Liebeskummer und Depression

Gefährliches Leid

Depression durch Liebeskummer: Ist das möglich?

Katja Gajekam 16.06.2017 um 15:03 Uhr

Wer schon mal unter sehr starkem Liebeskummer gelitten hat, der weiß, wie sehr man physisch und psychisch am Ende sein kann. Doch kann Liebeskummer auch eine Depression auslösen oder ist man dann einfach nur so fertig, dass es einem lediglich so vorkommt, als wäre man durch den Herzschmerz depressiv geworden?

Eins vorneweg: Dieser Artikel soll nicht dazu dienen, dass du als Leser eine Selbstdiagnose erstellen kannst, welche die eines Arztes oder Therapeuten ersetzt. Er soll lediglich einen Einblick in den Zusammenhang von Liebeskummer und Depressionen liefern.

Eine Trennung oder der Verlust der Liebe ist ein so einschneidendes Erlebnis, dass es durchaus eine Depression verursachen kann. Denn zu starker Liebeskummer kann unter bestimmten Umständen krank machen, wie allein schon das Broken-Heart-Syndrom zeigt.

Symptome von Liebeskummer und Depression

Generell ist es am Anfang, wenn die Trennung noch frisch ist, schwer zu sagen, ob es sich um Liebeskummer oder eine Depression handelt. Denn die Symptome beider Fälle sind sich sehr ähnlich:

  • Deprimiertes Mädchen

    Die Symptome von Depression und Liebeskummer ähneln sich stark.

    Antriebslosigkeit

  • Niedergeschlagenheit
  • Appetitverlust
  • Verlust der Lebensfreude
  • Leistungseinbruch
  • Konzentrationsprobleme
  • Aufgabe von bestimmten Zielen
  • Pessimismus
  • Mangelndes Selbstwertgefühl
  • Abschotten von der Außenwelt
  • Zukunftsängste
  • Selbstaufgabe
  • Innere Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Schuldgefühle

Diese Symptome sind zwar unschön, sind jedoch kurz nach einer Trennung noch kein Grund zur Sorge. Denn viele dieser Probleme und Emotionen macht so gut wie jeder in irgendeiner Form durch, wenn er Liebeskummer hat.

Hormonelle Ursachen

Schuld an diesem emotionalen Down sind mal wieder die Hormone und Botenstoffe in unserem Körper. Der Dopaminspiegel sinkt drastisch, Serotonin und Noradrenalin befinden sich in einem Ungleichgewicht. Es besteht also ein Mangel an:

  • Dopamin: Zuständig für das Empfinden von Glück, Motivation, Freude
  • Serotonin: Ein Stimmungsaufheller, der dich zufrieden und ausgeglichen macht, deinen Appetit steuert
  • Noradrenalin: Zuständig für Aufmerksamkeit, Motivation, Leistungsbereitschaft

Zur Erklärung: Diese Botenstoffe, oder auch Neurotransmitter genannt, übertragen normalerweise Signale an andere Nervenzellen. Bei an Liebeskummer Leidenden und auch bei depressiven Menschen weisen die verantwortlichen Nervenzellen eine viel geringere Aktivität auf, als bei gesunden Menschen. Kurz gesagt: Positive Empfindungen werden vom Gehirn einfach nicht aufgenommen, da sie nicht übermittelt werden. Vor allem der Mangel an Serotonin und Noradrenalin kann eine Depression auslösen.

Synapsen im Gehirn

Bei einer Depression ist die Übertragung von Botenstoffen, die glücklich machen, im Gehirn gehemmt.

Wann wird aus Liebeskummer eine Depression?

Manche Menschen werden besser mit Liebeskummer fertig, als andere. Sie leiden, aber nicht so intensiv, wie jemand, der vielleicht gerade sowieso an einem schwierigen Punkt in seinem Leben ist oder jemand, der emotionale Rückschläge generell schlecht verarbeiten kann. Der Unterschied ist: Liebeskummer vergeht mit der Zeit, auch wenn die Dauer immer unterschiedlich sein kann. Man sagt grob, dass das Schlimmste nach etwa zwei Monaten überstanden sein sollte; zumindest sollte sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Besserung des Zustands einstellen, selbst, wenn es nur eine kleine ist. Irgendwann kommt der Punkt, an dem lernt, die Trennung zu akzeptieren, man sich wieder aufrafft und zu neuer Stärke findet. Die Erkenntnis, dass ein Leben auch ohne den Partner möglich ist, mündet schließlich in einen Neuanfang in vielerlei Hinsicht.

