Realisatorin

Realisatorin

Frau delegiert

Realisatorinnen müssen gut
delegieren können

Wer würde nicht gerne fürs Fernsehen arbeiten? Glamour, Berühmtheit, Geld – so stellt man sich die Arbeitswelt rund um diesen viereckigen Kasten vor. Aber hinter Fernsehproduktionen steckt viel harte Arbeit, der nicht immer viel Ruhm oder Bekanntheit bringt. Wir haben jemanden getroffen, der weiß, wie das Leben hinter der Kamera wirklich ist.

Wenn Sarah von ihrem Beruf erzählt, bekommen viele Menschen leuchtende Augen. Wenn die 24-jährige erklärt, dass sie Doku-Soaps wie „Das perfekte Dinner“ oder „Mitbewohner gesucht“ für bekannte Fernsehsender dreht, dann beneidet sie bestimmt jeder um ihren Job. Ihre offizielle Berufsbezeichnung ist „Realisatorin bei einer Fernsehproduktionsfirma“ und damit gemeint ist ungefähr das, was Regisseure beim Film machen: Sie organisiert, entscheidet und ist verantwortlich für das, was gedreht wird. Anders als ein Regisseur wird ihr Name am Ende aber nicht genannt, sondern nur der ihrer Produktionsfirma. Dennoch ist der Job sehr begehrt – aber man braucht auch viele Kreativität und Menschenkenntnis, um zu wissen, was der Zuschauer vor dem Fernseher sehen will, damit er auch das nächste Mal wieder einschaltet.

Uuund bitte!

„Als Realisatorin ist es meine Aufgabe, das Kamera- und Tonteam geschickt zu führen und zu sagen, welche ‚Bilder’, also Aufnahmen, wir von welcher Szene wann und warum haben wollen. Ich sage, wo das Licht gesetzt werden muss und welche Kamerabewegungen es geben muss“, so beschreibt Sarah ihren Beruf. Dafür braucht man schon einiges Geschick im Umgang mit Menschen und viel technisches Verständnis. Den theoretischen Teil dafür hat Sarah auf der Uni gelernt. Sie hat Film- und Fernsehwissenschaften in Köln studiert, ein sehr begehrter Studiengang. „Der NC ist sehr hoch“ hat Sarah festgestellt. Sie hatte aber viele Wartesemester, weil nach dem Abitur erst mal ein Volontariat in einer kleinen Produktionsfirma gemacht: „Es war dort oft anstrengend, weil ich viele Überstunden machen musste und auch manchmal nachts oder am Wochenende arbeiten musste. Diese Praxiserfahrung war allerdings sehr wichtig für mich“.

 

Klappe beim Film

Und bitte!

Um als Realisatorin zu arbeiten, muss man aber nicht unbedingt Filmwissenschaften studieren. Man kann auch mit anderen Studiengängen einen Quereinstieg schaffen. Viel wichtiger ist es, Praktika zu absolvieren und so viel Berufserfahrung wie möglich schon während des Studiums zu sammeln. Wichtig ist laut Sarah auch ein „gutes Gespür für Menschen und Geschichten und Offenheit, Kreativität und Ausdauer“. Einen typischen Tag gibt es in ihrem Job nicht. Ihre Arbeitszeit wird auch nur in Wochen gemessen. „Es gibt meistens zwei Wochen am Stück, an denen die Produktion gemacht wird. Davon bin ich ungefähr vier Tage im Büro und ungefähr sieben Tage auf Dreh in ganz Deutschland. Nach dieser Zeit habe ich meistens eine Woche am Stück frei“.

Auch Büroarbeit muss sein!

Während der Büroarbeit hat sie einen klassischen Arbeitstag von 10 bis 18 Uhr. Wenn dann aber gedreht wird, kann der Tag auch schon mal länger dauern. „Wir drehen im Schnitt acht bis zehn Stunden pro Tag. Manchmal kann es auch einen Nachtdreh geben.“ Aber gerade dieser Alltag reizt Sarah. Für sie ist es schön, immer wieder neue Leute kennen zu lernen und jedes Mal auf unerwartete Herausforderungen und viel Neues und Unbekanntes zu treffen. Dafür muss man aber auch ein ausgeglichener Mensch sein: „Es kann auch sehr, sehr stressig werden. Als Realisatorin ist es meine Aufgabe, immer einen kühlen Kopf zu bewahren und das Chaos zwischen Kameras und weinenden Protagonisten, wie man es ja so oft in Doku-Soaps sieht, zu managen“. Außerdem dürfen die Kandidaten der Folge nichts von dem Stress der Arbeit mitbekommen, um nicht selbst in Panik zu verfallen. Deswegen sind auch Gespräche mit den Menschen wichtig, um sie zu beruhigen.

Wenn dann alles fertig gedreht ist, geht es in die Postproduktion. Damit hat Sarah dann nichts mehr zu tun. Allerdings muss der jeweilige Sender, der die Doku-Soap bestellt hat, erst mal sein Zustimmung geben. Findet der Sender die Folge nämlich nicht gut, müssen eventuell sogar Szenen nachgedreht werden.

Nicht länger ein Männerberuf…

Für Mädels, die sich für den Beruf der Realisatorin interessieren, hat Sarah auch noch ein paar gute Tipps: „Dieser Job ist momentan noch hauptsächlich durch Männer besetzt. Schade eigentlich! Denn meiner Meinung nach können gerade Mädels oft besser auf die Protagonisten eingehen. Als Frau in diesem Job hat man es auf jeden Fall schwerer, weil man sich erst durchboxen muss. Man kann als Realisations-Assistentin anfangen oder einfach mal ein Praktikum bei einer Doku-Soap in der Redaktion machen. Man muss auf jeden Fall durchsetzungsfähig sein und das nötige „Chefin-Potential“ mitbringen. Man ist schließlich alleine dafür verantwortlich für gutes Bildmaterial zu sorgen und dass der Dreh ohne Probleme abläuft. Dieser Job ist nur geeignet für belastbare und abenteuerlustige Personen. Wenn man es lieber etwas gemütlicher und geregelter mag, dann sollte man in der Casting-Abteilung bei den Doku-Soaps arbeiten.“

Im Rückblick würde Sarah sich ihren Job auf jeden Fall wieder aussuchen. Außerdem hat sie gute Aufstiegschancen: „Die Karriere ist meist so, dass man nach einigen Jahren als Realisator auch Producer von einer Sendung werden kann, dann kümmert man sich um die Budgets, neue Projekte und die Entwicklung der Sendung.“

Falls Ihr Euch jetzt auch vorstellen könntet, als Realisatorin zu arbeiten, solltet Ihr Euch erstmal ein Praktikum in dem Bereich suchen und überprüfen, ob der stressige Job auch wirklich das richtige ist. Nur mit viel praktischer Erfahrung könnt Ihr den Einstieg in den Beruf schaffen. Aber vielleicht ist die nächste erfolgreiche Doku-Soap schon von Euch realisiert.

Kommentar (1)

  • Elementarteil am 17.09.2010 um 10:45 Uhr

    Interessant. Wusste gar nicht das es solch einen Beruf gibt :D