Polterabend

Crash Boom Bang!

Polterabend: Scherben bringen Glück

Birte Imme am 10.04.2015 um 15:32 Uhr

Zu einer Hochzeit gehören nicht nur die Eheschließung und eine anschließende Feier, sondern auch etliche andere Sitten und Bräuche, die den schönsten Tag im Leben ausweiten und damit noch besonderer machen. Neben dem Junggesell(inn)enabschied, der eher zu den neueren Trends in Sachen Hochzeit gehört, ist der Polterabend einer der klassischsten Hochzeitsbräuche. Doch woher kommt dieser Brauch eigentlich? Und warum zerschlägt man dabei so viel Porzellan? Erfahre hier alles Wissenswerte über den Polterabend.

Am Abend vor der Hochzeit (wenn`s feuchtfröhlich werden soll, lieber ein Wochenende vorher) treffen sich Verwandte, Bekannte, Arbeitskollegen, Nachbarn und sonstige Interessenten vor dem Elternhaus der Braut (traditionell), der Wohnung/dem Haus des Brautpaares (modern) oder einem Ort Eurer Wahl, wie einem Vereinsheim, einem Garten oder einem öffentlichen Grillplatz (ultracool), um den symbolischen Start ins gemeinsame Eheleben zu feiern. Die Gäste bringen zum Polterabend so viel altes Porzellan und Steingut mit wie möglich und zerschmettern es lauthals auf der Straße. Das Hochzeitspaar hat anschließend die Aufgabe, den entstandenen Scherbenhaufen gemeinsam zusammenzukehren, um zu zeigen, dass sie ein gutes Team sind. Das ist im Grunde erst einmal das Wichtigste, was man über den Polterabend wissen muss. Damit aber sowohl das Brautpaar als auch die Gäste wissen, welche ungeschriebenen Regeln sie an diesem Event zu befolgen haben, gibt’s hier ein paar Tipps.

Polterabend: Scherben bringen Glück

Am Polterabend geht in der Regel viel Geschirr zu Bruch

Die Geschichte des Polterabends

Wo genau der Brauch entstanden ist, ist nicht bekannt. Sein Motiv jedoch schon: Ursprünglich diente der Polterabend, der immer am Tag bzw. Abend vor der kirchlichen Trauung stattfand, den letzten schmückenden Vorbereitungen für das Hochzeitsfest. Da in der Regel im Elternhaus gefeiert wurde, brachte man einen Hochzeitsbogen im Vorgarten an und bastelte Papierrosen. Dabei half hauptsächlich die Nachbarschaft des Brautpaares und wurde für ihre Hilfe mit Speisen und Getränken belohnt. Gemeinsamer Gesang und geselliges Zusammensein rundeten den Polterabend ab.

Polterabend: Woher kommt der Name?

Der Polterabend hat seinen Namen vom lauten Poltern, das entsteht, wenn das mitgebrachte Porzellan auf die Straße geschmissen (und später wieder zusammengekehrt) wird. Auf diese Weise sollen böse Geister vertrieben, also Bedrohungen vom künftigen Ehepaar ferngehalten, werden. Während mit bösen Geistern früher hauptsächlich der Tod des Mannes – und der damit verbundene finanzielle Ruin für seine Frau – gemeint war, ist es heute eher der Ehebruch, den es zu verhindern gilt.

Polterabend: Warum schmeißen wir Porzellan?

Das alte Sprichwort „Scherben bringen Glück“ ist wohl den meisten geläufig. Und genau darum geht es auch beim Schmeißen des Porzellans am Polterabend. Mit dem Wort „Scherbe“ war im Töpferhandwerk ursprünglich jedes gebrannte Töpfergut gemeint. Wenn man sagte, dass Scherben Glück bringen, meinte man daher nicht das Zerbrochene, sondern gefüllte Vorratsgefäße aus Ton beziehungsweise reichhaltige Vorräte. Denn wer viel zu essen hat, der ist glücklich.
Damit es richtig laut poltert, sind Dir bei der Wahl des Porzellans für den Polterabend keine Grenzen gesetzt. Ob Teller, Becher, Schüsseln oder Blumentöpfe – sogar Klobrillen oder ganze Badewannen eignen sich als glücksbringende Scherben. Schau am besten einfach nach, was Du nicht mehr gebrauchen kannst. Gläser und Spiegel solltest Du aber zu Hause lassen! Glas steht nämlich für Glück und soll nicht zerbrechen, ein Spiegel erst Recht nicht: Denn das bedeutet sieben Jahre Pech für das Paar. (Bist du abergläubisch?) Wenn sich ein großer Scherbenhaufen angesammelt hat, muss das Brautpaar ihn in Teamarbeit auffegen und damit den Anwesenden zeigen, dass sie auch in ihrer Ehe immer zusammenhalten werden.

