Wisch und weg

Dating-Apps: Die neue Generation des Flirtens

Christina Cascinoam 24.03.2016 um 16:26 Uhr

Das Smartphone ist heutzutage unser ständiger Begleiter: Wir nutzen es zum Chatten und Telefonieren, zum Online-Shoppen, um mal eben die Mails zu checken und mittlerweile auch, um einen Partner zu finden. Millionen von Usern betreiben mittlerweile mobiles Dating. Liebe auf den ersten Klick? Wie das Internet unsere Beziehungen verändert!

Es ist so einfach: Einmal über das Display nach links gewischt und der angezeigte Mensch ist aussortiert. Gefällt einem, was man sieht, dann geht es mit einem Wisch nach rechts in die nächste Runde. Flirten auf dem Smartphone ist heute keine Seltenheit mehr: Dating-Apps gibt es wie Sand am Meer, allein in Deutschland nutzen rund zwei Millionen Menschen die kommerzielle App Tinder, die 2012 in Amerika an den Start ging – täglich kommen bis zu 8.000 Nutzer hinzu. Doch was steckt eigentlich hinter dem Hype solcher Dating-Apps? Und was machen solche Apps zur Partnersuche wirklich mit uns?

„Na, wie habt ihr euch beide denn kennengelernt?“ „Über Tinder“. Solche Aussagen sind heutzutage keine Seltenheit mehr: Laut einer amerikanischen Studie nutzen 40 Prozent aller Singles weltweit Dating-Apps. Würden wir von dieser Art des Kennenlernens unseren Großeltern erzählen, würden die vermutlich nur verständnislos den Kopf schütteln und sich fragen, was aus den guten alten Zeiten geworden ist. Und damit haben sie auch gar nicht so Unrecht, denn sind wir mal ehrlich, verleiten uns diese Apps zur Partnersuche doch immer mehr zu einer „Liebe“ ohne Bedeutung, Moral und Werten.

Dating-Apps: Schnell und einfach

Leider gibt es an der Sache, dass wir mit Dating-Apps potentielle Liebhaber innerhalb einer Nanosekunde beurteilen und schnell wieder wegwischen, wenn sie uns nicht gefallen, nichts schönzureden. Denn wie soll man auch innerhalb von so kurzer Zeit wirklich erkennen, ob dieser Mensch nicht doch vielleicht das perfekte Gegenstück zu uns wäre? Mehr als ein paar Fotos, den Namen und das Alter wissen wir nicht. Hin und wieder trauen sich ganz „Mutige“ zu einer, sagen wir „Standard“-Beschreibung à la „Ich bin super sportlich, humorvoll, unternehmungslustig und wünsche mir eine Partnerin, mit der ich Pferde stehlen kann.“ Next, please! Denn solche Charakterisierungen reichen uns nicht mehr, wir wollen mehr: Mehr Aufregung, mehr Reiz, weniger Langeweile. Und so wischen wir weiter und weiter und warten darauf, dass uns dieser Mann irgendwann auf dem Bildschirm angezeigt wird. Und wir ihn auch anhand von drei Fotos erkennen!

Dating-Apps wie Tinder, Lovoo oder Badoo verleiten uns immer mehr dazu, oberflächlich zu handeln und uns Menschen nur nach dem Aussehen auszusuchen, ohne mit ihnen jemals ein bloßes Wort gesprochen zu haben. Ist das richtig so? Was ist, wenn sich der rothaarige Nerd als heißer Liebhaber entpuppt, mit dem man sich super unterhalten kann und der den gleichen Humor hat? Verpassen wir mit solchen Apps zur Partnersuche nicht die Gelegenheit, uns auch mit Menschen zu unterhalten, die eigentlich so ganz und gar nicht in unser Beuteschema passen, um dann möglicherweise festzustellen, dass auch die potentielle Partner sein könnten? Gehen uns durch die Partnersuche 2.0 nicht die wirklich realen Menschen verloren und damit auch die ganz große Liebe?

Auf der Suche nach etwas Besserem

Auch für eine reale Partnerschaft bergen Dating-Apps Gefahren: Läuft die eigene Beziehung nicht mehr ganz so rund, können wir uns ja schon einmal vorab umschauen, was der Markt so hergibt. Wir brauchen uns nicht mehr wirklich „anzustrengen“, um fremdzugehen, eine einfache App macht es möglich, denn Tinder und Co. eröffnen neue Möglichkeiten, die ohne sie nicht existiert hätten. Dass dies nicht zuletzt zu einem Teufelskreis führt, da man immer weiter nach etwas Besserem sucht, lässt sich nicht verschweigen.

