Young woman looking at phone and screaming
Christina Cascino am 27.10.2015

Stalking leicht gemacht! Dank Internet und Apps wie WhatsApp haben wir heutzutage die Möglichkeit, 24/7 miteinander zu kommunizieren – ganz egal, wo wir uns gerade auf der Welt befinden oder mit was wir eigentlich gerade beschäftigt sein sollten. Allerdings hat dies auch seinen Nachteil: Denn durch solche Dienste kann man auch ganz einfach seinen Partner kontrollieren – wann war er zuletzt online, wann hat er die Nachricht gelesen … Stress vorprogrammiert!

18:33 Uhr – Anna hat es geschafft, sich einen Tag, einundzwanzig Stunden und vierunddreißig Minuten lang nicht bei Tim zu melden. Nicht weil sie nicht wollte, sondern weil sie will, dass er es tut. Jetzt hat sie lange genug gewartet. Sie tippt in ihr Smartphone: „Na, wie war dein Tag?“ 18:34 Uhr – ein kleiner Haken erscheint neben ihrer WhatsApp-Nachricht. Einer – nicht zwei! Tim hat es noch nicht gelesen. 18:40 Uhr – immer noch nur ein Haken. „Kann der denn nicht mal auf sein Handy schauen?“ 18:53 Uhr– der eine kleine Haken macht Anna so langsam wahnsinnig. 20:16 Uhr – der kleine Haken ist nicht mehr allein. Er hat einen Freund und beide sind nun blau. Die Nachricht wurde gelesen! Zuletzt online um 20:03 Uhr – „Mist, gerade verpasst.“ 20:44 Uhr – Tim ist online. „Jetzt schreibt er mir bestimmt gleich.“ 20:46 Uhr – Tim ist offline, ohne Anna zu schreiben. Das Spiel wiederholt sich etliche Male, bis Anna am Ende des Abends – immer noch ohne Antwort von Tim – nur noch eines denkt: „So ein Idiot!” Und ohne, dass irgendetwas Schlimmes passiert ist, findet Anna Tim plötzlich ganz und gar nicht mehr toll. Sie fühlt sich versetzt, verletzt und kann nicht einschlafen. Schließlich ist keine Antwort auch eine Antwort.

Die blauen Haken – Beziehungskiller im Cyberspace

Das ewige Warten auf die blauen Haken! Fast jeder wird die eben beschriebene Situation oder eine ähnliche schon einmal erlebt haben. Denn viele Menschen vergessen, dass „online“ nicht gleich bedeutet, dass jemand auch gerade Lust oder Zeit hat, mit einem zu schreiben. Und auch die doppelblauen Häkchen sollten keine Verpflichtung sein, direkt zu antworten. Kein Wunder, dass sich Singles immer wieder in der altbekannten Floskel „Früher war alles besser“ wiegen, wenn es um Sachen wie Dating und Liebe geht. Um seinem Angebeteten zu imponieren, verfasste man damals seitenlange Liebesbriefe und musste dann vor allem eins: Warten! Und dieses Warten ist uns Menschen durch das schnelllebige Zeitalter, in dem wir leben, abhanden gekommen. Wir wollen immer alles und das am besten sofort.

Das Thema „Hat-er-nun-eigentlich-meine-Nachricht-gelesen-oder-nicht-und-wenn-ja-warum-zum-Teufel-schreibt-er-nicht-zurück?“ beschäftigt heutzutage viele Frauen. Doch warum ist das so? Ganz einfach: Weil wir schwach sind und wir die Möglichkeiten haben, alles über den anderen in Erfahrung zu bringen. „Aha, er war nachts um 3:48 Uhr noch wach. Mir hat er nicht geschrieben. Wem dann? Wer ist diese Frau, mit der er bei Facebook plötzlich befreundet ist und deren Fotos er liket? Und wieso hat er bei der Party nächsten Samstag schon zugesagt und mir nichts davon gesagt?“ All diese Fragen kommen heutzutage innerhalb weniger Klicks auf: Willkommen im Cyber-Terror! Doch nicht nur Facebook, Instagram oder WhatsApp bieten jederzeit die Möglichkeit, seinen Flirtpartner zu „überwachen“, auch die neuen Datingplattformen wie Tinder oder Lovoo bergen große Kontrollgefahren. Gerade einmal eine Stunde ist es her, dass man sich von seiner neuen Bekanntschaft nach einem schönen gemeinsamen Abend verabschiedet hat, schon zückt man sein Smartphone und siehe da: Der angebliche Traummann war vor 5 Minuten das letzte Mal online! Und Tschüß!

