Kernkonflikt

Nähe und Distanz: Finde die richtige Balance

Birte Immeam 24.11.2014 um 17:56 Uhr

Jeder Mensch, der schon einmal eine längere Beziehung hatte, kennt das Problem von Nähe und Distanz. Während der eine am liebsten jeden Tag mit seinem Partner verbringen würde, braucht der andere hin und wieder mehr Zeit für sich alleine. Doch was passiert, wenn zwei Menschen merken, dass sie ein unterschiedliches Bedürfnis von Nähe und Distanz haben? Kann die Liebe trotzdem bestehen? Und wie findet man die richtige Balance zwischen der lebenswichtigen Nähe und dem nötigen Freiraum für jeden Partner? Hier erfährst Du es.

Nähe und Distanz: Das musst Du wissen

In der Verliebtheitsphase überwiegt die Nähe

Zu Beginn einer Beziehung befinden sich Paare in einer rosaroten Verliebtheitsphase, in der es schon schmerzt, nur wenige Stunden voneinander getrennt zu sein. Das Paar verschmilzt in dieser Anfangszeit – oft zum Leidwesen seines Umfeldes – zu einem untrennbaren Wir. Das Bedürfnis nach Nähe ist dementsprechend hoch, was auch einen Grund hat: Man kann den Anderen intensiv kennenlernen und eine Bindung zueinander aufbauen. Doch wie das so ist, wandeln sich Beziehungen. Was am Anfang noch sehr erfüllend ist, kann schnell einengend werden. Deshalb muss in der Regel nach ein paar Monaten das Verhältnis von Nähe und Distanz neu ausgelotet werden. Zum Problem wird dies, wenn die Partner ein unterschiedliches Bedürfnis haben, denn einer von beiden wird sich dann immer abgelehnt fühlen, während dem anderen die Luft zum Atmen fehlt. In diesem Fall kann der Spagat zwischen Nähe und Distanz zu einem der Hauptstreitpunkte in der Beziehung werden. Durch die richtige Partnerwahl und einige Beziehungsregeln kannst Du dieses Dilemma jedoch wieder in den Griff bekommen.

Nähe und Distanz als Urkonflikt des Lebens

Die Balance zwischen Nähe und Distanz ist eines der elementarsten Themen innerhalb einer Beziehung – und eine ewige Gratwanderung. Einerseits möchten wir unserem Schatz eng verbunden sein, andererseits brauchen wir auch Freiraum, um uns um uns selbst zu kümmern und auf diese Weise interessant füreinander zu bleiben. Wir brauchen den anderen, empfinden die Nähe aber gleichzeitig als Gefahr. Diesen inneren Konflikt, der auch als Abhängigkeits-Autonomiekonflikt bezeichnet wird, kennen wir alle nur zu gut. Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer bezeichnete ihn sogar als Urkonflikt des Lebens, aus dem sich alle anderen Probleme ableiten ließen. In seinem 1851 erschienenen Buch „Parerga und Paralipomena“ veranschaulichte Schopenhauer den Konflikt zwischen Nähe und Distanz anhand einer kleinen Geschichte:

„Eine Gesellschaft von Stachelschweinen drängte sich an einem kalten Wintertage recht nahe zusammen, um einander durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Bald jedoch spürten sie die gegenseitigen Stacheln und entfernten sich wieder voneinander. Wenn nun das Bedürfnis nach Wärme sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so dass sie zwischen beiden Leiden hin- und hergeworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.”

Und was lernen wir aus dieser Geschichte? Wenn Du die richtige Nähe findest, um Dich geborgen zu fühlen, und den richtigen Abstand, ohne Dich bedrängt zu fühlen, hast Du Dein Glück gefunden. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass wenn Du Deinem Partner Raum gibst, er trotzdem zu Dir zurückkommen wird – und zwar freiwillig und ohne Druck.

Nähe und Distanz: Die Ursache liegt in der Kindheit

Das individuelle Bedürfnis nach Nähe und Distanz wird in der Kindheit von unserem Verhältnis zu engen Bezugspersonen, insbesondere der Mutter, geprägt. War die Beziehung zu dieser Person sicher, fühlten wir uns geborgen und nicht eingeengt, werden wir auch als Erwachsene Nähe zulassen können und gleichzeitig dem Partner Distanz gewähren, ohne Angst zu haben, dass die Beziehung auf dem Spiel steht. Im Grunde gilt: Je sicherer wir uns einer Beziehung fühlen, desto stärker kann der Unabhängigkeitswunsch wachsen. Interessanterweise wiederholt der Mensch in seinen Beziehungen immer wieder die gleichen Nähe-Distanz-Muster. Da die Konflikte in neuen Partnerschaften oftmals sogar noch schlimmer werden, liegt das Trennungsrisiko bei Zweitverheirateten wesentlich höher als bei der ersten Ehe.

