Wie kann man eine Beziehungssucht überwinden?
Katharina Meyeram 10.10.2017

Beziehungen sind etwas Wunderbares. Wenn das erste Verliebtsein verflogen ist, sich daraus eine echte Partnerschaft entwickelt und du einfach weißt, dass du dich auf deine bessere Hälfte verlassen kannst – nach so einer Art von Liebe sucht wohl jeder von uns. Doch es gibt auch Menschen, die sich von einer Beziehung in die nächste stürzen. Kaum ist mit dem einen Partner Schluss, ist der nächste an der Reihe. Wann man von Beziehungssucht spricht und wie du sie überwinden kannst, erfährst du hier!

Kennst du auch diese Menschen, die scheinbar einfach nicht allein sein können? Sie stürzen sich von einer Beziehung in die nächste oder bleiben auch in einer unglücklichen Partnerschaft – nur um bloß kein Single zu sein. Für manche ist dies fast schon eine Sucht. Doch was kann man gegen diese Beziehungssucht überhaupt machen?

Was ist Beziehungssucht?

Wenn wir frisch verliebt sind, wird unser Körper geradezu überschwemmt von Endorphinen. Kein Wunder, dass man am liebsten jede freie Minute mit dem Auserkorenen verbringt, um diese Glücksgefühle immer wieder zu spüren. Süchtig nach Liebe und auch nach Sex kann man also schon alleine durch die berauschenden Stoffe werden, die mit ihnen einhergehen. Doch manche Menschen sind auch darüber hinaus süchtig nach einer Beziehung. Sie begeben sich in eine emotionale Abhängigkeit ihrem Partner gegenüber. Ihre größte Furcht ist es, alleine zu sein. Deswegen nehmen sie auch unglückliche, toxische und sogar körperlich oder seelisch gewaltsame Partner hin. Wenn sie dann doch verlassen werden (denn die wenigsten Beziehungssüchtigen beenden eine Partnerschaft von sich aus), suchen sie so schnell wie möglich nach einem neuen Partner, der den Platz ausfüllt – und landen häufig wieder in genau der gleichen ungesunden Beziehungskonstellation.

Die typischen Symptome einer Beziehungssucht

In einer Beziehungssucht neigen viele zum Klammern.

In einer Beziehungssucht neigen viele zum Klammern.

Zwar wird die Beziehungssucht medizinisch nicht mit anderen Abhängigkeiten – etwa nach Alkohol oder Drogen – gleichgesetzt, doch auch die Sucht nach einer festen Partnerschaft geht oftmals mit Krankheitsbildern wie Depressionen, Schlaf- und Essstörungen einher und kann wiederum in einer Drogen-, Medikamenten- oder Alkoholsucht enden. Daher ist es wichtig, die Symptome einer Beziehungssucht frühzeitig zu erkennen. Das ist jedoch gar nicht so leicht, denn die Betroffenen merken in der Regel nicht, das mit ihren Verhaltensmustern etwas nicht stimmt. Für sie ist es völlig normal, voll und ganz in einer Liebesbeziehung aufzugehen – bis hin zur völligen Selbstaufgabe. Diese vier Symptome können allerdings auf eine Beziehungssucht hinweisen:

  1. Besessenheit: Dein Partner wird schon bald zum alleinigen Lebensinhalt. Ständig musst du an ihn und eure Beziehung denken. Eine Trennung, wenn auch nur kurz, schmerzt. Daher neigen Beziehungssüchtige zum Klammern. Wenn dir Sätze, wie „Ohne dich kann ich nicht leben“ oder „Mein Partner ist mein Ein und Alles“ nicht nur als mehr oder weniger übertriebenes Liebesgeplänkel über die Lippen gehen, sondern ein großer Funken Wahrheit in ihnen ist, könnte es sich um eine Beziehungssucht handeln.
  2. Abhängigkeit: Was du anziehst, was du in deiner Freizeit machst, welche Musik du hörst und welche Filme du guckst – scheinbar alles richtest du nach deinem Freund. Seine Meinung ist die wichtigste in deinem Leben. In einer Beziehungssucht kommt es nicht selten vor, dass der Süchtige sich selbst vollkommen verbiegt, um dem Partner zu gefallen und ihn bloß nicht zu verlieren. Kontakte zu Freunden und Familie leiden darunter – vor allem, wenn sie sich kritisch dem Partner oder der Beziehung gegenüber äußern.
  3. Übertriebene Eifersucht: Die Angst, den Partner zu verlieren, ist für Beziehungssüchtige so groß, dass sie in allem und jedem Konkurrenz sehen. Er will mit seinen Kumpels abhängen, erzählt für deinen Geschmack zu häufig von seiner neuen Kollegin oder lässt sein Handy nicht unbeaufsichtigt herumliegen? Oh oh! Da macht sich sofort eine übertriebene Eifersucht in dir breit. Wenn dein Partner für dich der komplette Lebensinhalt ist, sollte das umgekehrt nicht ebenfalls so sein?
  4. Beziehungshopping: Während einige Beziehungssüchtige sich einfach nicht trennen wollen – egal, wie glücklich die Beziehung ist, betreiben andere ein regelrechtes Beziehungshopping. Kaum ist die eine Trennung über die Bühne gegangen, hängen sie sich schon in die nächste Partnerschaft. Liebe kann sich so aber nur schwer entwickeln. Vor allem, da Betroffene ein solches Tempo vorlegen, dass der neue Partner schnell überrumpelt ist und sich eingeengt fühlt.