Polterabend: Das muss das Brautpaar wissen

Das Wann und Wo des Polterabends haben wir ja schon in der Einleitung geklärt, doch wie sieht es eigentlich mit der „Gästeliste“ aus? In der Regel gilt der Polterabend als halböffentliche Veranstaltung. Das bedeutet: Es gibt keine schriftliche Einladung, sondern lediglich einen kurzen Hinweis zu Ort und Zeit, der durch Mund-zu-Mund-Propaganda der Bekannten weitergetragen wird. Vor allem Leute, die zur Hochzeit selbst nicht eingeladen sind, bekommen am Polterabend die Möglichkeit, trotzdem Teil des Events zu werden. Oft und gerne kommt es vor, dass Gäste vor der Tür stehen, mit denen man überhaupt nicht gerechnet hätte, die den Abend aber umso mehr bereichern. Natürlich gehören zu einem gelungenen Polterabend auch genügend Getränke und leckeres Essen. Eine einfache, aber deftige Küche bietet sich an: Gulaschsuppe, Gegrilltes, Baguette, Salate, aber auch Kuchen treffen den Geschmack vieler Leute und bieten gleichzeitig eine Grundlage für etwaige alkoholische Getränke. Bei der Planung sollte man etwa 10 Prozent mehr für überraschenden Besuch kalkulieren. Die Dauer des Polterabends richtet sich nach dem Zeitpunkt, an dem er stattfindet. Am Abend vor der Hochzeit sollte das Brautpaar sich rechtzeitig verabschieden, um für seinen großen Tag fit zu sein. Partyfans sollten den Polterabend daher lieber ein Wochenende vor der eigentlichen Hochzeit feiern – dann steht einem offenen Ende nichts entgegen.

Polterabend: Das müssen die Gäste wissen

Für die Gäste gibt es am Polterabend nicht wirklich viel zu beachten. Sie bringen sich selbst und gute Laune mit – Geschenke sind nicht die Regel. Aber wenn Du unbedingt etwas beisteuern willst, freut sich das Brautpaar bestimmt über einen Beitrag zum Buffet. Was Du jedoch auf keinen Fall vergessen solltest: Ganz viel Porzellan zum Poltern mitzubringen! Der Dresscode ist leger. Insbesondere das Brautpaar wird zum Scherben kehren nicht die neueste Mode tragen. Denn in manchen Regionen werden am Polterabend um Mitternacht die Hose des Bräutigams und der BH der Braut verbrannt und/oder die Schuhe der Braut auf ein Holzbrett genagelt. Die dabei entstandene Asche wird dann zusammen mit einer Flasche Schnaps eingegraben, die nach einem Jahr gemeinsam geleert wird.
Sollte den Anwesenden beim Polterabend langweilig werden, können klassische Hochzeitsspiele Abhilfe schaffen. Beim Übereinstimmungsspiel oder dem Wadenraten wird das Wissen des Brautpaares auf die Probe gestellt und gleichzeitig die Gäste bespaßt. Ohnehin geht es beim Polterabend locker und lustig zu – ernste Reden sind hier fehl am Platz und gehören definitiv auf die Hochzeitsfeier.

Der Polterabend gehört zu den klassischen Heiratsbräuchen und darf bei den meisten Hochzeiten nicht fehlen. Mit unseren Tipps wissen sowohl das Brautpaar als auch die Gäste, was sie beim nächsten Polterabend erwartet und wie sie sich verhalten müssen. In diesem Sinne: Viel Spaß beim Poltern!

Bildquelle: iStock/Paday


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