Süchtig nach Kontrolle

Ein gelungenes Date mit einem tollen Menschen zu haben ist wunderbar. Wir mutieren zu einem selig vor sich hin grinsenden Etwas, das sich auf ein Wiedersehen freut. Und dann kommt da dieser stille Drang in uns auf, das schöne Gefühl, das wir eben noch hatten, irgendwie zu zerstören. Statt einfach zu genießen, beginnen wir, uns den Kopf zu zerbrechen. Er schreibt nicht gleich zurück? Das kann natürlich nicht daran liegen, dass er gerade in einem wichtigen Meeting oder zu Besuch bei seiner Oma ist. Nein! Es ist immer – und das ist tatsächlich in jedem Fall sicher – ein Zeichen dafür, dass er kein Interesse an uns hat. Also entscheiden wir uns bewusst dazu, uns zum Sklaven zweier blauer Häkchen zu machen. Natürlich checken wir auch noch einmal auf Facebook, ob der Traumtyp in der Zwischenzeit online war und vielleicht mit einer Anderen geschrieben hat.

Wir lassen uns mit Leichtigkeit dazu verleiten, uns wie 15-Jährige Teenager zu verhalten, die heimlich ausspionieren, wie der Traumann mit einer anderen schreibt. Sätze wie „Er ist ständig online bei WhatsApp und kriegt es nicht einmal hin mir eine Nachricht zu schicken. Der schreibt doch bestimmt mit dieser Anderen“ oder „Ich drehe durch, wenn ich sehe was er immer unter ihren Fotos bei Facebook kommentiert. Der steht doch bestimmt auf die!“ sind heute keine Seltenheit mehr. Jeder ist irgendwie mit jedem vernetzt und sieht somit auch zu jeder Zeit was der Andere gerade so treibt. „Habe mein Handy zu Hause liegen lassen“ ist heute keine so günstige Ausrede mehr, da mittels genauer Aufzeichnung der On- und Offlinezeiten, jede Lüge sofort aufgedeckt wird. Wir verschwenden also wertvolle Zeit damit, uns auszumalen, was der Andere gerade tut, warum er uns nicht antwortet und zerbrechen uns ständig den Kopf über Nichtigkeiten. Und wenn der Andere dann von unserem Kontrollwahn genervt ist und diese kleinen fiesen blauen Häkchen, von denen Frau doch so viel abhängig zu machen scheint, einfach ausschaltet, fragen wir sofort, was er denn bitteschön vor uns zu verbergen hat. Egal wie, der Stress ist vorprogrammiert.

Schutz und Feigheit

Doch warum sind wir nicht in der Lage, als erwachsener Mensch über so etwas zu stehen? Nummer-eins-Begründung aller Singles: Lieber denke ich er hat kein Interesse, als dass ich mir Hoffnungen mache, nur um dann festzustellen, dass er tatsächlich kein Interesse hat. Klingt verständlich. Aber müssen wir uns deswegen gleich abhängig machen? Fast so, als hätten wir sonst nichts zu tun in unserem Leben als auf eine blöde Nachricht zu warten. In der Zeit, die man damit verbringt, wortlos auf einen Handy-Bildschirm zu starren, hätte man viel bessere Dinge erleben können. Lege doch stattdessen einfach mal die Tatsachen auf den Tisch und sage was dir nicht passt, anstatt sich still und heimlich bei der besten Freundin aufzuregen und zu fachsimpeln, ob der Angebetete nun Interesse hat oder nicht und ob Du die Einzige für ihn bist oder nicht.

Die Kommunikation via Handybildschirm verleitet uns oft dazu, misszuverstehen, misszuinterpretieren und vorschnell zu urteilen. Vielmehr sollte man in dem ganzen Cyber-Wahnsinn gelassen bleiben und versuchen, der Sache nicht so viel Bedeutung beizumessen. Schreibt Eurem Liebsten wann ihr möchtet und ihr werdet sehen, dass er sich früher oder später melden wird, wenn er wirklich an Euch interessiert ist. Vielleicht schaffen wir es so am Ende tatsächlich, uns innerlich ein bisschen frei zu machen und so zu vermeiden, dass eine simple App für uns zum Liebeskiller wird.

Bildquellen: iStock/rilueda


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