Jähzorn

Wutausbrüche in den Griff bekommen

Katharina Lübkeam 26.07.2016 um 16:05 Uhr

Rund jeder vierte Erwachsene hat regelrechte Wutattacken. Im Alltag zurückhaltend, rasten wir einfach unvermittelt aus, brüllen wie ein Tier, schmeißen Stühle um oder feuern Geschirr gegen die Wand. In Paarkonflikten ist Wut eine der stärksten und drängendsten Emotionen. Was tun, wenn die Wut die Beziehung zerstört.

Wut ist eine natürliche Reaktion auf Bedrohungen, sie löst mächtige Gefühle aus, die uns in die Lage versetzen, zu kämpfen und uns zu verteidigen, wenn wir uns angegriffen fühlen. Wenn sie unkontrollierbar wird, wird sie aber zu Jähzorn und setzt eine zerstörerische Kraft frei: Ein Wutausbruch ermöglicht zwar kurzfristig seelische Erleichterung, führt aber danach zu Scham und Trauer. Wir zerstören damit Beziehung und Familie. Wutausbrüche schaden auch dem Selbstwertgefühl des Partners erheblich, denn die Schuld wird generell bei ihm gesucht. Deswegen ist es wichtig, seine Gefühle und seine Wutausbrüche zu kontrollieren.

Wutausbrüche

Bei Wutausbrüchen verlieren wir komplett die Kontrolle.

Im Wutausbruch verlieren wir komplett die Kontrolle

Wutausbrüche

Wir reißen alle Macht an uns und geben der zerstörerischen Kraft der Wut freien Lauf.

Bei Wutausbrüchen neigen wir dazu, alle Macht an uns zu reißen. Wir stellen aus dem Gefühl der Machtlosigkeit heraus die Beziehung infrage und stellen Ultimaten oder drohen gar, uns zu trennen. Dadurch fühlt sich der andere wiederum entmachtet und droht zurück, um sich die Macht zurückzuholen.

Die Anlässe für die impulsiven und irrational erscheinenden Wutausbrüche sind oft banal. Es reicht einfach alles, was uns das Gefühl vermittelt, unserer Bedürfnisse seien übergangen worden, schon rasten wir aus und verlieren komplett die Kontrolle über das Gefühl der Wut. Gedanken über die Konsequenzen sind in diesem Moment nicht möglich. Wir sehen nur noch rot und haben den Abbau der aufgestauten negativen Energie im Blick.

Die Ursachen für Wutausbrüche aber liegen viel tiefer, denn Wut ist nur die Hülle, in der sich angestaute unterdrückte Gefühle sammeln. Schmerzhafte Emotionen, wie Enttäuschung, Trauer und Scham werden oft in Wut umgelenkt, gerade von Männern, denn solche Emotionen gelten als unmännlich und schwach. Will man aber verhindern, dass die eigene Wut die Beziehung zerstört, muss man sich mit diesen Gefühlen auseinandersetzen. Nur so kann man auf Dauer seine Gefühle kontrollieren und sich selbst in brenzligen Situationen beruhigen.

Wie verhindere ich Wutanfälle dauerhaft

Es gibt eine Reihe an Möglichkeiten, mit denen Du generell ruhiger und ausgeglichener werden kannst und so eine gute Basis schaffst. Du kannst Dir selbst helfen, etwa indem Du

  • Dich körperlich auspowerst: Mach Sport, denn dabei schüttest Du Endorphine aus und die holen Dich runter, Du beruhigst Dich.
  • Durch regelmäßiges Training bekommst Du Deine Gefühle generell besser in den Griff
  • Schlafe ausreichend, denn bist Du unausgeschlafen, bist Du auch reizbarer
  • Überlege, in welchen Situationen Du schnell wütend wirst und vermeide diese
  • Identifiziere die Auslöser Deiner Wut
  • Führe ein Wut-Tagebuch, in dem Du sowohl die Wutanfälle und ihre Auslöser notierst. Stelle dem Begebenheiten aus der Vergangenheit gegenüber, die dazu in Beziehung stehen – etwa häufig erlittene Kränkungen in der Kindheit.
  • Entwickle eine Aggressionsbewältigungsstrategie für spezielle Situationen

In akuten Fällen kannst Du

  • aus der Situation weggehen, Dich zurückziehen und bis zehn zählen, um Dich zu beruhigen
  • Dir vorher Sätze überlegen, die Du in Gedanken wiederholst: „Worauf bist Du stolz? Wer liebt Dich?“ oder was Du meinst, Dir helfen zu können
  • Stell Dir einen schönen Ort vor, an dem Du gern wärst, zuletzt warst oder bald wieder sein wirst.

 

Manchen Menschen helfen beruhigende Aktivitäten wie

  • Spazieren gehen
  • Malen
  • Stricken
  • Musik hören oder Tanzen
  • Gitarre spielen oder Singen
  • Spiritualität
  • Entspannungstechniken wie Mediation, Yoga oder Autogenes Training

Professionelle Behandlung von Wutausbrüchen

Fighting dogs. Dogs barking at each other, showing fangs.

Jähzorn ist das innere Tier in uns. Wer sich partout nicht unter Kontrolle bringen kann, sollte ein Therapie erwägen.

Sollte das alles nicht greifen und Du schaffst es einfach nicht, Deine Wutausbrüche zu verhindern und unter Kontrolle zu bringen, solltest Du Dir Hilfe holen, etwa in einem Anti-Aggressions-Trainings-Kurs oder einer Selbsthilfegruppe. Eine Therapie gegen Wutausbrüche solltest du erwägen, wenn Du gewohnheitsmäßig tiefer liegende Gefühle durch Wut ersetzt, wenn Du chronisch in extremen Wutanfällen Symptome wie Aggression, Schreien, Brüllen oder Schlagen zeigst und wenn Deine Wut Dein alltägliches Leben und Deine Beziehung negativ beeinflusst.

Mit der Hilfe eines Therapeuten kannst Du Deine Neigung zu extremen Wutanfällen abklären und die wirklichen Ursachen Deines Wut-Problems herausfinden sowie lernen, Deine Gefühle zu akzeptieren. In einer Verhaltenstherapie werden zudem emotionale Bewältigungsstrategien entwickeln und Du lernst, besser zu kommunizieren.

Auch eine etwaige unterstützende medikamentöse Behandlung kann abgeklärt werden. Auch Heilmittel auf Kräuterbasis oder Medikamente können helfen: Bachblüten, homöopathische Globuli oder Schüsslersalze gegen Wutausbrüche kannst Du leicht über Amazon oder in jeder Apotheke beziehen. Natürlich ist auch eine Paartherapie absolut sinnvoll, um auch zu erfahren, wie sich der Partner jeweils dabei fühlt.

Es gibt zahlreiche Bücher über Wutausbrüche, was sie bedeuten und wie man damit umgeht. Darunter auch Ratgeber, wie Du Anzeichen wahrnimmst, wann Deine Wut außer Kontrolle gerät und wie Du Dich mit deinen Aggressionen auseinandersetzt. Guck doch mal auf Amazon. Wie Du Wut und Frust rauslassen kannst und was es für Tipps und Tricks gibt, haben wir hier zusammengetragen.

Bildquelle: iStock/bowie15, iStock/xalanx, iStock/MarcinSl1987

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