Gründe und Tipps

Die Zweifler – Warum Frauen keine Karriere machen

Katharina Lübkeam 07.07.2016 um 16:29 Uhr

Wie machen Frauen Karriere? Oftmals gar nicht. Frauen in der Chefetage sind rar. Kaum ein Vorstand eines großen Unternehmens besteht zu gleichen Teilen aus Männern wie Frauen, nicht einmal annähernd. Und auch unser Gehalt dümpelt bis zu 23 Prozent unter dem der Männer. Was machen wir falsch? Die häufigsten Fehler.

Wir Frauen denken, wir können nichts oder wir können es nicht gut genug. Arbeiten wir auch schon jahrzehntelang erfolgreich im Beruf, denken wir immer noch, wir können nichts, es hat nur noch keiner gemerkt. Das liegt vor allem daran, dass wir unsere Leistung schlechter bewerten, als sie ist, wir unterschätzen uns gewaltig.

Machen Frauen Karriere? In den seltensten Fällen. Denn wir schätzen uns gering.

Machen Frauen Karriere? In den seltensten Fällen. Denn wir schätzen uns gering.

Dementsprechend reden wir auch viel häufiger über unsere Schwächen als über unsere Stärken. Wir verkaufen uns unter Wert, weil wir selbst nicht wissen, was wir Wert sind. Jeder wirkliche Fehler ist für uns ein Grund, es nie wieder zu versuchen. Und jeder Erfolg ist ja wohl der Rede nicht Wert.

Wir lassen uns schon von Stellenanzeigen abschrecken, sobald uns das Profil zu anspruchsvoll erscheint. Haben wir eine der geforderten Tätigkeiten noch nicht selbst gemacht, bekommen wir es mit der Angst und bewerben uns gar nicht erst. Denn wir wollen bloß nicht zu viel versprechen.

Frauen übernehmen Klischees

Wir sind biegsam: Wir lassen uns von Erwartungen und Klischees so dermaßen verbiegen, dass es uns auf der Karriereleiter den Rücken bricht. Sagt uns jemand: „Also diese Aufgabe müsste Dir liegen“ – ist die Chance hoch, dass wir sie mit Bravour meistern. Meldet aber jemand Zweifel an, übernehmen wir diese ganz schnell und zweifeln selbst an uns. An der Aufgabe scheitern wir dann natürlich. Männer hingegen können Erwartungen relativ leicht ausblenden und sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Da wir uns selbst gering schätzen, sind wir auch mit einem entsprechend geringen Gehalt einverstanden. Na klar, wenn wir nichts können, wozu wollen wir dann bitte Geld? Sind wir mit unserem Gehalt zufrieden, empfinden Männer noch deutlich mehr als ungerecht.

Frauen schrecken vor Verhandlungen zurück

Young female worried candidate on job meeting

Frauen lassen sich leicht von Erwartungen abschrecken.

Der Faden zieht sich weiter bis hin zu Fragen der Verhandlung: Wir meiden Verhandlungen und nehmen lieber Stellen an, bei denen das Gehalt fest steht. Das verbaut natürlich Chancen und gibt dem Arbeitgeber großen Spielraum. Auch scheuen wir Frauen vor Konkurrenz zurück, was natürlich wenig überrascht, da wir denken, wir haben nicht viel zu bieten. Wie also sollten wir im direkten Wettkampf bestehen, so unser Gedanke.

Wir hoffen einfach, dass unser Chef von selbst unsere Leistung und Motivation bemerkt und uns befördert. Frauen leisten deshalb mehr als Männer, bis sie befördert werden. Hinzu kommen Klischees über weibliche Chefs, die uns in den Rücken fallen – sensibel, kommunikativ, wenig durchsetzungsfähig – und bei der Vergabe von Führungspositionen mitunter eine entscheidende Rolle, natürlich selten offen.

Mit Vollgas und angezogener Handbremse

Von sich aus stürmen Frauen bei der Vergabe von machtvollen Positionen nicht mit Vollgas gen Horizont. Auch hier bremsen wir uns selbst aus und lassen uns von Sorgen leiten, vielleicht zu versagen. Wenn wir nicht schon vorher zu 100 Prozent sicher sind, dass wir es können, dann lassen wir es eben oft sein. Auch die Vereinbarkeit mit der Familie spielt eine Rolle. Wir fahren mit angezogener Handbremse, so Experten.

Aber trotzdem mit Vollgas: Frauen denken, wer viel leistet, wird auch anerkannt. Wir rackern bis zum Burnout und hoffen, dass es jemand sieht. Der Chef aber ist häufig so mit sich selbst beschäftigt, dass er nicht merkt, wenn Du länger bleibst. Richtiger ist, wer gut kommuniziert, dass er viel leistet und deswegen auch viel will, wird anerkannt. Der Schlüssel heißt Selbstvermarktung.

Tipps

Statt alle Aufgaben zu übernehmen, übernimm einfach die prestigeträchtigen, also die, bei denen Du für alle sichtbar Verantwortung und im Anschluss die Lorbeeren trägst.

Nimm Dir Verantwortung, traue sie Dir zu, in neuen Projekten oder Funktionen. Warte nicht, bis Dein Vorgesetzter von selbst auf die Idee kommt, Dir welche anzubieten. Du stehst ja auch nicht unterm Baum und wartest, bis der Apfel runterfällt, du pflückst Dir einfach einen.

Bilde Dich weiter, für Führungspositionen werden spezielle Kompetenzen gebraucht, informiere Dich welche das sind. Und setze Dir konkrete Ziele, kommuniziere diese nach außen.

Lass Dich nicht einschüchtern und nimm neue Herausforderungen an, ohne lange zu überlegen. Mal ehrlich: Was kann schon groß passieren. Die Männer beweisen uns: eigentlich nur positives.

Bildquelle: iStock/kaspiic, iStock/KatarzynaBialasiewicz

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