Nähe und Distanz muss ausgeglichen sein

Nähe und Distanz: Finde die richtige Balance

Nähe und Distanz ist ein Urkonflikt des menschlichen Lebens

Sollte Dein Partner den Wunsch äußern, ein bisschen mehr Zeit für sich haben zu wollen, solltest Du deswegen nicht gleich die ganze Beziehung in Frage stellen. Denn dass sich im Laufe der Beziehung die Distanzwünsche ändern, ist völlig normal. Wichtig ist nur, dass Ihr offen darüber sprecht und Euch über Eure Ängste, Wünsche und Bedürfnisse austauscht. Schwierig wird es erst, wenn Ihr Eurer Nähe-Distanz-Verhältnis auf keinen gemeinsamen Nenner bringen könnt und einer sich immer benachteiligt fühlt. Dadurch entsteht eine unausgewogene Beziehung und ein Teufelskreis kommt in Gang, in dem derjenige, der mehr Nähe möchte, zum Unterlegenen wird. Er tut alles dafür, um die Liebe und Aufmerksamkeit des anderen (zurück) zu gewinnen und bewirkt damit im Endeffekt genau das Gegenteil: Der „Überlegene“ wendet sich ab, weil er sich vom „Unterlegenen“ bedrängt und kontrolliert fühlt.
Für das Gelingen einer Partnerschaft müssen die Bedürfnisse beider Partner zusammenpassen. Erst dann entsteht Zweisamkeit und das Gefühl einer tiefen Liebe kann wachsen. Eine halbwegs stabile Nähe sollte in jedem Fall gewährleistet bleiben, schließlich ist Bindung die Grundlage einer funktionierenden Partnerschaft. Solltest Du also auf der Suche nach einem Partner sein, wäre es von Vorteil, wenn Du von vornherein abklärst, ob Eure Vorstellung von Nähe und Distanz miteinander übereinstimmt.

Liebe braucht Nähe und Distanz

Um den Konflikt von Nähe und Distanz erst gar nicht aufkommen zu lassen, müssen beide Partner dafür sorgen, dass sie eigenständig bleiben: Eigene Freunde treffen, eigene Hobbys haben, sich selbst entfalten können – all das ist wichtig, um sich selbst nicht zu verlieren und eine autonome Persönlichkeit zu festigen. Wer seinem Partner das Gefühl gibt, dass er ohne ihn nicht sein kann, der erzeugt ungewollt Druck. Die Kunst der Liebe besteht darin, dass man eine stabile Nähe herstellt, dem anderen aber ausreichend Freiheit lässt, denn gerade darin besteht die Spannung. Man kann sich die Liebe auch als einen Balken vorstellen, der auf den zwei Säulen Nähe und Distanz aufliegt. Das Aufrechterhalten des Balkens kann mitunter ein Balanceakt sein, doch dieser lohnt sich!

Bis ein Paar ein passendes Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz gefunden hat, kann es schon einmal etwas dauern. Doch habt ihr die richtige Balance zwischen Zweisamkeit und Unabhängigkeit erst gefunden, wird Eure Partnerschaft erfüllter sein denn je. Leider gibt es kein Geheimrezept, wie viel Nähe und Distanz in einer Beziehung angemessen sind. Ihr müsst die Grenzen selbst testen. Mach Deine eigenen Erfahrungen, gehe in Dich und aus Dir heraus, binde und entfalte Dich. Dann wirst Du schon den Partner finden, der genau zu Dir und Deinen Bedürfnissen passt.

Bildquellen: Thinkstock/iStock/Creatas Images; Thinkstock/iStock/4774344sean

Kommentare (3)

  • Zum Glück ist das Bedürfnis nach Nähe und Distanz bei mir und meinem Freund ausgeglichen. Sonst wäre es echt kompliziert.

  • Mein Partner hat sich vor einer Woche getrennt ohne irgendwelche Anzeichen, aus heiterem Himmel steh total neben mir und dieser Schmerz ist unbeschreiblich hab seit einer Woche keine Nahrung mehr zu mir genommen. Realisiert habe ich schon jetzt ist es grade das ich soll viel Weine aber dann bin ich wieder guter Dinge und dann wieder Zusammenbruch... Hoffe das es bald besser wird :-(

  • Auch ich kenne das Problem von Nähe und Distanz. Es ist wirklich schwierig da die richtige Balance zu finden, doch wenn man das Glück hat, auf einen Nenner zu kommen, ist die Beziehung sehr erfüllt :)


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