hotel mama
Anett Pohlam 01.10.2010

Zuhause ist es doch am schönsten. Im „Hotel Mama“ gibt es Vollpension zum Nulltarif und noch dazu einen exzellenten Service, wie man ihn sonst nur aus dem Hilton kennt: Morgens liegt die Wäsche gebügelt bereit, mittags dampft das Essen auf dem Tisch und abends kann man mit Mama und Papa eine Partie Halma spielen. Ist das schön! Finden zumindest viele Männer jenseits der 25, die noch immer im elterlichen Nest campieren…

Lassen wir zunächst die Fakten sprechen! Laut statistischem Bundesamt wohnt fast die Hälfte der männlichen Bevölkerung mit 24 Jahren noch bei den Eltern. So weit so gut. Noch kein Beinbruch. Doch gruselig wird es, wenn man sich die Zahlen der Dreißigjährigen ansieht – denn in diesem Alter wohnen noch immer satte 14 Prozent bei Mami und Papi. Bei den Frauen sind es dagegen nur noch 5 Prozent.

Was sagt es über einen Mann im besten Alter aus, der gut verdient und rein finanziell gesehen durchaus auf eigenen Beinen stehen könnte, wenn er trotzdem mit dreißig Jahren noch an Mamas Rockzipfel hängt? Da ist doch was faul. Oder besser: jemand. Denn was, wenn nicht Bequemlichkeit, hält einen so lange bei den Eltern? Da muss man doch zu Recht annehmen, dass so ein Typ Marke „Nesthocker“ eine Freundin sucht, die ihn genau wie Mama rundum versorgt – wobei er selbst natürlich keinen Finger im Haushalt krumm macht.

Immer wieder begegnen einem männliche Exemplare, die abends zuhause anrufen, wenn es mal später wird. Damit Mama nicht umsonst mit dem warmen Essen wartet. Sehr rücksichtsvoll, aber irgendwie auch ganz schön unsexy. Jungs, jetzt mal ehrlich: Wann werdet Ihr endlich flügge? Warum bleibt Ihr so lange im „Hotel Mama“ wohnen?

Liebe Frauen,
Ihr mit Eurer Statistik, Ihr kommt Euch wohl oberschlau vor. Wir dagegen haben zwar keine Zahlen, dafür aber die besseren Argumente.

Erstmal: Dass Ihr Frauen ganze ein oder zwei Jahre früher bei Mama und Papa auszieht, lässt sie ja schon mal ganz leicht damit relativieren, dass Ihr keinen Wehr- oder Zivildienst leisten müsst und somit schließlich auch früher mit der Ausbildung oder dem Studium fertig seid. Das sollte man vielleicht auch erwähnen, wenn man schon mit Zahlen und pseudowissenschaftlichem Anspruch daherkommt! So riesengroß, wie Ihr es darstellt, ist die Geschlechter-Kluft wohl also doch nicht.

Übrigens stehen wir im Ländervergleich noch ziemlich gut da! In Italien zum Beispiel leben 70 (!) Prozent der unverheirateten Männer über dreißig noch zuhause und lassen sich Pizza und Pasta à la „Mamma“ schmecken! Da liegen wir mit unseren nicht einmal 15 Prozent doch wirklich gut im Rennen.

Aber um mal zu dem Vorwurf zu kommen, wir blieben allein aus reiner Bequemlichkeit so lange im Elternhaus – zugegeben, es ist ja nicht so, dass es uns direkt unangenehm wäre, wenn unsere Wäsche immer frisch gewaschen und der Kühlschrank immer gut gefüllt ist. Wir sind ja schließlich viel beschäftigt und da ist es schon praktisch, wenn man sich nicht noch mit Klopapier-Einkäufen und angebranntem Reis herumschlagen muss. Aber das ist definitiv nur ein positiver Nebeneffekt. Hauptsächlich sehen wir unseren verlängerten Aufenthalt im „Hotel Mama“ eher pragmatisch. Es kostet nichts, wir können ungestört an unserer Karriere feilen (oder studieren ohne uns nebenher abzurackern), ersparen uns eine Menge Ärger mit nervigen Vermietern und überteuerten Stromrechnungen und können auf diese Weise in Ruhe Kohle scheffeln. Und die Eltern freut’s, wenn der Junge noch länger daheim bleibt. Im Fachjargon nennt man das eine Win-Win-Situation.

Wir verstehen nicht, was Ihr für einen Aufstand macht, nur weil ein Typ etwas länger bei seinen Eltern wohnen bleibt. Wenn die Richtige kommt, kann man immer noch ausziehen. Und wenn Ihr das mit dem zuhause anrufen „unsexy“ findet, dann stehen wir da einfach drüber. Aber, mal ganz im Vertrauen: Wenn wir Mama anrufen, um ihr zu sagen, dass es später wird, dann tun wir das nicht, damit sie nicht umsonst mit dem warmen Essen wartet. Sondern, damit sie es auch ja lange warm hält. Mahlzeit!


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Was denkst du?

  • Legiona am 15.06.2012 um 10:46 Uhr

    Grausam oder? Da haben mich auch die Männlichen Argumente auch mal gar nicht überzeugt, man(n) kann doch stolz sein selbstständig zu sein und mit einer wundervollen Frau zusammen zu wohnen.

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  • Nikki_92 am 24.02.2011 um 13:28 Uhr

    Nur mal am rande grundwehrdienst ist jetzt noch 6monate und Pflicht ist es auch nicht. mein freund ist 24 und wohnt auch noch zuhause find ich nicht so dramatisch aber nächstes jahr so im juli werden wir zusammen ziehen. 🙂

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  • Kuessmich am 26.11.2010 um 11:38 Uhr

    meiner ist schon sehr früh von zu HAuse ausgezogen, aber ich kenn auch andere

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  • Rosenrot am 14.10.2010 um 18:41 Uhr

    Mein Freund ist zum Glück schon mit 18 von zuhause aus- und bei mir eingezogen 😀

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  • supersusi80 am 13.10.2010 um 07:34 Uhr

    Meiner ist zum Glück schon lange bei Mama ausgezogen.

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  • KitCatty am 12.10.2010 um 09:45 Uhr

    Ist ja wie bei "Schwiegertochter gesucht" 😉

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  • Dani80 am 04.10.2010 um 10:54 Uhr

    Solche Exemplare kenn ich auch.

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