Bad Boys

Worauf stehen Frauen?

Katharina Lübkeam 14.07.2016 um 10:40 Uhr

Schon wieder auf so einen Hallodri hereingefallen? Kippe im Mundwinkel, BMW unterm Hintern und immer lockere Sprüche parat? Worauf stehen wir Frauen? Wir wollen die „richtigen Kerle“, solche, die sich nichts sagen lassen, sondern anderen sagen, wie es läuft, die verrucht sind und einen ordentlichen Hauch von Gefahr um sich tragen. Eine Studie aus Belgien hat das nun wissenschaftlich bestätigt. Demnach wird riskantes Benehmen mit Sex belohnt.

Dass es der Bad Boy leichter hat, bei Frauen im Bett zu landen, als der nette Junge von nebenan, ist alos offenbar kein bloßes Klischee mehr. Aber was ist unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten eigentlich ein Bad Boy? Der Titel der Studie macht das klar: „Das Alkohol- und Zigaretten-Syndrom junger Männer. Trinken und Rauchen als Strategie für One-Night-Stands und kurze Abenteuer.“ Als Indikatoren für riskantes Verhalten des Bad Boys dienten also Zigaretten- und Alkoholkonsum.

Worauf stehen Frauen

Worauf stehen Frauen bei einem Mann: Offenbar auf Trinker und Raucher.

Sowohl Rauchen als auch Trinken schädigen Lunge und Leber massiv, dennoch bleibt ein Teil der jungen Männer offenbar trotz aller Aufklärungskampagnen vehement dabei, und zwar deutliche mehr als junge Frauen. Denn wir Frauen stehen drauf – so die Vermutung der Forscher.

Rauchen als Strategie für Sex?

Genau hier setzten sie an und wollten herausfinden, warum junge Männer an diesen riskanten Verhaltensmustern festhalten bzw. ob sie die schädlichen Verhaltensweisen mehr oder weniger gezielt als Strategie für kurzweilige Sexabenteuer nutzen. Und ob Frauen darauf stehen.

Dazu fragten die Wissenschaftler zunächst 239 heterosexuelle Frauen zwischen 17 und 30 Jahren, wie sie bestimmte männliche Verhaltensweisen wahrnehmen. Die Forscher erstellten dazu zehn Verhaltensprofile von Männern und fragten die Frauen: „Basierend auf dem Profil, wie attraktiv findest Du diese Person als potentiellen Partner für (a) eine kurze Beziehung, ein Date oder einen One-Night-Stand und (b) für eine langfristige loyale Beziehung oder eine Ehe.”

Worauf stehen Frauen in der Beziehung

Worauf also stehen Frauen bei Männern? Die Wissenschaftler fanden einen Zusammenhang zwischen riskanten Verhaltensmustern und dem Erfolg beim Dating. Allein die Indikatoren Trinken und Rauchen versprechen einen signifikant besseren Erfolg bei sexuellen Abenteuern. Beides erhöhte die Attraktivität im Kontext kurzweiliger Liebes-Kontakte.

Worauf stehen Frauen: Trinken und Rauchen versprechen mehr Erfolg bei sexuellen Abenteuern.

Worauf stehen Frauen: Trinken und Rauchen versprechen mehr Erfolg bei sexuellen Abenteuern.

Nichtraucher und Nichttrinker werden sowohl für kurze Dates als auch für lange Partnerschaften gleich attraktiv wahrgenommen. Gelegenheits- und häufige Trinker werden besonders attraktiv für schnelle Abenteuer empfunden, weniger aber für langfristige Partnerschaften. Verglichen mit Nichttrinkern wirken starke Trinker auf Frauen für kurze Abenteuer attraktiver, aber unattraktiver für lange Beziehungen. Gelegentliches Trinken erhöht sogar die Attraktivität für beides, lang- und kurzfristig.

Zudem waren die Frauen der Meinung, dass Raucher und Trinker vermutlich eher kurzfristig an sexuellen Abenteuern interessiert seien, als Nichtraucher und Nichttrinker. Dabei spielte keine Rolle, wie oft Raucher rauchten, wohl aber wie oft Trinker tranken: Nur bei starken Trinkern dachten die Frauen, diese seien an kurzfristigen Kontakten mehr interessiert als Nichttrinker.

Raucher und Trinker sind eher an Sex interessiert

Die Forscher befragten außerdem 171 heterosexuelle Männer zwischen 17 und 30 Jahren, von denen 25 Prozent Raucher waren und 94 Prozent tranken Alkohol. Nur sehr wenige tranken nie. Sie fanden heraus, dass das Verhalten der Männer mit der Wahnehmung der Frauen übereinstimmte: Die Raucher, sowohl starke als auch Gelegenheitsraucher, waren generell mehr an Sexualität und an kurzfristigen Abenteuern interessiert als die Nichtraucher.

Auch schienen sexuell uneingeschränkte Jugendliche mehr dem Alkohol zu zu sprechen als Männer, die an langfristigen Beziehungen interessiert waren. Je mehr die Männer tranken, desto unbeschränkter waren sie sexuell.

Für die Autoren hat sich damit gezeigt, dass beide ungesunde Konsumverhalten als kurzfristige Paarungsstrategie genutzt werden könnten. Daber würden Männer starkes Rauchen und Trinken verwenden, um zu signalisieren, dass sie zu kurzfristigen Sexabenteuern bereit seien und um ihre Attraktivität in diesem Kontext zu erhöhen. Allerdings sei dies vor allem für Alkohol der Fall, und weniger für das Rauchen.

Körperliche Risikobereitschaft wirkt attraktiv

Körperliche Risikobereitschaft wirkt besonders attraktiv für kurzfristige sexuelle Kontakte.

Körperliche Risikobereitschaft wirkt besonders attraktiv für kurzfristige sexuelle Kontakte.

Schon 2012 hatte eine Studie gezeigt, dass Männer ihr riskantes Balz-Verhalten auf weibliche Wünsche einstimmen, je nach dem welche sexuelle Strategie sie verfolgen. Andere Studien zeigen – in Übereinstimmung mit der weiblichen Vorliebe für physische Qualitäten in kurzfristigen Affären –, dass körperliche Risikobereitschaft für kurzfristige Kontakte besonders attraktiv wirkt.

Für Gesundheitskampagnen heißt das womöglich, dass sie am völlig falschen Hebel ansetzen. Denn wenn es gerade die Aura der Gefahr ist und der legere Umgang damit, dann spielen die klassischen Abschreckungskampagnen dem Konsum noch in die Hände, indem sie aufzeigen, wie gefährlich Rauchen und Trinken sind. Damit gegen sie den Symbolen des gefährlichen Lebens noch Auftrieb.

Die Studien-Autoren vermuten, dass auch andere riskante Faktoren und „Bad Boy“-Attitüden auf Frauen verführerisch wirken. Das Problematische am Rauchen und Trinken ist aber die Niederschwelligkeit – jeder kann problemlos mitmachen.

Übrigens müssen die netten Jungs von nebenan nicht verzichten, sie müssen einfach geduldig warten, denn spätestens in der zweiten Hälfte der Dreißiger kehren sich häufig die Verhältnisse um: Dann geht es um Ehegatten- und Familien-Tauglichkeit.

Bildquelle: iStock/Rasmus Rasmussen, iStock/Rawpixel Ltd, iStock/abadonian

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