Bei einer Depression tritt diese Erkenntnis jedoch nicht ein: Die verschiedenen Phasen der Trauer werden nicht überwunden, der Liebeskummer beginnt, den Alltag, das soziale Leben und auch den Job zu beeinträchtigen. Appetitverlust oder Schlafmangel können die Gesundheit gefährden. Wenn sogar Selbstmordgedanken dazu kommen, ist sofortiges Handeln gefragt.

Therapie der Liebeskummer-Depression: Gespräche und Antidepressiva

Antidepressiva

Hilft eine Therapie alleine nicht, werden oft Antidepressiva verschrieben.

Nachdem eine ärztliche Diagnose gestellt wurde, wird die Depression in der Regel zunächst therapeutisch behandelt. Gemeinsam mit dem Psychologen wird die vergangene Beziehung reflektiert und aufgearbeitet: Was habe ich falsch gemacht, was lag nicht in meiner Hand? Wie kann ich lernen, ohne meinen Partner Glück im Leben zu finden? Was möchte ich zukünftig anders machen? Sitzen meine Ängste vielleicht doch ein wenig tiefer? Solche Fragen und Probleme werden in den Gesprächen aufgearbeitet.

Wenn eine Gesprächstherapie keine Erfolge bringt oder die Liebeskummer-Depression bereits sehr stark ausgeprägt ist, ist eine Therapie mit Medikamenten, also Antidepressiva, sinnvoll. Allerdings ist eine psychotherapeutische Begleitung unabdinglich. Wird der Betroffene nur mit Medikamenten behandelt, macht er sich allein von diesen abhängig und lernt nicht, seine Situation samt Vergangenheit zu verarbeiten. Vielmehr sollen die Antidepressiva dazu dienen, anfängliche Schwierigkeiten wie Antriebs- oder Hoffnungslosigkeit zu meistern und schließlich wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Dies muss der Betroffene irgendwann aus eigener Kraft schaffen, um die Medikamente langsam absetzen und ohne sie leben zu können – eine Wunschvorstellung, die in den meisten Fällen auch erreicht wird.

So kannst du einer Depression vorbeugen

Natürlich ist eine Depression keine Erkältung, gegen die man sich mit einfachen Mitteln schützen kann. Es kann jedoch helfen, bestimmte Dinge zu tun, damit es dir wenigstens ein wenig besser geht. Die wichtigste Regel ist, dass du nicht verdrängen darfst. Denn dadurch blockierst du dich emotional, auch für positive Empfindungen.

  • Friss deinen Kummer nicht in dich hinein, sondern rede mit einer Person deines Vertrauens über deine Gefühle und Ängste. Wenn du dich das nicht traust, findest du vielleicht in einem Forum Gleichgesinnte, die dir helfen können oder solltest dich doch an einen Therapeuten wenden.
  • Lass alle Emotionen, die du empfindest (mögen sie auch noch so gegensätzlich sein im Verlauf) raus. Weine dich richtig aus, verarbeite deine Wut in Sport.
  • Mache Dinge, die dir guttun und versuche, dich nicht zuhause zu verkriechen.
  • Der Halt deiner Freunde oder deiner Familie ist jetzt besonders wichtig. So kannst du dem Gefühl der Einsamkeit ein wenig entgehen.
  • Es gibt ein paar Hausmittel und Lebensmittel gegen Depressionen, die deine Stimmung aufhellen können.

Solltest du oder eine dir nahestehende Person depressiv sein oder Suizidgedanken haben, kannst du dich anonym, kostenlos und rund um die Uhr an die Telefonseelsorge unter 0800/1110111 und 0800/1110222 wenden. Ebenso ist eine Beratung via Email möglich https://ts-im-internet.de. Weitere hilfreiche Informationen findest du unter: http://www.telefonseelsorge.de.

Bildquellen: iStock/Marjan_Apostolovic, iStock/KatarzynaBialasiewicz, iStock/alex-mit, iStock/Brent_Davis


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