Plötzlich erwachsen!

Plötzlich erwachsen!

am 07.01.2008 um 10:18 Uhr

Ich bin erwachsen. Diese befremdliche Gewissheit erwischt mich eiskalt. Ich will nicht übertreiben, richtig alt fühle ich mich mit 25 nun auch noch nicht, aber ich merke auf einmal, dass ich kein kleines Fräulein mehr bin, sondern endgültig eine Frau. Und der heutige Abend ist daran nicht ganz unschuldig. Da kann er noch so harmlos tun.

Nichts ahnend und noch völlig entspannt sitze ich bei meiner Freundin Karo und warte auf den Vorspeisensalat. Die Einladung zum Abendessen bei ihr und Christoph ist eigentlich nichts Besonderes. Ein Abend unter vielen. Aber bereits zwischen Huhn und Suppe merke ich: Irgendwas ist heute anders. Karo gibt sich besonders viel Mühe. Und selbst Christoph, der sich sonst schon schwer tut den Tisch abzuräumen, präsentiert den perfekten Hausherrn. Nach dem Dessert dann die große Überraschung: Wir werden heiraten! Diese Nachricht trifft mich völlig unvorbereitet. Den anfänglichen Schock überspiele ich gekonnt. Schließlich freue ich mich wirklich sehr für die Beiden. Meine Irritation hat andere Gründe. Nach unzähligen Glückwunschbekundungen und zustimmendem Schulterklopfen mache ich mich nachdenklich auf den Heimweg.

Was bleibt ist das Gefühl, dass sich grade etwas grundlegend verändert hat. Meine Freunde heiraten. Das hört sich schon verdammt erwachsen an! Und irgendwie färbt das auch auf mich ab, ich fühle mich plötzlich ein ganzes Stück größer, älter, reifer. Schließlich definiert man sich selbst ja auch über den Vergleich mit anderen und kriegt gewissermaßen den Spiegel vors Gesicht gehalten. Ob das immer so gut ist, steht auf einem anderen Blatt. Gerade wenn alle Menschen um dich herum durch die Bank weg erfolgreiche Business-Frauen mit Kleidergröße 36 oder eben verheiratet zu sein scheinen. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich bin also erwachsen. Aber warum überrascht mich das? Es ist ja nicht so, dass ich gestern noch mit Zahnspange auf dem Schulhof Gummitwist gehüpft wäre. Die alten Zöpfe sind längst abgeschnitten. Bei meinen Eltern wohne ich schon seit der Einführung des Euro nicht mehr, mein Studium ist abgeschlossen und mein eigenes Geld hab ich schon in den Neunzigern verdient. Ich bin seit Jahren selbständig. Und dennoch. Da stecken immer noch das kleine Mädchen, der Teenager, die Studentin in mir. Vergangene Phasen meiner Entwicklung, die mich allesamt zu dem gemacht haben, was ich jetzt bin. Sie sind ebenso unerlässlich wie unauslöschlich. Jede neue Stufe drängt die anderen aber jedes Mal auch weiter in den Hintergrund. Heute Abend ist mir eine neue bewusst geworden. Das kam zwar plötzlich; aber das Erwachsenwerden an sich findet natürlich nicht über Nacht statt, das ist mir nun auch klar. Es ist eine ständige Entwicklung, ein Prozess, der sich durchs ganze Leben zieht. Die Erkenntnis darüber, dass man soeben die nächste Stufe erreicht hat, die kommt manchmal allerdings ganz und gar plötzlich.

Zuhause angekommen, haben sich mein neues Ich und Ich schon ein Stück weit angefreundet. Ich fange an meine Aufgaben als Trauzeugin zu planen. Wer macht uns die Haare, wer liefert das Essen, wo wird gefeiert. In Gedanken lege ich mir schon mal das Kleine Schwarze raus; Schuhe müssen noch her. Es gibt Schlimmeres.

Nachdem die Planung als zukünftige Ehepatin erledigt ist, schlüpfe ich in meinen Häschen-Pyjama, setze mich mit einer großen Schüssel Popcorn vor den Fernseher und nehme mir ganz fest vor neben meiner neuen Erwachsenheit immer ein Stück weit das kleine Mädchen, der Teenie, die Studentin zu bleiben.


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Kommentare (2)

  • PinkeCreme am 13.06.2010 um 18:47 Uhr

    bei mir ist es ganz anders, ich fühle mich teilweise schon ziemlich erwachsen und reif, während andere mädels in meinem alter noch typische pubertätsphasen durchleben. ist auch komisch, wenn keiner deine ansichten nachvollziehen kann/will

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  • silbertau am 03.07.2009 um 11:23 Uhr

    komisches Gefühl wenn man denkt alles verändert sich um einen herum nur man selbst nich 😀

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