Dating-Apps bieten viele Möglichkeiten

Natürlich sind diese Dating-Apps nicht grundsätzlich schlecht: Durch sie haben wir heutzutage auch die Möglichkeit, mit viel mehr Menschen in Kontakt zu kommen. Wer von der schüchternen Sorte ist und sich nicht traut, im Club oder in der Bar jemanden anzusprechen, der hat hier die Chance, einen Partner zu finden. Dating-Apps bieten uns im Grunde alles, was wir gerade wollen: Wir können uns mit unterschiedlichen Menschen austauschen, verschiedene Meinungen und Weltanschauungen teilen, gemeinsame Dinge unternehmen, uns bei Liebeskummer trösten lassen, neue Freunde finden, schnellen und ungebundenen Sex haben oder einfach nicht alleine sein müssen, wenn wir es gerade nicht wollen.

Das sind die fünf bekanntesten Dating-Apps:

Tinder

Tinder ist die Dating-App für Schnelle. Allein in Deutschland hat Tinder etwa zwei Millionen User, weltweit sind es geschätzt 50 Millionen. Die App funktioniert super einfach: Einfach mit Deinem Facebook-Account anmelden, Fotos und wenn Du willst einen Beschreibungstext festlegen und losflirten. Anhand des eigenen Standorts und je nach gewünschter Entfernung schlägt Dir Tinder potenzielle Partner vor. Bei Gefallen wischt man das Bild nach rechts, bei Desinteresse nach links. Erst bei einem „Match“, also wenn beide Parteien Interesse haben, darf gechattet werden.

Lovoo

Lovoo funktioniert vom Grundprinzip her ähnlich wie Tinder, bietet bei der Profilgestaltung aber deutlich mehr Möglichkeiten: Hier kannst Du auch Interessen, Religion, Wohnsituation oder Ähnliches angeben. Zu dem Match-Spiel gibt es zudem ein Radar, der Dir Flirtwillige in der Umgebung anzeigt. Allerdings darfst Du maximal fünf Chat-Anfragen pro Tag verschicken und potenzielle Matches können nur gegen Credits aufgedeckt werden. Lovoo hat in Deutschland circa vier Millionen Mitglieder.

Badoo

Mit rund drei Millionen Nutzern allein in Deutschland ist Badoo eine der beliebtesten Dating-Apps. Badoo hat sich zwar auf Dating und Flirten spezialisiert, jedoch nutzen auch viele User diese App, um neue Bekanntschaften und Freunde zu finden. Badoo bietet neben der Umkreissuche und dem Matching-Spiel, auch das Spiel „Volltreffer“. Bei diesem kann man Profilbilder anderer Mitglieder „liken“. Wenn zwei Singles ihr Profilbilder gegenseitig liken, stellt die App den Kontakt her.

Jaumo

Eine weitere Alternative ist Jaumo. Neben einer Suchfunktion und der Match-Funktion namens „Zapping“ werden auch User, die gerade online sind, angezeigt. Zusätzlich gibt es einen optionalen Persönlichkeitstest. Die Macher der App versprechen zudem eine deutlich bessere Gewährleistung der Anonymität ihrer User als bei anderen Dating-Apps sowie weniger Fake-Profile.

Bumble

Diese Dating-App wurde von einer ehemaligen Tinder-Mitarbeiterin ins Leben gerufen. Ihr ging es dabei darum, die sexistischen und anzüglichen Nachrichten an Frauen zu beseitigen. Somit dürfen bei Bumble nach einem Match nur Frauen den ersten Schritt machen und eine Nachricht schreiben. In Deutschland nutzen allerdings noch recht wenige Menschen die App.

Willkommen im Dating-Zeitalter 2.0! Auch wenn uns Dating-Apps wie Tinder, Lovoo und Jaumo eine zusätzliche Möglichkeit bieten, einen neuen Partner bzw. ein kurzes Abenteuer zu finden, sollten wir dennoch nicht vergessen, dass es zur echten Liebe wohl mehr braucht als ein bloßes Wisch und weg!

Bildquelle: iStock/Tijana87

Kommentar (1)

  • Ihr habt Candidate vergessen! :) Bin da vielleicht etwas voreingenommen, weil ich meinen Freund so kennengelernt habe, aber gerade deswegen gehört´s auch gesagt ;)