Polygamie

Warum nur ein Mann?

Polygamie

am 06.11.2008 um 00:00 Uhr

Wir leben in einer Zeit, in der sich das traditionelle Verständnis von Ehe und Sex im Wandel befindet. Neben dem Großteil der Menschen, die in monogamen Beziehungen miteinander leben, gibt es einige, denen diese Vorstellung widerstrebt, weil sie sich nicht auf einen einzigen Partner festlegen möchten. Doch warum wird Polygamie immer beliebter? Weil man mehr Abwechslung hat? Oder ist es die sexuelle Freiheit, die den Polygamisten so gut gefällt? Wir haben für Dich in Erfahrung gebracht, was hinter dieser Beziehungsform steckt.

Polygamie: ein Mann mit zwei Frauen

Polygamie kann eine Dreiecksbeziehung sein

Das Wort Polygamie ist eine Zusammensetzung aus dem griechischen polys (=viel) und gamos (=Ehe) und bezeichnet getreu der Übersetzung eine Form der Vielehe beziehungsweise die Duldung von gleichzeitigen eheähnlichen Beziehungen. Menschen, die polygam leben, möchten sich nicht an einen festen Partner binden, sondern sind neugierig auf das, was sich ihnen sonst noch bietet. Sie wollen das Leben entdecken und mit all seinen Vorzügen genießen. Unabhängigkeit und Freiheit gehören ebenso zu diesem Lebensstil, wie wechselnde Sexualpartner.

Polygamie: Andere Länder, andere Sitten?

Innerhalb der Polygamie wird unterschieden zwischen Polygynie, der Vielweiberei, bei der ein Mann mehrere Ehefrauen hat, der Polyandrie, die Vielmännerei, bei der eine Frau mehrere Ehemänner hat sowie der Polygynandrie, die Gruppenehe, bei der mehrere Frauen und mehrere Männer beteiligt sind. Während in Deutschland bereits die Bigamie, die Doppelehe, gemäß §1306 BGB verboten ist und mit einer Geld- oder bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe bestraft wird, ist Polygamie in einigen anderen Ländern außerhalb Europas legal und wird vielerorts praktiziert. In Afrika beispielsweise heiratete der jetzige König von Swasiland im Jahr 2013 seine 15. Frau. Ein Leben in Keuschheit, wenn man ihn mit seinem mittlerweile verstorbenen Vater vergleicht, der zehn mal so viele Frauen hatte. Mit Ausnahme der Türkei, Tunesien und den früheren Ländern der Sowjetunion ist auch im Islam findet die Polygamie legal. Ein Mann, der mit mehreren Frauen verheiratet ist, ist gesetzlich dazu verpflichtet, für jede einzelne seiner Frauen zu sorgen, ihr einen eigenen Hausstand einzurichten und sich um ihr Wohlergehen zu kümmern. Ist er dazu nicht imstande oder legt seine erste Frau Einspruch ein, würde er bei der Umsetzung der Polygamie gegen seine Religion verstoßen. Die Frau hingegen besitzt das Recht auf ein Zusammenleben mit mehreren Ehepartnern nicht. Das schöne Geschlecht wird bei dem Thema Polygamie eher missachtet.

Statt Polygamie: Polyamorie ist erlaubt

Zwar ist es strafbar, wenn mehr als zwei Menschen den Bund der Ehe miteinander eingehen, wenn eine Person jedoch mit mehreren Frauen oder Männern in einer Geschlechtsgemeinschaft zusammenlebt, darf niemand etwas dagegen einwenden. Menschen, die ihren natürlichen Trieben folgen und der Monogamie den Rücken kehren, bekennen sich zu einem Lebenswandel, der sich gegen die heutige europäische Gesellschaftsform richtet. Die Bezeichnung für diese Beziehungsform lautet Polyamorie. Oft wird Polyamorie mit der „offenen Ehe“ verglichen, aber die Befürworter derselben streiten das ab: Es geht nicht darum, neben dem Ehepartner eine Geliebte zu haben, sondern gleichzeitig mit mehreren Menschen in tiefer Liebe verbunden zu sein und mit diesen eine verantwortungsvolle Beziehung zu führen. Der wohl bekannteste Polygamist ist Rainer Langhans, der vor allem für seine Mitgliedschaft in der Kommune I, einer politisch motivierten Wohngemeinschaft, bekannt ist. Seit den 1960er Jahren lebt er mit einer Hand voll Frauen zusammen, die teilweise weitere Beziehungen mit anderen führen. Auch wenn die Akzeptanz in Bezug auf Polygamie gestiegen ist – Menschen, die mit mehreren Partnern zusammenleben, gelten als absurde Ausnahme und werden von Außenstehenden häufig als sonderbar betitelt.

Polygamie: Ein natürlicher Trieb?

Betrachtet man das Phänomen der Polygamie einmal aus evolutionstheoretischer Perspektive, so untermauert es die Aussage, dass alle Lebewesen dieser Erde von Natur aus darauf programmiert sind, für die bestmögliche Weitergabe ihrer Erbanlagen zu sorgen. Die genetische Ausstattung und die Fähigkeiten des Menschen haben sich seit 10.000 Jahren nicht verändert. Der heutige Mann – wussten wir’s doch! – unterscheidet sich biologisch nicht von dem Steinzeitmenschen, der seinen Tag mit Jagen verbrachte, für das Wohl der Familie sorgte und die Aufgabe hatte, möglichst viele Nachkommen zu zeugen. Der Samen muss schließlich verbreitet werden! Auch in der Tierwelt ist das nicht anders. Allenfalls drei bis fünf Prozent der Säugetiere leben monogam. Bonobos, Schimpansen und Playboys finden jedoch immer einen Weg, ihrer unerschöpflichen Promiskuität zu frönen. Sowohl Männchen als auch Weibchen gehen im Tierreich munter fremd – Zoologen sprechen dabei vom „Gen-Shopping“. Auch in der Partnerwahl zeigen sich Parallelen zum Homo sapiens. Es gilt das schönste Weibchen mit den optimalen Erbanlagen zu finden, um die besten Voraussetzungen für das Überleben der Nachkommen zu schaffen. Da kommt einem die Polygamie gerade recht! Was spricht auch dagegen dem Ruf der Natur zu folgen?

Solange alle Beteiligten damit einverstanden sind, dass es noch Nebenbuhler(innen) gibt, spricht nichts gegen die Beziehungsform der Polygamie. Warum also nicht mal das Leben einer Honigbiene führen? Umsorgt werden, sich die schönsten Männer aussuchen und sein Leben auskosten. Gemeinsam neue Erfahrungen machen, etwas mehr Toleranz aufbringen und dafür die Eifersucht minimieren. Im Idealfall entsteht ein buntes, lockeres und chaotisches Liebesdurcheinander, in dem Leidenschaft groß geschrieben wird. Ohne Scheidung und ohne Krise.

Bildquelle: Thinkstock/iStock/Slava_Vladzimirskaya


Kommentare (2)

  • blauerflummi am 22.08.2014 um 08:05 Uhr

    Ich bin sehr eifersüchtig, deswegen wäre Polygamie nichts für mich!

  • Feelia am 30.01.2012 um 20:59 Uhr

    eben.warum nicht...jedem das seine.

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