Vier Gesten

Vertrauensprobleme? – Was den Egoisten verrät

Katharina Lübkeam 22.08.2016 um 14:29 Uhr

Ob in Freundschaft, Liebe oder Flirt: Vertrauen ist der entscheidende Faktor, wenn zwei Menschen sich näher kommen. Aber was, wenn Du Deinem Date zum ersten Mal gegenüber sitzt und Dich schon jetzt irgendwie mulmig fühlst? Auch wenn Dein Kopf ihm eine Chance geben will, rät Dein Bauch zur Vorsicht. Warum strahlen manche Menschen auf Anhieb Vertrauenswürdigkeit aus und andere bescheren uns massive Vertrauensprobleme? Sollten wir unserem Gefühl trauen? Forscher der US-amerikanischen Northwestern University verraten nun, auf welche Signale es ankommt und was sie aussagen: Eine Kombination von vier Gesten warnt uns vor dem Egoisten.

Die Forscher identifizierten vier verschiedene Verhaltensweisen, die in Kombination miteinander davor warnen, dem Gegenüber zu vertrauen. Zuvor hatten sie 86 Studenten ein Szenario durchspielen lassen, indem die Vertrauendswürdigkeit auf die Probe gestellt wurde.

Vertrauen

Vertrauensprobleme? Bei welchen Gesten der Bauch zur Vorsicht rät.

Experiment verrät den Egoisten

Zunächst lernte sich die Hälfte der Probanden in einem kurzen persönlichen Gespräch, die andere Hälfte in einem Chat kennen. Anschließend erhielt jeder Teilnehmer in getrennten Räumen vier Spielchips im Wert von jeweils einem Dollar. Gab man seine Chips jedoch dem anderen Spieler, verdoppelte sich der Wert. Tauschten die Spieler also ihre Chips, hatten sie jeder acht Dollar. Den meisten Gewinn, nämlich zwölf Dollar, gewann der Egoist: nämlich derjenige, der alle Chips vom Mitspieler bekam und die eigenen ebenfalls behielt.

In beiden Gruppen, der Gesprächs- und der Chatgruppe, verhielten sich die Spieler gleich kooperativ oder egoistisch. Jedoch konnten die Spieler ihre Gegenüber besser einschätzen, wenn sie ihn zuvor persönlich gesprochen hatten: Sie sagten um 30 Prozent besser vorher, ob diese sie um die Spielchips betrügen würde oder nicht. Aber woran erkennen wir den „Verräter“ in unserem Gegenüber?

Die Gesten der Egoisten

Vertrauensprobleme

Manchen Menschen misstrauen wir eher als anderen.

Die Forscher, die die Gespräche gefilmt hatten, machten vier verräterische Gesten aus: Die Egoisten hatten die eigenen Hände sowie das Gesicht berührt, die Arme gekreuzt und sich zurückgelehnt. Tauchten diese Gesten einzeln auf, sagten sie nichts über das Verhalten aus. In Kombination miteinander aber legten sie die fehlende Vertrauenswürdigkeit der Person offen. Je häufiger jemand diese Gesten kombinierte, desto häufiger behielt er die Spielchips für sich.

In einem weiteren Experiment ließen die Forscher das Szenario von 64 Studenten wiederholen, allerdings war der Gegenüber ein humanoider Roboter. Dieser unterhielt sich sehr nett über zehn Minuten mit den Teilnehmern, stellte Fragen nach Reisen und persönlichen Vorlieben und gab auch Eigenes von sich preis. Begleitend machte er entweder Unterhaltungsgesten, etwa zuckte er mit den Schultern, oder er imitierte die vier Gesten, die die fehlende Vertrauenswürdigkeit offen legten und zur Vorsicht rieten. Und tatsächlich: Hatte er letztere angewendet, vertrauten ihm die Teilnehmer weniger und nahmen an, er würde sie betrügen. Entsprechend behielten sie im Spiel die Chips für sich.

Vertrauensprobleme durch Gesichtszüge

Vertrauensprobleme

Manche Gesten verraten den Egoisten und raten uns zur Vorsicht.

Darüber hinaus lassen wir uns laut einer anderen Studie von Forschern des University College London von bestimmten Gesichtsformen beeinflussen und schenken manchen Menschen eher Vertrauen als anderen. Demnach verlassen wir uns bei der Beurteilung eines Menschen eher auf sein Äußeres und lassen Informationen über sein Verhalten außer Acht.

Wir suchen ganz automatisch nach Absichten und Gefühlen unseres Gegenübers, um herauszufinden, ob wir ihm vertrauen können. So ist unser Gehirn in der Lage, in Millisekunden ein komplexes Signal wie Vertrauenswürdigkeit von Gesichtszügen zu verarbeiten, ohne dass das Gesicht überhaupt bewusst wahrgenommen wird.

Die Londoner Forscher hatten mit Hilfe eines Computerprogrammes 20 Gesichterpaare kreiert und diese mit verschiedenen Merkmalen ausgestattet – allerdings nur mit solchen, welche nicht veränderbar sind, also etwa der Gesichtsform.

Anschließend sollten Probanden den 40 Gesichtern einen beliebigen Betrag einer Geldsumme anvertrauen, damit der Geldnehmer diese nun verdreifachen könnte – wenn er wollte: Der Geldnehmer sollte also entscheiden, wie viel Geld er dem Geber zurückerstatte – eine Frage des Vertrauens. In den anatomisch gesehen vertrauenswürdigen Gesichtern investierten die Probanden mehr. Zwar sank bei zusätzlich gegebenen Informationen über die Person hinter dem Bild die Investition erheblich. Dennoch profitierten die vertrauensvoll wirkenden Gesichter auch mit schlechter Vorgeschichte gleichermaßen von ihren Vertrauen erweckenden Gesichtszügen.

So lasse also lieber Vorsicht walten, wenn Dir in Deinem Gegenüber die vier Gesten des Misstrauens auffallen. Dein schlechtes Bauchgefühl ist vermutlich berechtigt. Hast Du Vertrauensprobleme aber auch ohne, dass Dein Date verräterisch herum gestikuliert, kann das vielleicht an seiner Gesichtsform liegen. Dafür kann er dann natürlich nichts und es kann nicht schaden, dem Gefühl in einem weiteren Date auf den Grund zu gehen.

Bildquelle: iStock/m-imagephotography, iStock/nicoletaionescu, iStock/STUDIO GRAND OUEST

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