Erzieherin - muss ich mich taufen lassen?

Erzieherin – muss ich mich taufen lassen?

am 05.11.2009 um 09:53 Uhr

Frage: Ich habe folgendes Problem: Ich bin nicht getauft und habe es auch nicht vor, doch ich möchte gerne in einem heilpädagogischen Kindergarten arbeiten. Leider sind die meisten Kindergärten auf einer kirchlichen Basis und setzen eine Taufe oder Kommunion voraus. Muss ich mich wirklich taufen lassen, um gute Chancen zu haben oder gibt es auch andere Wege, einen guten Job zu bekommen?

Antwort: Hallo,

Grundsätzlich gibt es drei „Arten“ von Kindergärten: staatliche, freie und kirchliche Einrichtungen. Auch wenn die kirchlichen Kindergärten oft nur zum Teil durch Kirchenzuschüsse finanziert werden, gibt es der Kirche als Träger das Recht, über die Einstellung von Personal mit zu entscheiden.

Und dazu gehört auch die Konfession. Wenn sich ein evangelischer oder katholischer Kindergarten eine Erziehung im Sinne des jeweiligen Glaubens wünscht, kann er auch entsprechende Forderungen an die Erzieherin stellen. Rein rechtlich ist es zwar so, dass Diskriminierung aufgrund von Geschlecht und Religionszugehörigkeit nicht zulässig ist, allerdings wird dieser Paragraph eingeschränkt, falls ein Kriterium für die Ausübung einer Tätigkeit unbedingt notwendig ist. Dir als Erzieherin bleiben da eigentlich nur zwei Möglichkeiten: entweder Du lässt Dich taufen oder Du bewirbst Dich eben nur bei freien oder staatlichen Kindergärten.

Ich würde Dir eher zu Letzterem raten, denn wenn Du selbst nicht gläubig bist, wäre es für Dich wahrscheinlich sowieso nicht die beste Aufgabe, Kinder in einer bestimmten Glaubensrichtung zu erziehen. Dazu muss man allerdings sagen, dass sich die „religiöse“ Erziehung in vielen Kindergärten ohnehin auf einen eher kleinen Prozentanteil beschränkt.

Natürlich kannst Du Dich auch im Vorfeld bei kirchlichen Kindergärten informieren, ob der Nachweis eines Taufscheins für die Stelle unbedingt notwendig ist. Manche Einrichtungen lassen da vielleicht mit sich reden – zumindest falls Du nicht vorhast, bei der Arbeit explizit gegen den Glauben zu wettern. Falls der Nachweis der Taufe aber Pflicht ist, musst Du das nach momentaner Gesetzeslage wohl oder übel so akzeptieren. Je nach Bundesland kann diese Sachlage Deine Auswahl ganz schön einschränken, in manchen Bundesgebieten ist es aber kein Problem, sich auf staatliche heilpädagogische Kindergärten zu beschränken.

Noch kurz zur Taufe: dieser Fakt wird immer wieder heiß diskutiert. Schließlich werden die meisten Erzieher, nur weil sie sich „für den Job taufen“ lassen, dadurch nicht auf einmal religiös. Weil man aber aus Gründen der Einfachheit irgendwo einen Anhaltspunkt setzen muss, reicht den meisten kirchlichen Einrichtungen die Vorlage des Taufscheins. Ob man diese Voraussetzung also erfüllt, um die Chancen auf einen Job zu erfüllen, bleibt jedem selbst überlassen.


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