Warum verlieben wir uns
Katja Gajekam 12.01.2018

Verliebt zu sein ist eines der tollsten Gefühle, die man empfinden kann. Das ganze Leben scheint auf einmal perfekt zu sein und alle Probleme, die wir bisher hatten, wirken wie Nichtigkeiten. Manchmal kann uns jedoch auch überraschen, für wen unser Herz schlägt und wir neigen dazu, uns nach den Gründen dafür zu fragen. Wie genau verliebt man sich eigentlich in jemanden, und vor allem: Warum? Ist dieser emotionale Vorgang vielleicht sogar steuerbar?

Wie unterschiedlich wir uns verlieben

Jeder Mensch verliebt sich auf eine andere Art und Weise: Manche glauben an die Liebe auf den ersten Blick und sind sofort Hals über Kopf verschossen. Wochenlang reden sie von nichts anderem als davon, ihren „absoluten Traumpartner“ gefunden zu haben. Oft ist die schnelle Leidenschaft dann auch wieder verflogen, die Illusion der Realität gewichen und die vermeintlichen Liebesgefühle abgeklungen.

Bei anderen Menschen dauert es hingegen viel länger, bis sie wirklich verliebt sind, vor allem, wenn man eher zu den Kopfmenschen gehört (wie ich) und sich weniger von seinen Emotionen als seinem Verstand leiten lässt. Zudem soll es auch einen Unterschied zwischen der Art und Weise wie sich Männer verlieben und wie sich Frauen verlieben geben. Die Art und Weise ist also bei jedem anders, doch es gibt ein paar Faktoren, die bei jedem Entbrennen von Liebesgefühlen eine Rolle spielen können.

Frisch verliebt

Hals über Kopf: Warum wir uns verlieben, kann eine Menge Ursachen haben.

8 Gründe: Darum verlieben wir uns

#1 Der Partner kann unsere Bedürfnisse stillen

Wie beginnt die Zuneigung zu einer Person? Meist damit, dass uns jemand optisch gefällt. Wir projizieren auf ihn unser Idealbild eines Partners und denken unterbewusst, dass er uns genau das geben kann, was wir suchen. Weist er dann tatsächlich bestimmte Eigenschaften und Aspekte auf, die uns wichtig sind und uns anziehen, glauben wir, den möglicherweise perfekt zu uns passenden Menschen gefunden zu haben. Ob diese Begegnung Potential für mehr hat, zeigt sich in der Zeit danach. Fühlen wir uns zusätzlich sehr wohl bei dieser Person, ist die Basis für ein Verlieben perfekt.

#2 Viele Gemeinsamkeiten

Es gibt zwar das Sprichwort „Gegensätze ziehen sich an“, doch die Erfahrung hat gezeigt: „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ funktioniert einfach besser. Es müssen nicht immer nur gemeinsame Interessen sein, die ein Grund sein können, warum man sich verliebt. Gleiche Ansichten, ähnliche Wertevorstellungen und ähnliche Prioritäten im Leben sind oft die Grundlage einer dauerhaft funktionierenden Partnerschaft. Manchmal passen zwei Menschen sogar so gut zusammen, dass die Rede von Seelenverwandtschaft ist.

#3 Kombination aus Erregung + Zusammenpassen

Paar küsst sich auf Berg

Wenn man erregt ist, verliebt man sich schneller.

Es ist kein Geheimnis, dass gut funktionierende Partnerschaften auf emotionaler und sexueller Kompatibilität beruhen. Doch bevor es überhaupt zum Sex kommt, kann auch eine andere Form der Erregung eine Rolle spielen und zum Verlieben führen. Ein gemeinsam erlebtes Abenteuer, eine Ausnahmesituation, Sport oder ein gemeinsamer Urlaub (was auch die oft so intensive Urlaubsliebe erklärt) stellen Zeitpunkte dar, in denen wir mehr unter Strom stehen, als im Alltagstrott. Durch die empfundene Erregung beziehungsweise den Stress neigen wir dazu, die uns am nächsten befindende Person plötzlich attraktiver zu finden. Haben wir ansonsten auch noch Gemeinsamkeiten mit ihr, steigt die Anziehungskraft stark an.

#4 Lange Vertrautheit

Manchmal verlieben wir uns in jemanden, den wir schon lange kennen oder der sich regelmäßig in unserem Umfeld aufhält. Das liegt daran, dass wir ihn recht gut einschätzen können, wissen, was er mag und auch, welche Eigenschaften uns an ihm gefallen. Doch warum wird zum Beispiel aus einer Freundschaft nach Jahren plötzlich Liebe? Der Grund sind oft veränderte Lebensumstände: Waren einer oder beide der Partner bisher gebunden, verbringen sie nun mehr Zeit miteinander als früher oder sind Dinge und Probleme, die sie bisher abgelenkt haben, aus dem Weg?

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#5 Hormone

Wird die Liebe nicht oft als ein Hormoncocktail bezeichnet? Diese Behauptung kommt nicht von ungefähr. Denn wenn wir uns verlieben, haben drei sogenannte „Glückshormone“ ihre Finger im Spiel: Dopamin, Serotonin und Oxytocin. Und als wäre das nicht schon genug, kommt noch das Stresshormon Adrenalin hinzu.

