Offene Beziehung

Er will Sex mit einer anderen – was nun?

Katharina Lübkeam 17.06.2016 um 15:08 Uhr

Für die einen der wahr gewordene Traum, für die anderen nur grausam. Wenn der Partner plötzlich den Wunsch äußert, die Beziehung zu öffnen, ist das für viele Frauen wie ein Schlag ins Gesicht. Weder möchte man den Freund teilen und grübeln, wessen Schenkel er gerade liebkost, noch möchte man, dass dem Partner egal ist, von wem der eigene Schenkel liebkost wird. Aber ist der Wunsch auf Eurem Tisch, müsst Ihr damit umgehen.

Er will eine offene Beziehung führen? Vermutlich verunsichert Dich das zutiefst und Du fragst Dich, ob Du ihm nicht mehr reichst. Der Wunsch nach der offenen Beziehung steht für Dich gleichbedeutend mit dem Anfang vom Ende. Zunächst: Die Offenheit für andere muss keine Aufkündigung Eurer Paarbeziehung sein! Beziehungen verändern sich, ebenso Partner und deren Bedürfnisse. Der anfänglich dominierende Wunsch nach Geborgenheit tritt später vielleicht hinter dem nach Abenteuer zurück. Das ist natürlich anstrengend und holt Dich aus der Komfortzone heraus. Es zwingt aber auch zur Reflexion, und das ist nicht immer schlecht.

Der Wunsch nach einer offenen Beziehung verunsichert zutiefst.

Der Wunsch nach einer offenen Beziehung verunsichert zutiefst.

Ihr müsst reden!

Eine Reihe von Fragen stellen sich bei dem Thema offene Beziehung, sowohl an Deinen Partner als auch an Dich. Ihr müsst klären, was sich Dein Partner genau vorstellt, ob er gelegentliche spontane Begegnungen sucht oder gar eine Affäre? Klärt, ob und warum er sexuell unzufrieden ist, ob er einfach mal Neues ausprobieren will oder ob der Wunsch vielmehr auf ein tiefer gehendes Problem in der Partnerschaft hinweist. Fest steht: Eine Öffnung kann eine kaputte Beziehung nicht kitten. Nur eine stabile, glückliche und vertrauensvolle Partnerschaft verträgt „Dritte“. Dabei gilt: Je mehr Freiheit, desto mehr Sicherheit und Vertrauen braucht Ihr.

Nimm Dir Zeit und denk nach, was Du willst und was Du brauchst. Lässt Du Dich hineindrängen oder machst es Deinem Partner zuliebe, hast Du verloren. Merkst Du aber, dass Dich der Gedanke an andere Männer durchaus reizt und Du ein sexuelles Erlebnis von außen als Fantasie anregende Bereicherung wahrnehmen kannst, könnte das Konzept etwas für Dich sein. Bist Du zwar hin und wieder eifersüchtig, wohl aber in vernünftigen Maßen, ist das auch ein gutes Zeichen. Vielleicht denkst Du sogar, dass ein Abenteuer hier und da Euren Sex lustvoller und intensiver machen könnte.

Grundvoraussetzung ist, dass Du Dich damit wohlfühlst und Sicherheit hast, mit Dir selbst und Deinem Partner. Denke gründlich und in Ruhe darüber nach, fühle in Dich hinein. Fühlt sich der Gedanke gut an, hilft es, die Veränderung als positive Herausforderung zu sehen.

Regeln für eine offene Beziehung

Gemeinsame Unternehmungen und Rituale sind wichtig.

Gemeinsame Unternehmungen und Rituale sind wichtig.

Eine offene Beziehung erfordert viel Verhandlung. Das klappt nur, wenn Ihr absolut ehrlich und wertschätzend über Eure Gefühle, Wünsche, Bedürfnisse, Fantasien und Verletzungen reden könnt. Ihr müsst ganz genau festlegen, was erlaubt ist und was nicht. Legt fest, was genau Ihr Euch erzählt und was jeder für sich behält. Regelmäßige Gespräche helfen auch, Zweifel und Ängste, der andere könnte sich verlieben, zu begegnen. Auch das Kennenlernen der jeweiligen Drittpartner kann helfen, denn die persönliche Begegnung stärkt das Vertrauen ineinander, ebenso die Möglichkeit zum Veto.

Eine offene Beziehung kann nur funktionieren, wenn Ihr Euch zu hundert Prozent vertraut. Der Partner muss immer an erster Stelle stehen. Definiert Euch als Paar, vor allem gegenüber Freunden und Familie. Wichtig ist auch, Räume und Zeiten zu schaffen, die nur Euch gehören, in denen Dritte kein Zugang haben. Unternehmt „Paar-Dinge“, gemeinsame Essen, bei dem die Blicke nur einander gelten, Ausflüge oder Rituale.

Wenn alles passt, steht einer Öffnung nichts im Wege. Das ist aber in den seltensten Fällen so. Geht es Dir schlecht schon mit dem Gedanken daran und fühlst Dich unter Druck gesetzt, lass lieber die Finger davon. Schlussendlich gilt: Alles kann, nichts muss. Was sich gut anfühlt, ist gut. Was nicht, das nicht.

Bildquelle: iStock/AndreyPopov, iStock/shironosov

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