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Christina Cascino am 15.10.2015

Wer kennt sie nicht: die berühmte Drei-Tages-Regel! Man lässt ihn zappeln und verwehrt sich jeden Kontakt, obwohl man an nichts anderes denken kann und im Minutentakt immer wieder auf das Handy starrt, ob er sich nicht doch schon gemeldet hat – und wenn der Angebetete dann endlich anruft, tut man leicht unterkühlt. Was total albern klingt, hat wohl schon jede Frau einmal erlebt – und das Gute daran: Es funktioniert tatsächlich! Aber was ist wirklich dran am „hard-to-get“-Effekt? Sollte sich eine Frau wirklich absichtlich rar machen, um das Interesse eines Mannes zu wecken?

Macht sich eine Frau in der Kennenlernphase rar, steigert sie das Interesse des Flirtpartners enorm.

Wie sagte einst die Großmutter zu uns, als wir ihr mit unserem Liebeskummer in den Ohren lagen und einfach nicht verstehen wollten, wieso der süße Typ vom Pausenhof einfach kein Interesse an uns hat: „Willst Du gelten, mach Dich selten!“ Und auch heute noch ist der Ratschlag von Oma so etwas wie ein Dauerbrenner im Dating-Zirkus. Doch lässt sich Mr. Right wirklich nur mit Spielchen erobern oder verzocken wir damit vielleicht eher unser Liebesglück?

Sich unnahbar geben, ein bisschen unentbehrlich – und immer ein bisschen desinteressiert wirken. Schon lange Zeit besteht die Meinung, dass eine Frau sich auf genau diese Art interessant macht und ihre Chance auf das große Liebesglück steigert. Schließlich besagt auch das Jahrtausende alte Spiel zwischen Frau und Mann: ER wirbt, SIE wählt aus. Fest steht: Je knapper und unerreichbarer ein Gut, desto mehr Aufwand betreiben wir, um es zu kriegen. Und das gilt bei weitem nicht nur für die dauerausverkauften Schuhe oder die limitierte Nagellack-Edition, sondern eben auch in der Liebe.

Sich rar machen als Spiel

Schon als Kind reizte es uns, wenn wir etwas nicht haben konnten, sondern erst darum kämpfen mussten. Ganz plötzlich war das Objekt der Begierde interessanter als zuvor angenommen. Und so ist es auch bei Menschen. Macht sich eine Frau in der Kennenlernphase rar, steigert sie das Interesse des Flirtpartners enorm. Denn Männer reagieren bewiesenermaßen unterbewusst darauf, wenn man sie wie ein Fisch im Netz ein wenig zappeln lässt. Männer sind Jäger, Frauen die Gejagten! Ja, das ist auch im heutigen Dating-Dschungel noch so und wird vielleicht niemals anders sein. Wäre ja auch zu langweilig, wenn sich beide auf Anhieb ihr Interesse zeigen und die unnötigen Spielchen à la ‚Ich warte bis der Andere anruft’ einfach sein lassen könnten.

So machen sich Frauen also oftmals aus taktischen Gründen selten, denn eigentlich möchten sie mit einem bestimmten Mann gerne zusammen sein, haben aber Angst, dass offensiv gezeigtes Interesse den Auserwählten nur abschrecken würde. Es gibt Frauen, die diese Spielchen leid sind, und es gibt Frauen, die das Spiel des Sich-Rar-Machens so richtig genießen. Manche machen sich sogar so selten, dass sie gar nicht mehr auftauchen, und manchen Damen werden die strategischen Schritte nach vorn und zurück schnell zum Verhängnis. Ganz leicht stolpert sie bei diesem Hin und Her oder wird mit einer balzenden Auerhenne verwechselt. Kein Wunder also, dass Frauen von Männern oft als Beutetiere ausgemacht werden.

Die richtige Mischung finden!

Was absurd klingt, beschäftigte jedoch auch die Psychologen der University of Virginia. Diese kamen zu einem interessanten Ergebnis: Demnach finden Männer weder eine distanzierte Unterkühltheit noch das offensichtliche Zeigen von Interesse an einer Frau anziehend. Es ist vielmehr die Ungewissheit, die gerade so interessant macht! Wenn eine Frau sich also rar macht, kann das den Mann enorm bestärken, sich um sie zu bemühen. Eine Frau wirkt so geheimnisvoll und etwas unnahbar und das möchte der Mann erforschen. Doch wer das Spiel des Sich-Rar-Machens nicht beherrscht oder übertreibt, verliert Authentizität und seinen Flirtpartner.

Auf die richtige Mischung kommt es also an: Den Flirtpartner ein wenig zappeln zu lassen und sein Interesse nicht allzu euphorisch preiszugeben, kann sehr reizvoll sein. Antworte daher einfach mal nicht sofort auf eine Nachricht Deines Traummanns oder geh nicht immer sofort auf seine Flirtversuche ein. Gib dem Erwählten vielmehr in regelmäßigen Abständen immer wieder ein paar „Häppchen“ zur Belohnung, damit er wieder motiviert ist, dranzubleiben. Die können dann mit der Zeit auch entsprechend erhöht werden. Das Erfolgsrezept ist: einen Schritt vor und zwei wieder zurück machen. Wer wären wir denn auch, wenn wir sofort auf ihn eingehen würden? Da könnten wir ja gleich sagen: „Och ja bitte, lass uns doch Samstagabend ausgehen, sonst hocke ich wieder alleine vor’m Fernseher. Und ich sehne mich ja auch sooo nach einer festen Beziehung!“ Der Mann muss noch geboren werden, der da nicht augenblicklich die Flucht ergreift! Doch bedenke: Führst Du Dich wie eine Prinzessin auf und übertreibst es mit dem „Rühr-Mich-Nicht-An“-Spielchen, wird der Mann schnell das Weite suchen.

Bei der Suche nach einer Partnerschaft gelten andere Regeln

Und was ist eigentlich mit der gegensätzlichen Annahme, dass Menschen sich besonders stark zum anderen hingezogen fühlen, wenn sie wissen, dass sie von diesem auch gemocht werden? Die bekannten Spielchen – vorzugeben, man sei beschäftigt oder hätte kein Interesse – sind bei der Suche nach einer festen Partnerschaft manchmal nicht sehr hilfreich. Hier sollte Frau sich vielmehr auf ihr Bauchgefühl verlassen und nicht drei Tage vor dem Telefon warten oder sich betont unterkühlt geben. Wer wirkliche Liebe sucht, braucht keine Dating-Spielchen, sondern die Bereitschaft, sich Zug um Zug zu offenbaren. Das ist ein mindestens genauso reizvolles Spiel.

Sich mal rar zu machen, den anderen über die Gefühle im Unklaren zu lassen und ab und an einen kleinen Köder auszuwerfen, um ihn dann wieder zurückzuziehen, mag auf den ersten Blick eine verlockende und auch aufregende Strategie sein, um das Interesse des anderen zu wecken. Wer allerdings wirklich was gelten will, sollte sich nicht allzu lange selten machen!

Bildquellen: iStock/Anetlanda, iStock/Qwasyx, iStock/remains


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