Ursachen für die Beziehungssucht

Alleinsein wird zur Qual

Für Beziehungssüchtige wird Alleinsein zur Qual.

Wer unter einer solchen Beziehungssucht leidet, merkt dies entweder erst sehr spät oder gar nicht. Meist schieben Betroffene ihre Probleme in Liebesdingen auf äußere Einflüsse. Wenn es trotz einer Beziehung nach der anderen einfach nicht klappen will, dann liegt das doch wohl eher daran, dass der Richtige nicht dabei war, oder? Nur die wenigsten erkennen, dass sie sich selbst immer wieder die Falschen suchen und in die gleichen Beziehungsmuster verfallen.

Doch woher kommt die Beziehungssucht? Die Ursachen sind vielfältig und können ebenso in einer lieblosen wie einer erdrückenden Kindheit liegen. Oft haben schon die Eltern ein Beziehungsmodell der gegenseitigen Abhängigkeit vorgelebt. Vor allem aber scheint die Sucht nach Liebe, Anerkennung und der Sicherheit einer Partnerschaft sowie die damit einhergehende Angst vor dem Alleinsein in einem niedrigen Selbstwertgefühl begründet zu sein. Beziehungssüchtige binden sich häufig wahllos an irgendjemanden, weil sie das Gefühl haben, nichts Besseres verdient zu haben. „Ich kann froh sein, dass ich überhaupt jemanden habe“ oder „Er ist viel zu gut für mich“ sind Sätze, die sich Betroffene oftmals denken. Der Partner hingegen wird absolut idealisiert und seine Mängel scheinen im Vergleich zu seinen positiven Eigenschaften verschwindend gering.

So kannst du die Beziehungssucht überwinden

Der erste Schritt, um die Beziehungssucht zu überwinden, ist, sich überhaupt klarzuwerden, dass man betroffen ist. Das passiert häufig erst dann, wenn Begleiterscheinungen wie Schlafstörungen, Depressionen und Angstzustände körperlich darauf aufmerksam machen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Doch wenn dieser wichtige erste Schritt getan ist, gibt es eine Menge Dinge, die dir helfen können, einen Weg aus der Beziehungssucht zu finden. Es gibt zum Beispiel Selbsthilfegruppen, in denen Betroffene sich austauschen und Hilfe suchen können. Auch eine Therapie kann eine gute Möglichkeit sein, die toxischen Verhaltensmuster zu durchbrechen. Am wichtigsten ist es, dass Beziehungssüchtige ihr Selbstbewusstsein stärken und lernen, dass sie selbst für ihr Glück verantwortlich sind – und es wert sind, wirklich und wahrhaftig geliebt zu werden.

Video: 5 Tipps gegen Liebeskummer

Bei einer Beziehungssucht scheint es fast vorprogrammiert, dass früher oder später Liebeskummer auftaucht. Die fünf Tipps gegen Liebeskummer in unserem Video können dir helfen.

Auch wenn sich viele eine Beziehung wünschen, ist es wichtig, erst einmal zu lernen, allein sein zu können. Und es gibt auch wirklich viele Vorteile am Single-Dasein. Doch wie das bei allen Süchten ist, ist auch die Beziehungssucht nichts, was mit ein paar aufmunternden Worten plötzlich wieder gut wird.

Wenn du Hilfe brauchst, kannst du dich hier an den Verband der Selbsthilfegruppen „Emotions Anonymous“ wenden.

Bildquelle:

iStock/g-stockstudio, iStock/AtnoYdur, iStock/Marjan_Apostolovic

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