Romantisch

Warum wir mit geschlossenen Augen küssen

Katharina Lübkeam 17.08.2016 um 16:29 Uhr

Warum schließen wir eigentlich immer unsere Augen, wenn wir küssen? So hässlich ist er doch gar nicht. Wissenschaftlerinnen der University of London hat die Frage zwar nicht interessiert, sie haben sie auch nicht untersucht, eine Antwort haben sie trotzdem herausgefunden – warum wir lieber mit geschlossenen Augen küssen .

97 Prozent der Frauen schließen beim Küssen die Augen. Bei den Männern sind es nur 30 Prozent. Bisher haben Forscher angenommen, dass wir beim Küssen die Augen schließen, weil wir aus zu großer Nähe das Gesicht unseres Partners nur schlecht fokussieren können. Der eigentliche Grund ist noch romantischer: Schließen wir die Augen beim Küssen, wollen wir uns voll und ganz auf ihn konzentrieren.

Warum küssen wir mit geschlossenen Augen?

Warum küssen wir mit geschlossenen Augen? Wir wollen mehr spüren.

Unser Gehirn ist überfordert

Tatsächlich ist unser Gehirn beim Knutschen mit offenen Augen überfordert. Es kann all die Sinneseindrücke kaum verarbeiten. So empfinden wir tatsächlich weniger und nicht so intensiv, wenn wir die Augen geöffnet haben, so das Ergebnis der britischen Psychologen. Einfach gesagt: Unser Gehirn kann sich leichter auf den Tastsinn konzentrieren, wenn wir nichts sehen.

Bei ihrer Studie ging es den Briten eigentlich gar nicht ums Küssen. Sie wollten ganz allgemein mehr über den Tastsinn erfahren. Die Studie sollte erklären, unter welchen Bedingungen wir Reize beim Fühlen besser wahrnehmen und inwiefern visuelle Reize den Tastsinn beeinflussen können.

Sehen sticht Fühlen

Küssen mit geschlossenen Augen

Küssen mit geschlossenen Augen

Um also die Frage zu klären, wie sich Sehen und Fühlen gegenseitig beeinflussen, mussten die Probanden in visuellen Aufgaben mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen Buchstaben finden. Dabei wurde auch ihr Tastsinn beansprucht, und zwar mit einer leichten Vibration an der Hand. Küssen mussten sie also keineswegs.

Je schwieriger die Buchstaben zu finden waren, also je mehr sich die Probanden auf das Sehen konzentrieren mussten, desto weniger reagierten sie auf den Vibrationsreiz. Laut den Wissenschaftlerinnen hängt die Wahrnehmung unseres Tastsinns somit davon ab, wie stark wir von visuellen Reizen abgelenkt werden. Kurz: Sehen sticht tasten.

Das Gehirn kann sich schwerer auf andere Sinne konzentrieren, wenn es mit visuellen Reizen überladen wird. Diese Ergebnisse ließen sich leicht auf unser Verhalten beim Küssen übertragen: Die Aufmerksamkeit richtet sich auch dann auf andere Sinne, wenn wir das gar nicht wollen, also beim Küssen. Wir schalten also wir alle visuellen Reize aus.

„Diese Ergebnisse könnten erklären, warum wir unsere Augen schließen, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf andere Sinne konzentrieren wollen – zum Beispiel beim Küssen“, so die Studienautoren gegenüber dem Telegraph. „Wenn wir die Augen schließen und die visuellen Einflüsse ausblenden, bleiben mehr Ressourcen im Gehirn für andere Sinne frei.“

Alles übers Küssen

Eigentlicher Grund für die Studie waren übrigens moderne Fahrersysteme in Autos und Flugzeugen: Diese senden Vibrationsalarme an den Fahrer, die diesen warnen sollen, etwa wenn er die Spur wechselt. Die Ergebnisse deuten aber nun an, dass solche Warnsysteme, die sich an den Tastsinn richten, nur unzureichend funktionieren können, da der Fahrer das Signal nur bemerkt, wenn er visuell gerade nicht zu stark abgelenkt ist. Die Psychologinnen veröffentlichten ihre Studie in der Zeitschrift Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance.

Bildquelle: iStock/shironosov, iStock/Sjale

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