Immer die Anderen

„So ungerecht“ – Die begehrte Opferrolle

Katharina Lübkeam 21.07.2016 um 17:19 Uhr

Egal, was Du versuchst, irgend jemand vermiest es Dir? Du wirst ständig ungerecht behandelt und benachteiligt. Du fühlst Dich als armes unschuldiges Wesen? Achtung! Die Chance ist hoch, dass Du Dich selbst zum Opfer machst. Die Opferrolle spielen wir alle nur zu gern. Sie ist einfach so bequem! Trotzdem versaut sie uns so ziemlich alles: unser Privatleben und besonders unsere Karriere.

Die Schuld suchen wir bei Anderen, denn die wiegt schwer. Wir streicheln lieber unsere Seele, indem wir mit unserem und dem Mitleid der Anderen unser geschundenes Ego glatt bügeln. Auch im Job ist die Opferrolle die mit Abstand beliebteste.

Opferrolle

Die Opferrolle ist die beliebteste Rolle. Jeder will sie. Verantwortung will niemand wirklich.

Wie wir uns zum Opfer machen

Wir machen uns nur allzu leicht zum Opfer, etwa wenn wir aus dem Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, nicht herauskommen, wenn wir uns stattdessen in Selbstmitleid zerfressen oder Rachegelüsten ergehen. Wenn wir über die schwierigen Bedingungen und die unfaire Welt lamentieren, uns die Laune von Nichtigkeiten vermiesen lassen oder uns permanent mit anderen vergleichen und dabei unvermeidlich auch schlecht abschneiden.

Auch wenn wir die Schuld bei anderen suchen und über Freunde, Nachbarn Kollegen und gar Chefs lästern, machen wir es uns in der Opferrolle gemütlich. Wie auch, wenn wir Verantwortung und Führung ablehnen, gleichzeitig aber keine Lust haben, uns herumkommandieren zu lassen.

Warum wir die Opferrolle so lieben

Wir machen uns zu Opfern, weil es einfach ist, die Schuld außerhalb von uns selbst zu suchen. Man muss selbst nichts tun, keine Energie verwenden und den Aufwand der Reflexion betreiben, wenn man keine Verantwortung trägt. Stattdessen genießen wir unser Selbstbild als fehlerfreier guter Mensch und genießen Aufmerksamkeit und Mitleid. Wir denken instinktiv, wir bekommen etwas, wenn es uns schlecht geht. Schlussendlich sind wir Gewohnheitstiere und wiederholen einfach instinktiv unsere vermeintlich bewährten Muster.

Opferrolle

In der Opferrolle ist jede Karriere unmöglich. Wir sperren uns darin ein.

Häufig verharren wir in der Opferrolle, weil wir verbittert sind und Gerechtigkeit wollen. Das aber macht uns gegenüber unserer Umwelt passiv. Es blockiert jegliche Handlungsfreiheit, was zwangsläufig in eine Sackgasse führt – wir legen uns sozusagen selbst in Ketten. Ein selbstbestimmtes Leben zu führen, wird unmöglich. Weder im Job noch im Privatleben lässt sich damit konstruktiv umgehen oder gar eine Karriere gestalten.

Keine Karriere für Opfer

Unseren Erfolg im Beruf können wir uns damit abschminken: In der Opferrolle sind wir unfähig, zu agieren oder innovative Veränderungen anzuregen. Das funktioniert nämlich nur, wenn man gewillt ist, Verantwortung zu tragen. Das ist die Quintessenz, wenn man erfolgreich im Beruf sein will. Menschen zu führen wird unmöglich aus einer Haltung heraus, in der immer die Anderen Schuld sind. Auch Dauer-Lästern gilt als Zeichen der Schwäche, weil wir damit von unseren eigenen Schwächen ablenken und uns auf dem Rücken anderer austoben. Das macht jede konstruktive und kreative Teamarbeit unmöglich.

Experten zur Opferrolle

Wie komme ich aus der Opferhaltung raus?

Experten zufolge ist der einzige Weg aus der Opferrolle heraus, los zu lassen. Wir müssen erkennen, dass wir die Gerechtigkeit, auf die wir pochen und der wir uns abhängig machen, nicht bekommen werden. Wir müssen das erfahrene Unrecht ertragen und hinter uns lassen, statt an ihm zu verzweifeln.

Wir müssen uns vor allem selbst verändern: Reflektiere und hinterfrage Dich und Dein Verhalten. Übernimm die Verantwortung für Dein Leben. Denn niemand sonst bestimmt darüber. Kommst Du zu spät, weil die Straße verstopft war, bist Du Schuld – fahr früher los! Schrubbst Du Überstunden und bist damit unzufrieden, such Dir einen anderen Job. Motzt Dein Chef Dich grundlos an, übernimm die Verantwortung für Deine Gefühle: Werde Dir bewusst, dass es nichts mit Dir zu tun hat, sondern nur mit Deinem Chef, also fühl Dich gut. Ebenso in der Beziehung. Hast Du Minderwertigkeitskomplexe, weil Deine Eltern unfähig waren, Dir Selbstwert zu vermitteln, übernimm die Verantwortung und such Dir Hilfe. Kannst Du Dinge nicht ändern, lebe damit und verschwende keine Energie darauf. Auf Amazon findest Du tolle Bücher zum Thema, darunter auch ein praktisches Übungsbuch zum Thema Resilienz.

Wichtig ist: Nimm Dich und Deine Unzulänglichkeiten an. Fehler sind notwendig und in diesem Sinne richtig. Und besinne Dich auf Deine Stärken. Fakt ist: Nicht alles im Leben können wir kontrollieren. Das meiste aber schon. Die wichtigsten Entscheidungen in unserem Leben treffen wir selbst.

Bildquelle: IStock/erwo1, iStock/Ztranger

Kommentare


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