  • Dopamin: Frisch verliebt zu sein ist eine Sucht – man braucht den anderen die ganze Zeit um sich, der Dopaminspiegel ist stark erhöht und ist der andere nicht da, sinkt er und wir fühlen uns schlechter.
  • Serotonin: Ein niedrigerer Serotoninspiegel macht uns innerlich unruhig, wir können nicht essen, nicht schlafen und nur noch an die andere Person denken. Zusätzlich haben wir auch noch einen Tunnelblick (ja, Liebe macht tatsächlich blind): Selbst negative Eigenschaften des Partners werden als süße Marotte angesehen, alles was er sagt oder tut wird als positiv betrachtet.
  • Oxytocin: Das „Kuschelhormon“, das beim Sex ausgeschüttet wird, um uns an unseren Partner zu binden, ist schuld, dass wir uns auch mal in eine Affäre verknallen, mit der wir eigentlich nur was Lockeres haben wollten.
  • Adrenalin: Die Schmetterlinge im Bauch, das Herzrasen und die Nervosität eines verliebten Menschen sind die Symptome von positivem Stress.

#6 Verhältnis zu den Eltern

Mädchen mit Papa

Das Verhältnis zum Vater ist oft prägend.

Man hört oft vom sogenannten Vaterkomplex, der bei manchen Frauen die Partnerwahl tatsächlich stark beeinflussen kann. Denn unser Vater ist meist die erste männliche Bezugsperson, die wir überhaupt haben. Er prägt unser Bild von einem Mann, weshalb es schon mal vorkommen kann, dass unser Partner gewisse Ähnlichkeiten mit ihm aufweisen kann – sei es nur die Augenfarbe, Haarfarbe oder die Statur. Extremer kann es in Fällen werden, in denen eine Frau als Kind oder Jugendliche unter einem sehr dominanten oder gar gewalttätigen Elternteil gelitten hat. Diese neigen laut Studien tatsächlich dazu, sich später einen Partner mit ähnlichen Zügen zu suchen. Und sehnte man sich damals stets nach der Liebe von Mutter oder Vater, gerät man als Erwachsene nicht selten an jemanden, der seine Gefühle ähnlich schlecht ausdrücken kann.

#7 Geruch

Jeder Mensch scheidet Pheromone, also Sexuallockstoffe, aus. Unter anderem diese Stoffe entscheiden, ob wir jemanden „riechen“ können oder nicht. Mögen wir seinen Geruch, fühlen wir uns auch automatisch mehr zu ihm hingezogen als zu jemandem, dessen natürlicher Duft unserer Nase nicht gefällt. Auch das Sexualhormon Testosteron soll seinen Anteil am Geruch haben: Je mehr davon im Männerschweiß enthalten ist, umso attraktiver soll derjenige auf Frauen wirken.

#8 Beuteschema

Fühlst du dich auch immer wieder zum selben Typ Mann hingezogen? Dann hast du vermutlich ein ganz bestimmtes Beuteschema, ob bewusst oder unbewusst. Wenn wir jemanden treffen, der aussieht wie unser Ex, dann vermuten wir unterbewusst Gemeinsamkeiten und ähnliche Charakterzüge zwischen diesen beiden Männern. Eine gewisse Vertrautheit entsteht zu der Person und die Grundlage für eine wachsende Zuneigung ist gegeben. Vor allem, wenn wir eigentlich noch ein bisschen an unserem Ex hängen, versuchen wir eher, im selben Muster zu bleiben, statt uns für jemanden außerhalb unseres Beuteschemas zu interessieren.

Verliebtes Paar

Was kommt nach der Verliebtheitsphase?

Wie aus Verliebtheit Liebe werden kann

Während das Verliebtsein quasi noch eine Zuneigung „in progress“, also in der Entwicklung ist, ist die Liebe ein fester und langandauernder Zustand. Man kennt seinen Partner mit all seinen Facetten und hat gelernt, diese zu akzeptieren. Ist man verliebt, kann es schnell in alle Richtungen gehen: Die Zuneigung kann abflachen oder auch stärker werden.

Wenn das fiese Zusammenspiel der Hormone nachgelassen hat und die Honeymoon-Phase vorbei ist, zeigt sich, ob der gewählte Partner wirklich zu uns passt und ob die Liebesgefühle Bestand haben können. Dies ist meist nach etwa sechs Monaten der Fall – ein wichtiger Zeitpunkt in einer Beziehung. Reichen die Gemeinsamkeiten und die Anziehung aus, sind wir gemeinsam bereit, an uns und unserer Beziehung zu arbeiten, wenn es Probleme gibt? Kann ich mir eine gemeinsame Zukunft mit ihm vorstellen? Bringt er in mir den Menschen zum Vorschein, der ich immer sein wollte? All diese Fragen tauchen nun nach und nach auf und verlangen nach einer baldigen Antwort und sollte diese „Ja“ lauten, dann haben beide Partner die Chance, langfristig glücklich miteinander zu sein. Diese Etappen durchläuft eine gut funktionierende Beziehung im Laufe der Zeit:

Diese 11 Phasen macht jede Beziehung durch!

Fest steht: Verlieben ist ein unterbewusster Prozess, der sich nur bedingt beeinflussen lässt. Ob wir uns überhaupt verlieben und wie schnell das passiert, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Ob wir bereit sind, uns auf jemanden einzulassen, oder ob wir uns durch negative Erfahrungen und alte Ängste selbst Barrieren in den Weg legen und jegliche Liebesgefühle aus Vorsicht unterdrücken. Wenn wir uns dann aber doch verlieben, führen wir das selten auf pragmatische oder messbare Gründe zurück: Wir sind einfach verliebt und das ist das Schönste überhaupt.

Bildquelle:

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