Ungleiche Paare

Gegensätze ziehen sich an: Stimmt das?

Susanne Falleram 10.05.2016 um 11:43 Uhr

Es gibt eine Floskel, die man in Sachen Liebe und Beziehung immer wieder hört: „Gegensätze ziehen sich an“. Und dann gibt es die Gegenseite, die behauptet: „Gleich und Gleich gesellt sich gern“. Doch was stimmt denn nun, gibt es eine Tendenz bei der Partnerwahl, zu der wir eher neigen?

Das schüchterne Mauerblümchen sucht sich den extrovertierten Bad Boy. Der dunkelhaarige Muskelprotz die zarte Blondine. Die Power-Frau den gefühlsbetonten Softie. Auffällig oft scheint in der Liebe dieses ganz bestimmte Muster der Ungleichheit einzusetzen. Was auf den ersten Blick so gar nicht zusammenpassen will, findet zueinander und scheint perfekt zu harmonieren. Doch andersrum gibt es auch Partner, die sich so ähnlich sind, dass es manchmal schon erschreckend ist. Gegenseitiges Gedankenlesen und Sätze vollenden, sogar optische Gleichheiten, die sich nicht übersehen lassen. Gesellt sich Gleich und Gleich doch gern? Wissenschaftler forschen natürlich schon lange an der Thematik und immer wieder wurde eine der beiden Annahmen für richtig erklärt. Die Wahrheit scheint jedoch eher wie bei vielem anderen zu sein: Die Mischung macht’s.

Gegensätze ziehen sich an

Wer so ganz anders ist als wir, der wirkt oftmals ziemlich anziehend

Gegensätze ziehen sich an – oder doch nicht?

Auf den ersten Blick ist klar, warum wir so auf Menschen stehen, die uns so gar nicht ähnlich sind. Es ist schlicht und einfach die Neugierde und die Suche nach einem Abenteuer, einer Herausforderung, die natürlich mit etwas bisher Unbekanntem verbunden ist. Sogar die Evolution spielt eine Rolle: eine große biologische Vielfalt ist bei der Fortpflanzung nämlich gefragt. Deshalb wollen wir unser Erbgut automatisch mit etwas ganz anderem vermischen. Doch ob aus der anfänglichen Begeisterung auf Dauer eine glückliche Beziehung werden kann, wenn es durch zu unterschiedlichen Persönlichkeit eine große Reibungsfläche gibt, die zu Diskussionen und Streitereien führt, ist fraglich. Trotzdem: Ganz falsch ist die Annahme nicht, dass sich Gegensätze anziehen. Doch genauso wenig die, dass sich Partner mit ähnlichen Ansichten zueinander gesellen.

Gemeinsamkeiten finden

Bei ersten Dates sucht man automatisch nach Gemeinsamkeiten

Denn schauen wir uns auch hier einmal das Phänomen an, stellen wir fest, dass es durchaus auch seine Richtigkeit besitzt. Wenn wir jemanden kennenlernen, dann suchen wir automatisch nach Gemeinsamkeiten – allein schon deshalb, weil wir Gesprächspunkte finden wollen, durch die wir mit dem Gegenüber erste zarte Bande knüpfen können. Das bestätigt auch der US-amerikanische Psychologe Paul Eastwick von der University of Texas. Gleichzeitig sagt er jedoch, dass es gerade beim ersten Treffen oft so ist, dass wir vermeintlich große Gemeinsamkeiten falsch einschätzen. Wenn man die andere Person nämlich auf den ersten Blick schon sympathisch und attraktiv findet, wird selbst die kleinste Gemeinsamkeit – zum Beispiel das Lesen derselben Tageszeitung – als perfekte Übereinstimmung und Grundlage für eine Beziehung wahrgenommen.

Eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America“ erschienen ist, bekräftigt, dass man sich Partner sucht, die einem ähnlich sind. Hier spielte besonders die emotionale Ebene eine Rolle: Den Testpersonen der Studie wurden Videos vorgespielt, in denen sie Emotionen von Personen erkennen sollten. Je sicherer sie sich waren, die Gefühle einer Person einschätzen, ja vielleicht sogar von sich wiedererkennen zu können, desto attraktiver fanden sie die Person im Endeffekt auch. Ähnliche Gefühlslagen scheinen also auch eine Rolle bei der Partnerwahl zu spielen.

Die perfekte Mischung aus Gegensätzen und Gleichheiten

Gleich und Gleich gesellt sich gern

Gleich und Gleich gesellt sich gern? Nur bedingt

Gegensätze ziehen sich an vs. Gleich und Gleich gesellt sich gern: Was stimmt nun? Im Endeffekt darf wahrscheinlich keine der beiden Seiten stark überwiegen. Die Balance zwischen Ungleichheiten und Ähnlichkeiten ist wichtig, quasi ein Yin und Yang der Liebe. Gegensätze sind zum Beispiel dann gut, wenn es um Dominanz geht. Zwei extrovertierte Sturköpfe werden auf Dauer eher aneinander geraten als zwei, bei denen ein dominanter Partner keine Konkurrenz hat, sondern nur ab und zu ein nötiges Kontra bekommt. Was die gemeinsame Zukunftsplanung angeht, sind Gleichheiten auf Dauer dagegen unerlässlich. Ebenso kann Kommunikation ein Reibungspunkt sein, wenn der eine sehr diskussionsfreudig ist, während der andere eher schweigsam ist und einfach seine Ruhe haben will. Deshalb ist eine ähnliche Auffassung von Streiten wichtig.

Wer und was perfekt zueinander passt, hängt von sehr unterschiedlichen Faktoren ab. Ob sich Gegensätze anziehen oder Gleich und Gleich gern gesellen, lässt sich endgültig wohl nie richtig festlegen. Dafür ist Liebe einfach zu zufällig und in vielen Punkten einfach zu schwer eindeutig in ein Muster einzuordnen. Wo die Liebe eben hinfällt.

Bildquelle: iStock/mucella, iStock/Dmitrii Kotin, iStock/AndreyPopov

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