.2009 um 09:59 Uhr

    Sehr schöner Artikel!

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